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springfestival 2021 startetRaven auf dem Fahrrad und DJs im Freilichtmuseum

Das Fronleichnam-Wochenende ist springfestival in Graz: Zwar weiter ohne Clubveranstaltungen, dafür aber mit spektakulären DJ-Streams, Kunst auf den Straßen, Fassaden und im Netz. Und einem inklusiven DJ-Workshop als Herzensprojekt.

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Magic Moment: Der britische DJ-Star Claptone legte bei Sonnenaufgang im Freilichtmuseum Stübing auf © springfestival/Philipp Meikl
 

In den Clubs herrscht nach wie vor Tanzverbot. Und trotzdem: Jetzt ist  "spring". Die 21. Ausgabe des Grazer Festivals für elektronische Kunst und Musik steigt heuer zu Fronleichnam, also von 2. bis 6. Juni.

Die hoffnungsvollen Bilder von vollen Clubs und selig dicht an dicht  tanzenden Menschen muss man zwar noch einmal (hoffentlich: einmal noch!) beiseiteschieben, das spielt es heuer nach wie vor nicht. Dafür haben sich die Festival-Macher aber wieder einige Alternativen überlegt, um doch Festivalgefühle in der Stadt aufkommen zu lassen.

So ist in der Stadt seit heute Mittwoch das BeatBike unterwegs, auf dem DJs wie Pete van Weed, Fred Froehlich und Jorge Tavarez auflegen.

Tanzmusik auf Bestellung gibt es abgesehen davon weiter nur im Radio (abends auf Radio Soundportal) und per Stream - aber das ziemlich aufwändig und spektakulär produziert. Schon im Vorjahr ließ man DJs am Grazer Schloßberg und, noch ein wenig höher hinaus, am Dachstein auflegen - die so entstandenen Videos wurden vom internationalen Portal DanceTelevision unter die 20 besten gewählt und tausendfach weltweit gestreamt. Heuer setzt man DJs zum Beispiel im Zeughaus, im Freilichtmuseum Stübing und am Erzberg in Szene - mit vielen Kameras, Drohnen und allen Drum und Dran.

Eine immer größere Rolle im Festival spielt die Kunst: Die Londoner Künstlerin Lidi 8 macht die Grazer Straßen zu ihrer Leinwand, bei einer Mobile Mapping Tour werden Häuserfassaden zum Leuchten gebracht. Übrigens sogar manchmal mit Sound - das soll dann guerillamäßig und spontan passieren. Gemeinsam mit der Grazer NFT-Plattform Mintastic wird zudem ein Kryptoart-Schwerpunkt gesetzt.

Ergänzend dazu werden zwei kostenlose Workshops für Kinder und Jugendliche von 12 bis 16 Jahren angeboten: Uschi Ultra und Cat Gadget bringen Nachwuchs-DJs bei, wie man Musik auflegt und mit Tom Lohner geht es ans kreative künstlerische Schaffen. Für Große gibt's einen Ableton-Workshop mit der Berliner Produzentin Madeline Bloom. Das Herzensprojekt ist aber der inklusiver "AccepDance" Workshop: Gemeinsam mit dem mehrfach ausgezeichnete Firefly Club, der Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung zu DJs ausbildet, gibt es einen Workshop - und sogar eine Party am Mariahilferplatz.

Interview

Das springfestival Graz geht von heute bis 6. Juni über die Bühne(n). Programm-Macher Thomas Mussbacher über geänderte Bedingungen und neue Chancen.

Was war die größte Herausforderung, ein Programm zu gestalten, das schon in die Öffnungszeit fällt, aber dennoch nicht live stattfinden kann?

THOMAS MUSSBACHER: Wir haben bis zum Schluss alle Verträge offengehalten. Unsere große Basis sind ja die Klub-Konzerte. Und das geht in die Nacht hinein, ist also heuer leider nicht möglich. Aber alle großen Live-Acts, die wir in Planung hatten, werden hoffentlich im nächsten Jahr stattfinden können.

Wie schaut das aktuelle Programm also aus?

Was im Freien und unter den Sicherheitsbestimmungen möglich ist, werden wir machen. Einige DJ-Sets wurden auch schon vorab aufgezeichnet und können gestreamt werden – Auftritte an ungewöhnlichen Orten: in Stübing, auf dem Erzberg, im Zeughaus.

Und was passiert in Graz?

Wir bewegen uns geografisch in Richtung Lendplatz. Das springfestival wird aktiver, es finden Workshops statt. Wobei wir auch dem Inklusionsgedanken stark Rechnung tragen. Unter dem Titel „AccepDance“ bieten wir gemeinsam mit dem Firefly Club eigens konzipierte Workshops für Menschen mit speziellen Bedürfnissen an. Da kann man in die elektronische Musik reinschnuppern. Man weiß, dass zum Beispiel Menschen mit Downsyndrom sehr starke kognitive Fähigkeiten haben.

Street-Artists sollen die Stadt in ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk verwandeln. Wie wird das genau aussehen?

Eine Straßenmalerin bildet quasi auf den Straßen, auf dem Boden, das Festival ab. Man soll auch sehen, dass in der Stadt etwas los ist.

Die Musik wird diesmal nicht nächtens in den Klubs stattfinden, sondern tagsüber in der Stadt. Das Nachtschattengewächs sucht also das Licht.

So könnte man es sagen. Und das sehe ich auch als Chance. Es gibt zum Beispiel Beat-Bikes, die mit einer Tonanlage bepackt sind, und damit werden Musiker durch die Stadt radeln und jeden Tag von 17 bis 21 Uhr an verschiedenen Orten ihre Sets spielen. Damit vermeiden wir Menschenmassen, sind mobil und bringen den Sound zu den Menschen. Music to go also.

Interview: Bernd Melichar

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