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Steirer des Tages

Dieser Steirer punktet bei "Grill den Henssler"

Der gebürtige Oststeirer Gerhard Retter (43) ist längst hochdekorierter Sommelier und Restaurantleiter – nun wurde er als Juror einer VOX-Kochshow einem Millionenpublikum bekannt.

© VOX/Hempel
 

Etliche Preise hat er gewonnen, für die hochkarätigsten Köche Europas gearbeitet und der Queen Tee serviert, viele Fachmagazine würdigten seine Kompetenz in Artikeln. Berühmt geworden ist Gerhard Retter aber quasi über Nacht: Seit er im sonntäglichen Hauptabendprogramm auftritt, tuscheln im Kindergarten die Mütter: „Ist das nicht der ...?“ Es sei absurd, meint der gebürtige Oststeirer: „Ich bekomme sogar Autogramm-Anfragen“. Zwei Millionen Zuschauer sind im Schnitt dabei, wenn in der VOX-Kochshow „Grill den Henssler“ eine illustre Runde aus B-Promis gegen den (fast) unschlagbaren Spitzenkoch Stefan Henssler um die Wette kocht. Seit der achten Staffel fungiert Retter neben XXL-Sportmanager Reiner Calmund und Foodbloggerin Hannah Schmitz als Juror.

"Retter bleibt Retter"

„Mein Lebensziel war es zwar nicht, ins Fernsehen zu kommen, aber es ist spannend und macht sehr viel Spaß“, sagt Retter über seinen TV-Job. Dass er als Nachfolger für die Gastrokritiker-Legende Heinz Horrmann im Gespräch war, hat er dabei lange nicht gewusst: „Ich wurde zu Castings eingeladen, dabei wurde aber nicht verraten, um welche Sendung es geht.“ Der 43-Jährige, der in Hofkirchen bei Kaindorf aufgewachsen und mit seiner Mutter, die verschiedene Gasthäuser gepachtet hatte, jahrelang in der ganzen Steiermark herumgezogen ist, war davor schon bei den „Topfgeldjägern“ im ZDF und bei „Hell’s Kitchen“ auf SAT.1 zu sehen.

„Das Fernsehen ist natürlich fantastisch für mich“, sagt er über seine neue Popularität, aber: „Retter bleibt Retter. Das ist nur die Spitze meiner Pyramide, und die steht auf einer soliden Basis mit meiner Familie und den Betrieben.“

Zur Person

Gerhard Retter, geboren 1973 in Hartberg, wuchs in Hofkirchen auf. Mit seiner Mutter und seinem Schwiegervater zog er durch die Steiermark (u. a. Neuberg, St. Marein, Langenwang, St. Radegund, St. Martin/W., Zöbing, Turnau), bis er Koch und Kellner im Gleisdorfer Ludersdorferhof lernte.

Stationen bei Eckart Witzigmann in München, Fredy Girardet in Lausanne, Gordon Ramsay in London und Heinz Hanner in Mayerling.

Auszeichnungen: u. a. Käsesommelier des Jahres, Sommelier des Jahres (Deutschland und Österreich), Mâitre des Jahres, Steinfederpreis für Weinpublizistik.

Seine Betriebe, das sind zwei ziemlich unterschiedliche Lokale: Zum einen das Restaurant „Fischerklause“ am idyllisch gelegenen Lütjensee im Norden von Hamburg, zum anderen die hippe Weinbar „Cordobar“ in Berlin. Die „Fischerklause“ ist seit mehr als 90 Jahren im Besitz der Familie seiner Frau Claudia, 2009 übernahm das Ehepaar die Leitung des Ausflugslokals und möbelte sowohl den Weinkeller als auch die Küche auf – mit deutlichen österreichischen Akzenten.

Vor dreieinhalb Jahren kam dann die Weinbar dazu, ursprünglich aus einer Schnapsidee geboren: „Das war in einer dunklen Nacht – Christoph Ellinghaus (Chef der Kult-Plattenfirma „City Slang“, Anm.) und ich hatten ein, zwei Flaschen Wein und beschlossen, unsere übervollen Weinkeller für eine Bar zu nutzen. Ich habe eigentlich gar nicht mehr daran gedacht – aber plötzlich rief er an und sagte, er hätte jetzt die perfekte Location gefunden“, lacht Retter.

Der Hipster-Wirt ist auch ein Steirer

Als Wirt in der In-Bar, in der rund tausend Spitzenweine und Raritäten mit Preisen zwischen 30 und 2000 Euro pro Flasche lagern, wurde übrigens auch ein Steirer eingesetzt: Willi Schlögl aus Lafnitz, Gleichenberg-Absolvent und 2014 in Deutschland als „Sommelier des Jahres“ ausgezeichnet. Retter selbst hat mit seiner Familie (die beiden Töchter sind 4 und 5 Jahre alt) längst seinen Hauptwohnsitz in Lütjen aufgeschlagen. „Doch je schlechter das Wetter ist, desto größer wird die Chance, dass ich nach Berlin fliege.“

Ich möchte natürlich nach wie vor als Österreicher wahrgenommen werden - ganz lasse ich mich nicht von den Deutschen assimilieren. 

Gerhard Retter

Seine Liebe zur deutschen Hauptstadt hat schließlich nie geendet: Acht Jahre lang war der Sturm-Fan – nach Stationen bei den Jahrhundertköchen Eckard Witzigmann in München, Frédy Girardet in Lausanne, Gordon Ramsay in London und Heinz Hanner in Mayerling – als Maître im legendären „Adlon“ tätig. Mit seinem österreichischen Charme wurde er selbst zur Legende. Er bediente unzählige Prominente von Tina Turner („Mit der hatte ich viel Spaß“) über U2 oder Jodie Foster bis hin zu Bill Clinton oder Benjamin Netanjahu. Auch Queen Elizabeth II. hat er ihren Nachmittagstee serviert – wofür sie sich übrigens per Brief für bedankt hat.

Auch wenn sein oststeirischer Dialekt für manche vielleicht nicht mehr sofort wahrnehmbar ist: „Ich möchte als Österreicher wahrgenommen werden, ganz lasse ich mich nicht assimilieren“, sagt Retter. Österreicher-Sein, das sei außerdem ein guter Schutz: „Man kann frech sein, ohne uncharmant zu wirken.“ Sein wichtigstes Erfolgsrezept – nicht nur fürs Fernsehen – lautet demnach: „Unbedingt immer authentisch bleiben. Nur Nullen haben keine Kanten.“

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