Ist es eine farbenfrohe Aktion, um die Anliegen der schwul-lesbisch-trans-liberalen LGBTIQ-Community ins Stadtbild zu tragen, oder ist es schlicht Sachbeschädigung? Da scheiden sich die Geister.

Anlässlich des jüngsten Christopher Street Days war es jedenfalls - wie schon letztes Jahr – wieder so weit. Aktionisten aus dem Umfeld der Rosalila PantherInnen haben die Stufen des Erzherzog-Johann-Brunnens in den Symbolfarben der Bewegung, also den Farben des Regenbogens, angefärbelt. Das ist auf Instagram auch in einer Videostory dokumentiert.

Bei dieser Stiege legte Robosch (Screenshot rechts) mit Hand an
Bei dieser Stiege legte Robosch (Screenshot rechts) mit Hand an
© KK/Screenshot/Instagram/Rosalila PantherInnen

Und darauf sieht man, wie "der Grazer" berichtet, dass die SPÖ-Gemeinderätin Anna Robosch bei der Spray-Aktion selbst Hand angelegt hat. Die Mandatarin streitet im Gespräch mit der Kleinen Zeitung gar nicht ab, dass sie und auch andere Gemeinderätinnen an der Aktion beteiligt waren, kann die Aufregung aber nicht ganz nachvollziehen: "Das war – wie schon im letzten Jahr – eine Aktion, bei der ein Kreidespray verwendet worden ist."

Reinigungskosten: 5000 Euro

Die Aufregung konnten heuer auch schon die Queer-Referate der Grazer ÖHs nicht verstehen, die die Initiative gesetzt haben, sagte eine Sprecherin jüngst zur Kleinen Zeitung: "Die Kreidefarbe ist leicht abzuwaschen, mit dem nächsten Regen ist das weg."

Dem sei freilich nicht so gewesen. Laut Kulturstadtrat Günter Riegler (ÖVP) soll die Spezialreinigung des Denkmals 5000 Euro gekostet haben, berichtet "der Grazer". Nach der Anzeige der Sachbeschädigung durch das Kulturamt könnten die Verursacher des Schadens nun zur Rechenschaft gezogen werden, heißt es weiter.

Robosch ortet doppelbödige VP-Kampagne gegen LGBTIQ+

Die SPÖ-Gemeinderätin Robosch steht zu ihrer subversiven politischen Aktion und kann über diese "ÖVP-Kampagne gegen LGBTIQ+" nur den Kopf schütteln: Im Vorjahr habe Stadtrat Günter Riegler auf eine Anfrage der FPÖ im Gemeinderat noch wörtlich gesagt: "Tatsächlich ist es so, dass der Erzherzog-Johann-Brunnen eben farblich rund um den Christopher Street Day eben ein wenig 'verschönert' worden ist. Das ist natürlich eine Aktion, die sozusagen subversiv ist, aber das muss man, glaube ich, als Stadt auch aushalten." Es seien damals im Zuge einer Routinereinigung auch keine Zusatzkosten entstanden, ließ der Kulturstadtrat damals wissen.

"Und nun kostet es – bei der gleichen Kreidefarbe – plötzlich 5000 Euro und braucht eine Spezialreinigung", ortet Robosch ein durchschaubares Spiel der Skandalisierung und Kriminalisierung durch die ÖVP: "Das Traurige ist, dass sich das gegen LGBTIQ+ richtet – und diesen Menschen schlägt derzeit ohnehin genug Hass entgegen!"

Bei Stadtrat Riegler weist man die Kritik verstört zurück

Im Büro des Kulturstadtrates Riegler kann man da nur den Kopf schütteln: "Wir hatten da keinerlei politische Motivation. Das Kulturamt hatte keine Ahnung, wer hinter der Aktion steckt und daher auch die Anzeige erstattet", findet man die Aussagen von Anna Robosch einigermaßen verstörend. Das Video mit ihr sei erst danach aufgetaucht.

Wollen nicht die beteiligte Politikerinnen die Reinigung zahlen?

Der Frage, ob sie und die anderen beteiligten Mandatarinnen von ihren Polit-Bezügen nicht die Reinigungskosten übernehmen wollen, weicht Robosch aus: "Die Initiatoren hätten sogar angeboten, die Reinigung nach einigen Tagen selbst zu erledigen. Aber Stadtrat Riegler, der im Vorjahr noch verständnisvoll und liberal war, hat ja lieber eine externe Firma beauftragt und das als Sachbeschädigung angezeigt."

SPÖ-Chef Ehmann: Keine Konsequenz für Robosch

Der Grazer SPÖ-Chef Michael Ehmann sieht in Roboschs subversivem Aktionismus keinen Grund für Konsequenzen, betont aber: "Das war keine Aktion des SPÖ-Klubs." Bei der Anzeige durch Rieglers Kulturamt fragt er sich aber schon, ob das nicht rein politisch motiviert war. Ehmann steht hinter der Community und der Agenda von LGBTIQ+ und findet auch deren Sichtbarkeit enorm wichtig: Ob dafür Mandatare Denkmäler bemalen sollen, "darüber kann man trefflich streiten".