Ministerium stellt klarÄrzte dürfen die zweite Impfung keinem Patienten vorenthalten

Immer mehr Leser berichten, dass Ärzte die zweite Impfdosis verweigern - vor allem nach einer Genesung. Laut Gesundheitsministerium ist das so nicht vorgesehen.

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© Markus Traussnig
 

Für viele ist es ein Kampf um die zweite Impfung. Sie gelten offiziell als genesen, benötigen aber aus diversen Gründen eine zweite Spritze - etwa, um ins Ausland reisen zu können. Oder die Betroffenen gelten offiziell nicht als Genesen, hatten die Infektion aber bereits - zunächst unbemerkt oder nicht mittels PCR-Test bestätigt, später aber durch einen Antikörper-Bluttest abgeklärt. Für all diese Personen reicht laut Empfehlung des Nationalen Impfgremiums eine Dosis aus, um nach der durchgemachten Infektion als vollimmunisiert zu gelten.

Daher verweigern viele Ärzte die Zweitimpfung auch dann, wenn sie der Patient ausdrücklich will: "Ich war bereits bei einem Hausarzt und an der Impfstraße und beide Male wollte man mir die Spritze nicht geben", erzählt ein Obersteirer. Ähnliches berichten Dutzende andere Anrufer und Leserbriefschreiber. Das mag in manchen Fällen begründet sein - etwa, wenn es bei der ersten Spritze bereits heftige Impfreaktionen gab -, ist aber vom Gesetzgeber so nicht vorgesehen. Im Büro von Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) betont man auf Nachfrage der Kleinen Zeitung, dass der Arzt dem Patienten die zweite Dosis nicht vorenthalten darf.

Ärzte verlangen Einverständniserklärung

Die offizielle Begründung: "Unabhängig von der medizinischen/immunologischen Einschätzung können im internationalen Reiseverkehr zwei Dosen zur Einreise vorgeschrieben sein. In solchen Fällen kann bzw. soll eine zweite Dosis aus formalen Gründen gegeben werden, was auch der Zulassung entspricht und darf nicht vorenthalten werden." Gleichzeitig verweist man bei einer zweimaligen Impfung nach einer Genesung darauf, dass eine erhöhte Rate an Impfreaktionen nicht ausgeschlossen werden kann.

In diesem Zusammenhang berichtete ein Kärntner Leser der Kleinen Zeitung, dass sein Hausarzt zur Spritze nach der Infektion überhaupt nur dann einwilligt, wenn er eine unterschriebene Einverständniserklärung abgibt - zusätzlich zum offiziellen Impffragebogen. Das ist offenbar kein Einzelfall. Laut Einschätzung des Ministeriums ist diese Vorgehensweise zumindest bei der ersten Spritze nach einer Genesung rechtens, weil es sich wie auch bei Kreuzimpfungen um eine sogenannte "off label"-Nutzung handelt, also eine Vorgehensweise, die nicht vom Hersteller vorgesehen ist: "Bei Personen, bei denen eine Infektion durch PCR- oder neutralisierenden Antikörpertest gesichert wurde, ist eine einmalige Impfung ausreichend", betont man im Gesundheitsministerium.

Weiterhin Probleme mit dem Grünen Pass

Das gelte auch dann, wenn die Infektion länger als acht Monate zurückliegt: "Entsprechende Studien zeigen, dass diese Personen nur eine Impfung benötigen, um vergleichbaren Schutz wie nicht-infizierte, regulär geimpfte Personen nach regulärem Impfschema zu erlangen". Für Betroffene ist das aber dann ein Problem, wenn die Infektion nicht mittels PCR-Test bestätigt wurde und sie damit nicht offiziell im Melderegister eingetragen werden - sie gelten dann nach einer Immunisierung im EU-konformen Grünen Pass als nicht vollständig geschützt.

Innerhalb Österreichs ist das anders: "Hier kann derzeit jedenfalls der Impfnachweis zusammen mit dem Nachweis auf neutralisierende Antikörper vorgezeigt werden, die Gültigkeit der Teilimpfung wird hier mit neun Monaten festgelegt", betont das Gesundheitsministerium.

Kommentare (16)
wolff02
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Leider einmal mehr......

