In Wien betreibt die „Vollpension“ bereits seit 2015 Generationencafés, die Senioren einen Zuverdienst ermöglichen sollen. Im Sommer hatte das Vollpension-Team die Idee in Graz und Salzburg vorgestellt, an weitere Standorte in diesen Städten ist gedacht. Um die Finanzierung auf die Beine zu stellen, hatte man je 500 „Stammgäste der Zukunft“ gesucht – und in Graz auch gefunden. Sie unterstützen die Gründung des Cafés, indem sie im Voraus Gutscheine kaufen.

„Crowdinvesting“ als Erfolg

Nun meldet man sich mit guten Neuigkeiten: Die Crowdinvesting-Kampagne für künftige Standorte in Graz (und auch Salzburg) wurde erfolgreich abgeschlossen. Über 190 Personen investierten insgesamt mehr als 400.000 Euro – das Finanzierungsziel von 200.000 Euro pro Stadt wurde damit übertroffen. Jetzt liegt der Fokus auf der Suche nach geeigneten Immobilien.

„Der Zuspruch ist überwältigend. Schon unser Pop-up im Sommer war ein großer Erfolg, und jetzt haben die Grazerinnen und Grazer mit ihren Investments gezeigt, wie sehr sie sich ein dauerhaftes Generationencafé wünschen”, freut sich der gebürtige Grazer Moriz Piffl-Percevic, Mitgründer und Ideengeber der Vollpension, über den Ausgang des Crowdinvestings.

Mit den 200.000 Euro aus dem Crowdinvesting ist ein wichtiger Grundstein gelegt. Nun folgen Standortsuche, Detailplanung und die Sicherung der Gesamtfinanzierung. „Wir suchen ein geeignetes Objekt in zentraler und bester Lage und sind über jeden Hinweis dankbar“, erklärt Piffl-Percevic. Gesucht wird eine Fläche ab 200 Quadratmetern mit Gastgarten in gut frequentierter Lage. Wann ein Vollpension Generationencafé in Graz eröffnet werden kann, hängt davon ab, wie lange es dauert, einen geeigneten Standort zu finden und welche Umbauten und Genehmigungen notwendig sein werden. 

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Bemerkenswert: 60 Prozent kam von Frauen

Besonders bemerkenswert ist, dass 60 Prozent der Unterstützerinnen und Unterstützer weiblich sind und sie auch 60 Prozent des investierten Kapitals beisteuern – obwohl sie strukturell benachteiligt sind. „Dass trotz struktureller Benachteiligung gerade Frauen die Mehrheit ausmachen, zeigt: Die soziale Wirkung war ausschlaggebend für die Investition“, so Piffl-Percevic.

Gegen finanzielle Armut und Vereinsamung

Aktuell sind 55 Seniorinnen und Senioren bei den bestehenden Generationencafés in Wien angestellt, die dort etwa kochen und servieren, administrativ arbeiten oder Fahrdienste übernehmen. Die Speisen von „der Oma“ sind gleichzeitig Aushängeschild und Marketinginstrument. Vollpension-Gründer Piffl-Percevic verweist auf einen blinden Fleck auf dem Arbeitsmarkt. „Als wir das zweite Generationencafé in der Johannesgasse eröffnet haben, haben sich innerhalb von 48 Stunden in Wien über 300 Seniorinnen bei uns beworben.“ Der lokale Betrieb würde so viel Aufmerksamkeit bekommen, „weil es offensichtlich in der Zivilgesellschaft sehr wenig Lösungen für den demografischen Wandel gibt“.

Außerdem wirkt die Arbeit laut dem Vollpension-Ideengeber gegen Vereinsamung: „Finanzielle Armut ist der größte Treiber von Kontaktarmut. Das spiegelt sich in allen Studien wider. Das wissen wir aber auch aus den Gesprächen mit unseren Mitarbeiterinnen.“