Bis zu sechs Stunden dauert es bis Sarah Kampitsch zu einem lebendigen Kunstwerk wird. Die Grazerin ist seit zehn Jahren in der Modelszene unterwegs. Jedoch in einer ganz besonderen Art: als Bodypaint-Model. Dabei wird ihr gesamter Körper bemalt und sie selbst zur Leinwand einer Künstlerin oder eines Künstlers. Am Ende liegt es dann an ihr, das Kunstwerk zum Leben zu erwecken. „Bodypainting ist für mich eher wie Schauspiel“, erklärt Sarah, „Man wird halt wirklich vom Künstler, von der Künstlerin in ein Fantasiewesen verwandelt“.

Erfolge bei den Weltmeisterschaften

Das Besondere bei dieser Kunstform ist, dass sie nicht beständig ist. Am Ende des Tages wird das Kunstwerk wieder abgewaschen, was ebenfalls mindestens eine Stunde dauern kann. Daher ist diese Kunst nur in einer Dreierkombination möglich. Neben dem Model und der Künstlerin, dem Künstler ist auch ein Fotograf oder eine Fotografin notwendig, um das fertige Werk festzuhalten. Bei den diesjährigen Weltmeisterschaften im Bodypainting hat sie gemeinsam mit dem Südtiroler Künstler Johannes Stötter in der Kategorie „Camouflage“ gewonnen. Und mit der koreanischen Künstlerin Jinra Kim erlangte sie in einer recht neuen Kategorie, „Open Category“, den zweiten Platz. Den sie auch schon vergangenes Jahr gemacht hat.

Das „Tabu“-Thema Nacktheit

Eine Schattenseite, welche die Bodypaint-Szene nicht loslässt, ist die starke Sexualisierung weiblicher Models. „Viele verstehen noch nicht den Unterschied zwischen Kunst und Pornografie“, erzählt Sarah. Viele Besucher des World Bodypaint Festivals würden nur kommen, um nackte Frauen zu sehen. Auch einige international bekannte Fotografen würden ihre Machtposition ausnutzen und junge Models mit gratis Fotoshootings und Ähnlichem locken. Sarah selbst war ebenfalls mal in so einer Situation.

„Es gibt immer wieder Leute, wo ich weiß, ich könnte Nasenbohren während sie fotografieren, weil mein Gesicht ist da definitiv nicht drauf“, erklärt Sarah. Anfangs hat sie noch damit gespielt oder es einfach ignoriert. Je mehr sie sich jedoch mit Feminismus beschäftigt hat, desto mehr hat es sie gestört. Jetzt arbeitet Sarah auch aktiv dagegen, weil sie generell der Meinung sei „Nacktheit ist etwas Natürliches.“