„Eigentlich wurde nur die Taskforce vom Land eingeführt und die Strafen, wenn du nicht rodest, gehen halt bis 30.000 Euro“, sagt Christian Kurz etwas resignierend. Er ist der Obmann des Weinbauvereins in Klöch und damit der erste Ansprechpartner für Weinbau und dessen Herausforderungen – und das ist in Klöch ganz klar die amerikanische Rebzikade.

Südoststeiermark als Hotspot für Rebzikade

Denn die von ihr verbreitete „Goldgelbe Vergilbungskrankheit der Rebe“ (GFD) führte zu Wachstumsstörungen, Ernteeinbußen und dem Absterben der Rebe. Die Bekämpfung beinhaltet das Roden von Weingärten und das Sprühen von Pflanzenschutzmitteln. Doch im Kampf gegen die Rebzikade seien viele Besitzer kleiner Weingärten zu nachlässig, kritisierten Klöcher Winzer im vergangenen Jahr. Die südoststeirische Gemeinde hatte sich zu einem Hotspot entwickelt. Ein runder Tisch mit Landwirtschaftskammer und Land Steiermark führte zu neuen Regeln.

Rebzikaden-Verbreitungsgebiet und -Befallszone für 2025
Rebzikaden-Verbreitungsgebiet und -Befallszone für 2025 © A 10 / Herbert Mrosek

„Es ist ein Wahnsinn. In Klöch brennt der Hut“, betont Kurz auch heuer mit Blick auf den Sommer. Denn ab Mai schlüpfen die Larven am Rebstock und ab Mitte Juli bis Ende September fliegen dann die erwachsenen Zikaden und verbreiten die Vergilbungskrankheit. Es brauche dringend wirksamere Mittel, bläst Kurz in das selbe Horn wie sein Kollege Günther Domittner gegenüber der Kleinen Zeitung im Juli 2025. Diese seien aber heuer ausgeblieben beziehungsweise zu wenig wirksam, so Kurz.

Günther Domittner zeigte im Juli 2025 seine Weingärten, in denen er mehrere Rebstöcke roden musste
Günther Domittner zeigte im Juli 2025 seine Weingärten, in denen er mehrere Rebstöcke roden musste © KLZ / Jonas Rettenegger

Hohe Strafen bei Nichtroden von kranken Reben

Was aber helfen dürfte sind die hohen Strafen, die Rebenbesitzer seit 2025 kassieren, sollten sie eine erkrankte Pflanze nicht roden. Bis zu 30.000 Euro kann das kosten. Eine 15-köpfige Taskforce soll Winzern und Hobbygärtnern bei der Bekämpfung helfen. Für den Obmann des Klöcher Weinbauvereins klingt das gut, denn: „Erklär einmal einem 90-Jährigen Hobbygärtner dass er seine paar Reben ausreißen muss, die seit Jahrzehnten bei ihm im Garten stehen. Das ist nicht einfach.“

Besitzer kleiner oder verwilderter Weinhecken müssen ebenfalls kranke Reben roden
Besitzer kleiner oder verwilderter Weinhecken müssen ebenfalls kranke Reben roden © KLZ / Jonas Rettenegger

Die betroffenen Winzer und Gemeinden setzen deshalb auf breite Information und Zusammenhalt, sprechen etwa Nachbarn aktiv auf ihre kleine Weinhecke an oder senden, wie Bürgermeister Daniel Tegel in Klöch, Briefe an Besitzer von Kellerstöckeln.

Zusammenhalt über Ortsgrenzen hinweg

„Das Wichtigste ist, dass wir Winzer zusammenhalten. Bei uns in den Vereinen haben sich schon lange Taskforces gebildet, die informieren und unterstützen“, erklärt auch Alois Gollenz, Obmann der Eruptions-Winzer. Die Einigkeit geht aber über die Ortsgrenzen hinaus, schließlich sind diese auch der Rebzikade herzlich egal.

„Sie ist absolut existenzbedrohend. Nicht nur für Vollzeitwinzer, sondern für die ganze Gemeinde“, sind sich etwa Tegel und Amtskollege Martin Weber aus Tieschen einig. Denn viele profitieren in den Orten nahe der slowenischen Grenze vom Tourismus, der wiederum vor allem durch den Genuss und die idyllische Kulturlandschaft floriert. Ga Wein‘t Gehn, Kellergasslfest oder jetzt zum Frühlingsstart das Wanderevent „Sonne trifft Wein“ – tausende Gäste kommen zu den Weinveranstaltungen in die Region.

Wein ist Lebensgrundlage und Identität

Ohne vollbehangene Weinberge und ihre Produkte würde das wohl schnell anders aussehen. Entsprechend stolz ist man vor Ort auch auf die eigenen Erzeugnisse: „Wenn ich höre, dass es in anderen Weingegenden bei Weinfesten auch Bacardi-Cola und Bier gibt, da kann ich nur den Kopf schütteln“, so Weber.

Daniel Tegel (l.) und Alois Gollenz sind stolz auf ihre Weine und hoffen weiterhin, damit Gäste in die Region zu bringen
Daniel Tegel (l.) und Alois Gollenz sind stolz auf ihre Weine und hoffen weiterhin, damit Gäste in die Region zu bringen © KLZ / Jonas Rettenegger

Es hoffen also alle, dass ein Umgang mit der amerikanischen Rebzikade gefunden werden kann. „Dass wir inzwischen zwei Mal jährlich verpflichtend Pflanzenschutzmittel spritzen, ist schon mal gut“, sagt Tegel. Aber es brauche noch mehr Maßnahmen, schließlich sei nicht nur das Kulturgut Wein in der Region, sondern ihre Lebensgrundlage und Identitätsmerkmal bedroht.