Paukenschlag in Aflenz: Stefan Pierers Bürgeralm sperrt endgültig zu
Unternehmer Stefan Pierer kehrt der Aflenzer Bürgeralm den Rücken. Wie geht es nun mit dem Skigebiet samt Liften und Hütten weiter?

Nur wenige Pisten waren in dieser Skisaison auf der Bürgeralm weiß, bei vielen hat der Braunton überwogen. Bis auf die Kinderpisten wurden die Abfahrten nicht beschneit. „Eigentlich hat uns auch die Höhe damit bisher recht gegeben. Aber wenn es jetzt auch auf 1.500 Meter kaum noch Naturschnee gibt, müssen wir uns etwas anderes überlegen“, sagte Günther Essenko, Geschäftsführer des „Naturerlebnisses Bürgeralm“ bei einem Lokalaugenschein im Februar.
Nicht einmal einen Monat später die Hiobsbotschaft: Die Bürgeralm wird vorerst nicht mehr aufsperren, der bisherige Eigentümer und Geldgeber Stefan Pierer steigt aus. Was zuletzt als Gerücht durch die Region geisterte, bestätigt jetzt auch der Aflenzer Bürgermeister offiziell: „Uns ist mitgeteilt worden, dass sich Herr Pierer aus dem Bürgeralm-Engagement zurückziehen wird“, so Hubert Lenger.
Pierer befindet sich bekanntlich durch die KTM-Krise in Mattighofen in massiven finanziellen Turbulenzen, sein Lebenswerk wackelt. Dabei hatte es zuletzt geheißen, dass sich die Umbrüche nicht auf die privaten Engagements des Industriellen in der Obersteiermark, er besitzt auch mehrere Immobilien in Aflenz, auswirken. Jetzt scheint es zumindest für das Skigebiet eng zu werden. Zuletzt konnten Personen mit Hauptwohnsitz in Aflenz über diverse Kooperationen sogar gratis auf der Bürgeralm Ski fahren.

Wirtschaftlich ist das Skigebiet jedenfalls schon seit Jahren eine enorme Herausforderung gewesen, selbst in guten Jahren waren Zuschüsse notwendig. Bereits 2011 ist die Bürgeralm-Gesellschaft als 100-prozentige Tochter der Gemeinde in Konkurs geschlittert. Trotz verschiedener touristischer Aktivitäten waren kaum Gewinne zu lukrieren. „Ein Liftbetrieb in der Größenordnung, wie wir ihn betreiben, ist von der Infrastruktur her, wie die ÖBB: Ein Betrieb, der die öffentliche Hand braucht – der aber auch für die Öffentlichkeit etwas leistet“, hieß es von Essenko kürzlich noch.
In Aflenz sprang deshalb der Industrielle Stefan Pierer mit seiner Privatschatulle in die Bresche und glich die Verluste aus. Ein Vorteil, den viele andere Skigebiete nicht hatten. „Ohne ihn hätten wir schon zumachen müssen“, meinte Essenko vor wenigen Wochen noch. Nun gilt für diesen Satz nicht mehr der Konjunktiv. Für den Aflenzer Bürgermeister Hubert Lenger jedenfalls ein Schlag, auch wenn es nicht überraschend ist: „Natürlich hat man befürchtet, dass es einmal so weit kommen kann. Die Bürgeralm war bis heute kein Geschäft und wird vermutlich so eines auch nicht mehr.“

Die Gemeinde werde alles tun, um eine Weiterführung zu ermöglichen. Auch, wenn „die Nachfolger-Suche sicher nicht einfach wird, wenn man sich auch die Situation der anderen Liftgesellschaften in der Region ansieht.“ Nachsatz des Bürgermeisters: „Vielleicht ist jetzt auch die hohe Politik gefragt, um die kleinen Skigebiete zu erhalten.“
Die Kleine Zeitung hat Günther Essenko, der gleichzeitig die rechte Hand Pierers für viele Aktivitäten in der Region ist, auch um ein aktuelles Statement gebeten. Er hat aber vorerst abgewunken, er könne erst zu einem späteren Zeitpunkt Stellung nehmen.

