„Winterzauber haben wir abgesagt, ein Heimatsommer-Event passt momentan besser“
Durch den Schneemangel geraten kleinere Skigebiete ohne künstliche Beschneiung unter Druck. Gibt es keine Zuschüsse, droht das Aus. Ein Lokalaugenschein auf der Bürgeralm in Aflenz.

Kurz nach 9 Uhr schaltet Liftwart Nino Rischka die Seilbahn ein. Dann heißt es warten und den leeren Sesseln auf ihrem Weg über das braune Wiesenband hinterherschauen. Im Laufe des Vormittags trudeln die ersten Gäste ein. Ski haben sie aber keine dabei.
„Ich gehe dann einmal den Schnee suchen“, spaßt eine Dame, die so wie die meisten anderen zum Spazieren auf die Bürgeralm fährt. Für Rischka ein gewohntes Bild: „Das sonnige Wetter ist eigentlich perfekt, aber der Schnee fehlt. Deswegen gehen jetzt mehr Leute wandern als skifahren“. Mittlerweile hilft er statt bis zu 500 Tagesgästen nur mehr rund 50 auf den Sessellift.

Die Bürgeralm in Aflenz liegt auf einer Seehöhe von 1.500 Metern. Der letzte Schnee ist am 13. Jänner gefallen. In der aktuellen Saison waren deshalb noch nie alle neun Lifte in Betrieb. Nur wenige Pisten sind weiß, bei vielen überwiegt der Braunton der darunterliegenden Wiese. Bis auf die Kinderpisten werden die Abfahrten auf der Bürgeralm nicht beschneit. „Eigentlich hat uns auch die Höhe damit bisher recht gegeben. Aber wenn es jetzt auch auf 1.500 Meter kaum noch Naturschnee gibt, dann müssen wir uns etwas anderes überlegen“, sagt Günther Essenko, Geschäftsführer des Naturerlebnisses Bürgeralm.
Eine künstliche Beschneiung aller Pisten lohne sich nicht: „Wir haben uns ein Angebot für eine Teilbeschneiung eingeholt, das würde fünf Millionen kosten. Das ist für uns nicht zu machen.“

Kinder, Tellerlifte und „Donuts“
Die Pisten, die offen haben, sind gut präpariert. Befahren werden sie vor allem von Kindern. „Du verlernst die Bogerl, wenn du nur Schuss fährst“, schimpft eine Oma ihren Enkelsohn. Etwas Süßes bei der Jause direkt auf der Piste gibt es für ihn trotzdem.

Gleich daneben übt ein junger Bursche das Liftfahren. Immer wieder entwischt ihm der Teller zwischen den Beinen, sein Vater hilft schließlich auch mit. Stress haben sie keinen, der Junior kann immer wieder probieren. Warteschlange? Fehlanzeige, die beiden sind die einzigen Skifahrer bei diesem Lift.
Während die Kinder fleißig unter der Aufsicht ihrer Eltern das Skifahren trainieren oder mit „Donuts“, aufgeblasenen Gummireifen, über den Schnee rutschen, marschieren Wanderer über die mit braunen Flecken durchsetzten Pisten. Blickt man auf den Schnee, waren sie heute auch nicht die ersten. Statt Schischlieren markieren hunderte Fußabdrücke die Abfahrten.

In der nahen Almrauschhütte wartet Koch Jürgen Kroisenbrunner auf Arbeit, er ist gleichzeitig der Verantwortliche für den gesamten Gastro-Betrieb. „Es nimmt einem schon die Freude, wenn man bis 16 Uhr da ist und maximal zehn Gäste hat“, seufzt er ob des geringen Andrangs. Der Blick auf den Wetterbericht in den steirischen Semesterferien hebt seine Laune auch nicht. Noch immer sind keine nennenswerten Niederschläge vorhergesagt. Stattdessen: „Wir bekommen jetzt schon Reservierungen für den Sommer herein.“

Ohne Zuschüsse geht es nicht mehr
Geschäftsführer Essenko ergänzt, dass es solch milde Winter auch schon vor 30 Jahren gegeben hat. Wirtschaftlich seien das enorme Herausforderungen, weil das kleine Skigebiet selbst in guten Jahren Zuschüsse braucht. Trotz verschiedener touristischer Aktivitäten sind kaum Gewinne zu lukrieren. „Ein Liftbetrieb in der Größenordnung, wie wir ihn betreiben, ist von der Infrastruktur her, wie die ÖBB: Ein Betrieb, der die öffentliche Hand braucht – der aber auch für die Öffentlichkeit etwas leistet. „Wir sind die Ausbildner für die großen Skigebiete.“
Ohne Pierer hätten wir schon zumachen müssen.
— Günther Essenko, Geschäftsführer Naturerlebnis Bügeralm
In Aflenz springt der Industrielle Stefan Pierer mit seiner Privatschatulle in die Bresche und gleicht Verluste aus. Ein Vorteil, den viele andere Skigebiete nicht haben. Auch Essenko bestätigt: „Ohne ihn hätten wir schon zumachen müssen.“ Ob man die Bürgeralm noch etwas verbessern könne? Essenko denkt nach. „Wir haben schon viel gemacht, aber Veranstaltungen sind vielleicht noch ein Thema“, meint er und fügt hinzu: „ Das Winterzauber-Live-Radio haben wir abgesagt, ein Heimatsommer-Event passt momentan besser.“ Nichtsdestotrotz: Diesen Winter soll die Bürgeralm noch bis März geöffnet bleiben.
