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Steirer des TagesErmi-Oma knüpft sich die 24-Stunden-Pflege vor

Die Ermi-Oma ist zurück. Für ihr neues Programm hat Markus Hirtler dorthin geschaut, wo die Politik seit Jahren angestrengt wegschaut – zum „heißen Eisen“ 24-Stunden-Pflege.

Die Ermi-Oma ist zurück © Christopher Mavric
 

Humor ist für Markus Hirtler so etwas wie ein Schuhlöffel. In seine Kabarettprogramme kommen die Leute, um unterhalten zu werden – und schlagen sich dann wegen Themen auf die Schenkel, bei denen einem nicht nur die Lachmuskeln wehtun sollten. Wie unsere „Altersentsorgungsgesellschaft“, Missstände im Pflegeberuf, Generationenkonflikte. Wenn Hirtlers Kunstfigur, die gewitzte Ermi-Oma, loslegt, geht es zur Sache.

Nach Hirtlers Intermezzo unter seinem eigenen Namen, für das er Grauhaarperücke und Kopftücherl vorübergehend ablegte, kehrt die schräge Alte heuer wieder auf die Bühne zurück. Für das gleichnamige Programm (Steiermark-Termine im Kasten) nimmt sich Hirtler eines noch viel schwierigeren Themas an. Es ist eines, das jemanden wie ihn, der mehr als 20 Jahre lang als Krankenpfleger, Pflegedienstleiter, Heimleiter und Sozialmanager gearbeitet hat, nicht kaltlässt: die 24-Stunden-Pflege. „Das brennt mir richtig im Herzen.“

Zur Person und steirische Termine

Markus Hirtler, geboren 1969, stammt aus Knittelfeld. Nach 20 Jahren u. a. als Heimleiter und Sozialmanager erschuf er 2003 die Kunstfigur Ermi-Oma, für die er etwa mit dem Grazer Kleinkunstvogel ausgezeichnet wurde.
„24-Stunden-Pflege“ ist sein achtes Programm. Steiermark-Termine in Knittelfeld (17. 1.), Mürzzuschlag (18. 1.), Graz (29. 1. und 11. 3.), Deutschlandsberg (30. 1.), Grafendorf (5. 2.), Feldbach (6. 2.), Wagna (7. 2.), Hitzendorf (7. 3.) und Weiz (8. 3.). Mehr unter www.ermi-oma.at


Um Material zu sammeln, hat der 49-Jährige mit Betroffenen gesprochen – betreuten Seniorinnen und Senioren, deren Angehörigen, Vermittlungsagenturen und auch Betreuerinnen selbst. Seine Erkenntnis: „Das ist keine Schwarz-Weiß-Geschichte.“ Er hörte von Frauen aus Rumänien und der Slowakei, die den Job durchaus als sehr positiv erleben, vor allem weil sie doppelt so viel wie in ihrer Heimat verdienen und nach einem Monat Arbeiten einen Monat daheim verbringen können. Er hörte aber auch von „völlig versklavten“ Frauen: „Zwei Stunden Pause am Tag sind so ziemlich die einzige Regel. Sie werden für alle möglichen Arbeiten herangezogen – und sei es, dass der Nachbar gerade Hilfe beim Zwetschkenpflücken braucht“, schildert Hirtler. „Das ist Sklaverei in unseren Wohnzimmern.“

Das ist Sklaverei in unseren Wohnzimmern.

Markus Hirtler
 

Dazu kommt noch: „Viele davon können praktisch kein Deutsch und haben auch kaum Ahnung von Pflege.“ Vom Gesetz her sind sie ja auch keine Pflegerinnen, sondern Personenbetreuerinnen – und als solche werden die Jobs in Osteuropa auch ausgeschrieben. „Den Frauen wird erzählt, dass sie nach Österreich kommen, um mit einem netten älteren Herrn oder einer Dame ein bisschen Karten zu spielen“, sagt Hirtler: „Das ist Betrug.“ In manchen Fällen komme es durch die mangelnde Qualifikation auch zu irreversiblen Pflegefehlern.

KLZ/Sabine Hoffmann
2016 stand Markus Hirtler erstmals als Markus Hirtler auf der Bühne, 2019 setzt er wieder Grauhaarperücke und Kopftücherl auf © KLZ/Sabine Hoffmann

„Gepflegtes Wegschauen ist das“, prangert der Kabarettist an: „Unsere demographische Entwicklung kennt jeder, es hätte schon längst etwas getan werden müssen. Immer wieder wird gesagt, man wolle sich das anschauen, aber: Ich sehe das Hinschauen nicht.“ Dabei hat er selbst einen konkreten Lösungsvorschlag: Bedarf und Kosten müssten ermittelt werden, dann könne die Pflege über eine Versicherung finanziert werden – „das wäre absolut machbar“. Zugleich müssten die Betreuerinnen auch endlich ausgebildet werden, sowohl Sprach- und Pflegekompetenz müssten gesichert werden.

Ich glaube daran, dass das Programm auch politisch etwas bewirken wird

Markus Hirtler

Auf der Bühne lässt Hirtler das Enkerl auf Tinder nach passenden Partnern suchen, während die Ermi-Oma in Hochglanz-Pflegebroschüren blättert. Die Realität schaut freilich anders aus. Das Programm „24-Stunden-Pflege“ soll diesmal nicht „nur“ ältere Menschen mit all ihren Sorgen und Problemen sichtbar machen. „Ich glaube daran, dass es auch politisch etwas bewirken wird.“

Kommentare (1)

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CuiBono
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4
Lesenswert?

Wie wahr!

Hier wird ein Finger in eine offene Wunde unserer Gesellschaft gelegt, die von der Politik einfach nicht erkannt werden will.

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