Es ist ein besonders dicht verbauter Teil im bevölkerungsstärksten Bezirk Lend: Im ca. 29 Hektar großen Gebiet zwischen Kalvariengürtel und Bienengasse bzw. zwischen Mur und Wiener Straße gibt es Luft nach oben, was den öffentlichen Raum angeht. Viele hätten gerne schönere Parkanlagen, eine andere soziale Infrastruktur und ein besseres Wegenetz im Stadtteil, nicht zuletzt gibt es den langjährigen Wunsch der Schulen nach einem sicheren und schönen Schulumfeld rund um den Fröbelpark. Viele Gründe dafür, dass „Lend Mitte“ als zweiter Stadtteil in Graz ein eigenes Leitbild bekommen soll.
Mit diesem in Graz noch recht neuen Instrument – Jakomini-Süd war 2023 das Pilotprojekt – will man Wünsche der Menschen vor Ort aufnehmen, um Handlungsempfehlungen für die Stadtplanung zu formulieren und vorausschauend planen können. Dabei gehe es um nicht weniger als Leitlinien für eine hohe Lebensqualität, heißt es dazu: „Wir erarbeiten gemeinsam mit der Bevölkerung eine klare Perspektive für diesen dynamischen Stadtteil“, erklärt Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne): Ihr gehe es dabei darum, den öffentlichen Raum aufzuwerten, Grünflächen auszubauen und eine noch lebenswertere Umgebung für alle zu gestalten.
Fröbelpark im Zentrum
„Ich freue mich sehr, dass vor allem der Fröbelpark angegangen wird“, sagt Bezirksvorsteher Christian Carli (KPÖ), selbst in diesem Teil der Stadt zuhause. Der Spielplatz wird aus sicherheitstechnischen Gründen bereits im Frühjahr umgestaltet – er hätte sonst für ein Jahr gesperrt werden müssen. Er hofft wie Schwentner auf rege Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger bei den Veranstaltungen: Die Auftaktveranstaltung erfolgt am 3. März (18 Uhr) im Mosaik, Wiener Straße 148, dazu sind mehrere niederschwellige Kaffeetreffpunkte, ein Infopoint und Stadtteilspaziergänge geplant, auch online ist die Beteiligung möglich. Bei vielen Veranstaltungen sind aufgrund des hohen Migrationsanteils im Stadtteil auch Dolmetscher vor Ort.
Die wichtigsten Themen hat man bereits vorab ausgemacht: Neue Grünflächen, größere Baumscheiben und qualitätsvolle Aufenthaltsorte für alle Generationen sollen lebenswerte Freiräume bilden, die Mobilität soll für Geh- und Fußverkehr attraktiviert werden, mit mehr Angeboten für alle Generationen und Kulturinitiativen will man die soziale Infrastruktur stärken, Durchgrünung und Klima-Maßnahmen sollen für eine nachhaltige Entwicklung sorgen. Und nicht zuletzt will man die Quartiersidentität bewahren und stärken, die in Lend durch seine Geschichte besonders stark ausgeprägt sei: Darauf soll das Leitbild aufbauen, Orte mit besonderer Bedeutung sichtbar machen und den Charakter des Viertels weiterentwickeln.
Welche Erfahrungen aus Jakomini einfließen
In Jakomini, wo man das Leitbild auch aufgrund einiger großer Bauprojekte erstellte, seien bereits positive Synergien entstanden, sagt Schwentner: „Das Wunderbare war ja, dass wir verschiedene Menschen und Stakeholder miteinander vernetzt haben, die vorher nichts voneinander gewusst haben.“ Sie ist überzeugt, dass das auch im Lend gelingen werde. Und: „Für mich ist klar, das Ergebnis aus dem Prozess ist ein direkter Auftrag an die Stadt, nach den Empfehlungen der Menschen vor Ort zu handeln.“