Im „Pride Month“ Juni feiern nicht nur immer mehr Menschen weltweit Stolz, Toleranz und Selbstbewusstsein von lesbischen, schwulen, bi- und transsexuellen sowie queeren Personen und kämpfen damit zugleich gegen Kriminalisierung, Stigmatisierung und Ausgrenzung dieser Gruppierungen. Er ruft auch Gegenreaktionen hervor. So werden nicht nur Regenbogenfahnen angegriffen, die FPÖ startete 2017 etwa den „Patriotenmonat“ in Österreich und die AfD folgte 2023 mit dem als ultrarechts geltenden Onlineaktivisten „Shlomo Finkelstein“ und der Onlineaktion „Stolzmonat“. Die bunte Regenbogenflagge wird dabei durch eine Flagge mit den Farben Deutschlands ersetzt. Verbreitet wird das „Gegennarrativ“ rund um LGBTQ-feindliche Inhalte und „Nationalstolz“ von AfD-Politikern und Aktivisten der Identitären Bewegung sowie rechtsextremen Medien.

Auch in Graz waren zuletzt einige derartige Sticker aufgetaucht – insbesondere rund um den Volksgarten, wo am letzten Juni-Samstag die CSD-Parade in das Parkfest, erstmals auch mit einem Fußballturnier, mündete. Im Zuge der Vorarbeiten rief die Grazer LGBTQ-Interessensvertretung, der Verein RosaLila PantherInnen, dazu auf, die Aufkleber abzureißen, für jeden vorgezeigten Sticker gab es ein kostenloses Bier. Das war allerdings nicht ganz ungefährlich, wie sich herausstellte: Laut Berichten auf Social Media sollen sich unter einigen der Sticker auch Rasierklingen versteckt haben – ganz offensichtlich mit der Absicht, andere Menschen zu verletzen.

Die PantherInnen starten nun einen Gegenangriff: Nach dem Vorbild des deutschen Aktivisten und Influencers Fabian Grischkat, der und sich die Markenrechte sicherte und mit dem Verkauf von Stolzmonat T-Shirts Gelder für die Magnus Hirschfeld Stiftung sammelt, hat man sich auch in Österreich die Markenrechte für den Begriff „Stolzmonat“ gesichert, sowie auch die Domain „Stolzmonat.at“. Letztere führt bereits auf die Domain www.csd-graz.at für die Grazer Aktivitäten und die Parade zum Christopher Street Day. Außerdem ruft man dazu auf, den Begriff „Stolzmonat“ neu zu deuten: „Wir rufen dazu auf, den Hashtag #stolzmonat zu nutzen, um das Internet mit bunten und vielfältigen Bildern im Zeichen der Toleranz zu fluten. Lasst uns gemeinsam ein Zeichen setzen und für eine offene und inklusive Gesellschaft eintreten!“, heißt es in einem Posting.

Die Umdeutung von abwertenden Begriffen hat insbesondere in lesbischwulen Bewegungen lange Tradition: Vor allem im englischen Sprachraum hat sich die Community Beleidigungen wie „Fag“, „Sissy“, „Butch“, „Dyke“ selbst angeeignet. In Graz wird selbstbewusst der „Tuntenball“ gefeiert und zur „Fagtory“ geladen.