Über weite Strecken zu warm und schneearm: Der Winter hielt in diesem Jahr nicht wirklich, was er verspricht. Das zeigen auch die Zahlen und Daten von Meteorologe Roland Reiter, der als solcher für den Wetterdienst Ubimet tätig ist und als gebürtiger Turnauer seine Heimat genau im Blick hat.

Obwohl der Jänner vergleichsweise kühl ausfiel, war der Winter aus meteorologischer Sicht nämlich von Anfang Dezember bis Ende Februar schlussendlich zu mild. „In den drei Wintermonaten haben wir im Mürztal Temperaturabweichungen von knapp über einem Grad gegenüber dem dreißigjährigen Mittel [Anm. 1991-2020]“, berichtet Reiter. Während die Thermometer in den Tälern etwa ein Grad über dem Durchschnitt anzeigten, waren es am Berg sogar um die zwei Grad.

Spitzenwerte in Mariazell und Turnau

Besonders warm fiel dabei der 28. Februar aus, an dem in Mariazell (17,2 Grad), Kapfenberg (16,8) und Kindberg (16,6) die Höchstwerte des Winters gemessen wurden. „Solche Ausreißer gibt es immer wieder. Die Werte liegen weit über dem Klimamittel“, erklärt der Meteorologe und verweist darauf, dass es im Vorjahr im Februar noch deutlich kühler war.

Richtig kalt wurde es hingegen Anfang und Ende Jänner. Den Spitzenwert des Bezirks maß man am 22. Jänner in Turnau (Minus 18,2 Grad), ähnlich kühl war es bereits am 8. Jänner in Mariazell (Minus 16,1)., sowie am 23. Jänner in Mürzzuschlag (Minus 15,1).

Meteorologe Roland Reiter
Meteorologe Roland Reiter © Pototschnig Franz

Im Vergleich zum Vorjahr gab es in diesem Winter auch deutlich mehr Eistage, an denen die Temperaturen die Null-Grad-Marke nie überschritten. 20 Stück davon zählte man in Mürzzuschlag, dicht gefolgt von Aflenz mit 19. Auch in den großen Städten Kapfenberg (14) und Bruck (10) war es von Dezember bis Februar knapp zwei Wochen derart kalt.

Trüber und schneearm

Dennoch: „Ein kalter Monat reicht nicht aus für einen kalten Winter“, fasst Reiter zusammen. Die warmen Temperaturen seien neben den mangelnden Niederschlägen auch dafür verantwortlich, dass sich langfristig keine Schneedecke bilden konnte. Am dicksten war diese im Bezirk am 20. Februar, als sich große Flocken über weite Teile Österreichs senkten und für chaotische Zustände auf den Straßen sorgten.

Die Schneefräse musste man in der Frein Mitte Februar auspacken
Die Schneefräse musste man in der Frein Mitte Februar auspacken © Zvg

In Mariazell maß man an jenem Tag 25 Zentimeter Schnee, auch in Bruck waren es 22. „Dann hat es sich aber nur kurz gehalten, meistens nur zwei bis drei Tage im ganzen Bezirk“, betont Reiter. Nur selten ließ sich vielerorts die Sonne blicken: Allein in Kapfenberg zählte man über den Winter 35 Tage ohne Sonnenschein, 34 waren es in Kindberg, 31 in Bruck. „Das waren deutlich mehr trübe Tage als in den letzten Jahren“, so Reiter. Auch in Mürzzuschlag gab es im Dezember fast drei Wochen ohne Sonne. Dort gibt es allerdings seit Mitte Jänner aufgrund eines Defekts der Wetterstation einen Datenausfall.

Kein Wintereinbruch zu erwarten

Dass die Kälte und der Winter in den nächsten Wochen nochmals Einzug halten, sei unterdessen „sehr unwahrscheinlich“, meint der Meteorologe. „Jetzt kommt ein umfangreiches Hoch auf uns zu, bis zur Monatsmitte gibt es kaum eine Chance auf kalte Luft oder Niederschlag“, erklärt Reiter mit Blick auf mehrerer Modelle. Grundsätzlich seien Kaltlufteinbrüche zwar noch bis April möglich, allerdings würden diese erfahrungsgemäß kürzer ausfallen.