Es ist ein Wintertag wie aus dem Bilderbuch in Altaussee. Die Berge sind leicht weiß angezuckert, im See spiegeln sich malerisch Loser und Trisselwand, die Sonne scheint vom strahlend blauen, wolkenlosen Himmel. Und trotzdem ist die Stimmung im Ort bei vielen getrübt.

Die traurige Nachricht vom Ableben von Hannes Androsch am Mittwoch hat viele überrascht. Und wirkt immer noch nach. Wen man auch fragt, es herrscht tiefe Betroffenheit. Er habe viel getan für Altaussee, hört man immer wieder, sein Tod sei ein großer Verlust.

„Ist immer und überall gerne gesehen gewesen“

Androsch sei „der Gönner von Altaussee“ gewesen, meint Michael Kainzinger, der Pächter des Schneiderwirts, und nennt unter anderem die Saline oder den Loser als Beispiele seines Wirkens im und für den Ort. Er habe ihn gut gekannt, berichtet er, während er sich hinter der Schank einen Kaffee zubereitet. Seine Schwester sei seine Nachbarin, die Mutter habe gleich gegenüber ihre Wohnung gehabt.

Sein Tod habe nicht nur ihn, sondern den ganzen Ort betroffen gemacht. „Er ist immer und überall gern gesehen gewesen.“ Den Einheimischenstatus kann er ihm aber trotzdem nicht zusprechen. „Das ist bei uns sehr schwierig. Du wirst nie als Einheimischer gelten, du bleibst immer ein Zuagroaster. Aber du kannst akzeptiert werden. Und wenn du das geschafft hast – und das hat er –, dann kannst du stolz sein.“

Von der Schank in den Gastraum des Traditionsgasthauses, das sich im Besitz der Freiwilligen Feuerwehr befindet. Am Stammtisch treffen wir Josef Moser. Schon sein Vater, der in den 80ern Bürgermeister war, sei mit Androsch befreundet gewesen, erzählt der Pensionist sichtlich gerührt. „Und dadurch auch ich. Wir sind Du-Freunde gewesen. Ich war für ihn der Pep, er für mich der Hannes.“

Noch am Samstag habe er beim Bergfest der Salinen AG in Bad Ischl mit Androsch eine halbe Stunde gesprochen, sein Tod sei deswegen auch für ihn überraschend gekommen. Die Salinen, so Moser, seien ihm ein großes Anliegen gewesen. „Ich bin ja im Salzberg beschäftigt gewesen und bin froh, dass er damals den Zuschlag gekriegt hat. Auch wenn manche schimpfen, dass er sie um ein Butterbrot gekauft hat. Um wie viel, das ist egal, er hat sie aufgebaut und sie laufen noch heute gut.“

„Er hat sich aufgeopfert für Altaussee“

Tief betroffen ist auch Marianne Goertz vom Hotel Villa Salis und dem Restaurant Berndl. Über Androsch, mit dem sie eine jahrzehntelange und sehr gute Freundschaft verbunden hat, sagt sie: „Er hat sich aufgeopfert für Altaussee. Er ist für uns so eine Art Erzherzog Johann gewesen. Es hat oft Notfälle gegeben und er hat immer geholfen. So einen Menschen finden, das wird‘s nicht mehr geben.“

Sein Ableben sei natürlich vorrangig seiner nicht mehr ganz so robusten körperlichen Verfassung geschuldet, so Goertz. Sie führt aber auch noch die kürzlich eröffnete Panoramabahn auf den Loser als Grund an. Der Wunsch, deren Eröffnung noch zu erleben, habe ihm einerseits Kraft verliehen, der Kampf um die Bahn – „dass sich eine Widerstandsbewegung im Ort gegründet hat, dass es so eine Undankbarkeit gegeben hat“ – habe ihm aber auch viel Lebensenergie gekostet.

„Wo Licht ist, ist auch Schatten“

Es sei schade um Androsch, meint auch Franziska Marl, Verkäuferin in der örtlichen Bäckerei. „Weil er doch viel weitergebracht hat.“ Auch sie nennt die Seilbahn auf den Altausseer Hausberg als Beispiel. Es sei „gut, dass er die Gondelbahn noch gesehen hat zum Schluss, dass er die noch hat erleben können“, findet sie.

Androsch habe in Altaussee „viel weitergebracht“, sagt Franziska Marl
Androsch habe in Altaussee „viel weitergebracht“, sagt Franziska Marl © KLZ / Benedikt Karl

Ein Stück weiter, vor dem Kur- und Amtshaus, gibt eine Frau zu Protokoll: „Ich habe ihn sehr geschätzt, wegen seines Wissens, seiner Bereitschaft, mit anderen zu sprechen, und wegen seiner Übersicht, sowohl, was das Wirtschaftliche als auch was das Menschliche betrifft.“ Sie werde ihn in bester Erinnerung behalten, in all seinen Facetten, fährt sie fort. Und schließt beinahe poetisch: „Jeder Mensch hat Positives und auch ein bisschen was Negatives. Wo Licht ist, ist auch Schatten, sonst wäre es langweilig.“

Doch viel Negatives ist über Androsch an diesem Tag in Altaussee nicht zu hören. Projekte wie das Mayrlife-Hotel direkt am See, das vor rund zehn Jahren von vielen Einheimischen noch als zu groß kritisiert wurde, hat man dem zum „Erzherzog“ Geadelten längst verziehen. „Ich bin anfangs auch kein Freund von dem Riesenhotel gewesen“, meint etwa Schneiderwirt-Pächter Kainzinger. „Aber man hat sich daran gewöhnt. Vorher war dort eine wilde Gstätten, jetzt wird der Platz genützt, so dass es dem ganzen Ort was bringt. Und somit passt das aus meiner Sicht.“