Ihr Handwerk haben sie daheim gelernt, in Hotels, Küchen und Tourismusbetrieben rund um Schladming. Eines Tages packten sie jedoch ihre Koffer. Nicht für ein Wochenende, sondern für Monate. Heute sind Mathias Waschl, Katrin Gabardi und Sarah Fischbacher auf den Meeren rund um den Globus unterwegs – als Hoteldirektor, Küchendirektorin und Bordfotografin auf großen Schiffen.
Mathias Waschl, aufgewachsen im Ennstal, schloss die Höhere Lehranstalt für Tourismus in Bad Ischl ab und arbeitete danach in Hotels in Österreich und Frankreich. Den Weg aufs Schiff fand er beinahe unfreiwillig. Eine Schulkollegin bewarb sich in Hamburg bei Reedereien, er begleitete sie nur unterstützend. „Ich werde aber nie auf einem Schiff arbeiten. Ich gehe von den Bergen nicht weg“, sagte er damals dem Recruiter. Zwei Wochen später hingen Karibik, Panamakanal und Bora Bora auf dem Routenplan. Sein Vater meinte trocken: „Einmal kannst du es ja ausprobieren.“
Dirigent für ein „schwimmendes Hotel“
Aus diesem Einmal sind fast neun Jahre geworden. Mittlerweile hat sich Waschl vom Rezeptionisten zum Hoteldirektor hochgearbeitet und verantwortet den gesamten Hotelbetrieb an Bord – Rezeption, Housekeeping, Küchen-, Restaurant-, und Barbereiche, Spa, Administration sowie das Personalbüro – mit bis zu 300 Crewmitgliedern aus aller Welt. Das Leben auf engem Raum, monatelang, fordert ein hohes Maß an sozialer Kompetenz. Grundsätzlich sieht er jedoch ein „schwimmendes Hotel“ ähnlich wie eines, das auf festem Boden steht: „Am Ende geht es immer darum, Menschen eine besondere Zeit zu ermöglichen, egal ob Berghotel oder Kreuzfahrtschiff. Nur der Horizont ist ein anderer.“
Katrin Gabardi arbeitete zehn Jahre lang im Stadthotel Brunner in Schladming, bevor sie sich 2020 beruflich veränderte. Das Hotel, in das sie wechselte, wurde jedoch verkauft und schloss 2023. Daraufhin musste sie sich eine neue Arbeitsstelle suchen und schrieb kurzerhand ihre Kontakte aus dem Gastgewerbe an, darunter Mathias Waschl, den Neffen ihrer früheren Chefin. Der vermittelte sie an den kulinarischen Leiter seines Arbeitgebers. Erfolgreich: Gabardi heuerte an und kletterte die Karriereleiter bis zur Position der Küchendirektorin hinauf.
Küchendirektorin mit 69 Mitarbeitern
Im vergangenen Winter führte sie auf drei Decks 69 Mitarbeitende und koordinierte vier Küchen. Eine Herausforderung auf langen Weltreisen ist es, die goldene Mitte zwischen lokaler Küche und vertrautem Geschmack zu finden: „Wichtig ist mir, dass wir landestypische Gerichte, zubereitet mit lokal gekauften Lebensmitteln mit ins Menü nehmen. Wer jedoch ein Stückchen Zuhause auf der Speisekarte sucht, soll auch fündig werden. Hier gilt für mich das Motto: Ein Schnitzel geht immer.“ Was sie wirklich vermisst? „Absolut nichts geht über das Erdäpfelgulasch meiner Mama, und kein Kaffee der Welt wird so gut sein wie der, den mir mein Vati hinstellt.“
Sarah Fischbacher hat ihr Leben auf zwei Standbeine gebaut: Im Sommer fotografiert sie in der Heimat Hochzeiten und Familien, im Winter geht es auf Expeditionsschiffe. Ihre letzte Reise führte sie nach Island, Grönland und in das arktische Kanada, im kommenden Winter geht es sogar in die Antarktis. Damit erfüllt sich für Fischbacher „ein ganz großer Reisetraum“. Als Bordfotografin begleitet sie Gäste auf Schlauchbooten in Naturparadiese, fotografiert seltene Tiere wie Eisbären oder Polarfüchse und erstellt am Ende jeder Reise ein visuelles Tagebuch.
Zwischen Eisbären und Polarfüchsen
Ihre Bilder sind sowohl eine bleibende Erinnerung für die Gäste, werden aber auch im Marketing verwendet. Besonders fasziniert sie, dass stets Expeditionsexperten an Bord sind: „Sie liefern wertvolle Hintergrundinfos, aufgrund der ich genau weiß, was ich fotografiere und die Geschichten hinter den Orten kenne.“ Für Fischbacher ist ihr Job auch ein Schritt aus der Komfortzone: „Ich werde sehr schnell seekrank, das ist eine große Herausforderung. Aber genau dieser Mut hat einen meiner größten Träume wahr werden lassen: die Welt zu sehen und dabei mit meiner Kamera Erinnerungen zu schaffen.“ Ihr Rat an alle, die Ähnliches vorhaben: „Traut euch – die Welt wartet auf euch.“
Was alle drei eint, ist nicht nur die Lust am Reisen sondern eine Haltung: neugierig genug, um loszugehen, und verwurzelt genug, um zu wissen, wohin man gehört. Waschl fasst es so zusammen: „Zuhause bin ich nicht der Hoteldirektor, sondern einfach der Mathias.“ Wenn er zwischendurch heimkommt, braucht er nicht viel um anzukommen: „Einmal tief durchatmen und endlich wieder Leitungswasser.“