Herr Kunze, Sie gelten als großer Fürsprecher der Grippe-Impfungen und treten mit dieser Meinung regelmäßig auch öffentlich auf. Sind Sie der Sprecher des Pharmakonzerns, der den entsprechenden Impfstoff vertreibt?
MICHAEL KUNZE (lacht): Nein, natürlich nicht. Das ist nur meine persönliche Meinung und dass diese auf seriösen Daten beruht, da können Sie viele, viele andere Ärzte befragen.
Aber gerade das Beispiel Grippe-Impfung zeigt doch, dass der Einfluss so mancher Pharmabetriebe auf die Gesundheitsbranche gewaltig ist.
KUNZE: Schauen Sie, Sie werden auf der ganzen Welt keinen medizinischen Kongress finden, der nicht irgendwo von einem Pharmaunternehmen bezahlt worden ist. Auch in Graz nicht. Da ist nichts Unseriöses dran.
Kürzlich erhielten Medien eine Aussendung eines Pharma-Unternehmens, in dem Sie zitiert wurden.
KUNZE: Das war großer Käse. Nicht, dass ich falsch verstanden werde: Was ich gesagt habe - nämlich, dass ich es für wichtig halte, sich gegen Influenza impfen zu lassen - dieses Zitat stimmt vollkommen. Aber das in einer Aussendung eines Unternehmens zu bringen, war falsch. Ich habe mich darüber intern auch beschwert.
Was halten Sie davon, dass das Gesundheitsministerium bei Anfragen zu Zahlen rund um Grippefälle auf www.influenza.at verweist. Eine Internetseite, die von einem Pharmakonzern gesponsort wird?
KUNZE: Ich gebe zu, das halte ich nicht für sehr glücklich.
Können Sie einen massiven Anstieg von Grippefällen im Land bestätigen?
KUNZE: Absolut. Die Kurve zeigt stark nach oben - vor allem in den vergangenen beiden Wochen gibt es rasant mehr Fälle grippaler Infekte und Influenza in Österreich.
Haben wir den Höhepunkt der heurigen Grippewelle erreicht.
KUNZE: Das lässt sich jetzt noch nicht sagen. Noch ist die Welle nicht überstanden.
"Ich bin nicht Sprecher eines Pharmakonzerns"
Interview mit Michael Kunze, Vorstand des Instituts für Sozialmedizin in Wien, zur Impfdebatte.