Keiner macht mehr Pfusch als unser Gesundheitsministerium die sind schon Weltmeister beim schreiben von fragwürdigen Verordnungen und bringen es aber nicht fertig in so einer Frage eine Verordnung zu basteln die das einmal klarstellt das eine 2. Impfung erlaubt ist auch wenn sie nur für die Bürokratie notwendig ist. Jeder Pfuscher der so arbeitet würde keine Aufträge mehr bekommen, die werken aber frisch und fröhlich weiter oder in diesem Fall lässt sie der Minister nicht einmal werken.

der alte M.
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Aus formalen Gründen

Für eine Impfung sind allein medizinische Gründe ausschlaggebend.

XStoneX
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Die Ärzte haben vor jeder Impfung die Pflicht…

… ein Aufklärungsgespräch und eine Anamnese zu machen und das Recht, eine unterschriebene Einverständniserklärung vom Patienten einzufordern. Das sollte unser toller Gesundheitsminister wissen. Wurde bei dem Corona-Impfwahnsinn natürlich nicht gemacht. Lustig wirds dann, wenn Patienten meinen, nach einem der vielen Impfschäden, den Arzt zu klagen. Bin gespannt, wie sowas vor Gericht ausgehen würde. Ich verstehe jeden Arzt, der diese „Impfung“ zurecht verweigert, erst recht, wenn keine medizinische Erfordernis dahinter steht. Jeder Arzt hat in erster Linie per Gesetz die Pflicht, keinesfalls dem Patienten zu schaden. Bei dem aktuellen Impfwahnsinn kann kein guter Arzt diese Impfung dann verabreichen, wenn es keinerlei medizinische Indizien dafür gibt. Trotz schöner Impfgebühr vom Staat haben einige Ärzte trotzdem noch Anstand.

SagServus
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Lustig wirds dann, wenn Patienten meinen, nach einem der vielen Impfschäden, den Arzt zu klagen.

Die da wären?

imechtawossogn
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Verallgemeinern....

kann man gar nix. Ich war infiziert, ganz offiziell mit behördlichem Absonderungsbescheid usw. usf.
Folgedessen wäre ich mit einer Impfung vollimmunisiert gewesen. War ich aber nicht. Ich hatte nämlich 2 Monate nach meiner Infektion absolut keine Antikörper.

AIRAM123
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Dann sollte das Ministerium

… sich flott um die Möglichkeit kümmern, das einzutragen. Was für ein Trara. Kümmert euch doch um die ganzen ungeschützten …

edi99
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Verwirrung in Reinkultur: Impfen bringt uns die alte Freiheit zurück, nur die Impfung ist der Game-Changer,

hurra - oder doch nicht, hat man uns angelogen?
Oder ist der Arzt verantwortungsvoll, weil die Impfreaktion auf die 1. so arg war?
Da wollen manche Impflinge sehr solidarisch sein, bekommen die 2. aber nicht, Mist, weil genesen bekommen sie sie nicht, damit ist der Grüne Pass teilweise zum Vergessen!

Diese lokale Lösung mit dem grünen Papier-Impfpass bleibt außerdem sinnbefreit, wenn sie nicht weltweite Gültigkeit erhalten (Reisefreiheit, Tourismus ...), durch eine App, die weltweit gilt, der auch der Impfstoff bekannt ist (welcher der 237 ist akzeptabel für die Mutationen im Zielland?
Es bräuchte da auch ein Ablaufdatum der Gültigkeit, Corona-Mutationen werden weiter mutieren, spätestens im Herbst 2021, nächste Impfung auch, usf.
Nahe Vision: Darf ich in den Urlaub, und kann ich ohne Quarantäne zurück? nein, wenn in Ihrem E-Impfpass Astra, Biontech, Moderna, Sputnik steht, dann reicht das leider nicht für ...

microfib
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Es bräuchte da auch ein Ablaufdatum der Gültigkeit

Einfach im Pass nachschauen, da ist sie angegeben, wie lange der Pass gültig ist. Wenn Sie heute die 2. Impfung erhalten haben ist Ihr Pass bis 15.05.2022 gültig.
Die Gültigkeit des Impfzertifikats beträgt 270 Tage. Ja und danach? Dritte Impfung!!!

SagServus
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Ja und danach? Dritte Impfung!!!

Oder Antikörpertest.

wollanig
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Das Ministerium

soll sich endlich darum kümmern, dass mit Antikörpertest bewiesene Genesene mit völlig ausreichender Erstimpfung ein Zertifikat für den grünen Pass bekommen. Wie kommt man dazu, sich trotz höher Gefahr stärkerer Nebenwirkungen die zweite Dosis impfen lassen zu müssen, obwohl fast alle Mediziner davon abraten.

SagServus
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...

Das hilft ihnen aber nichts wenn sie in ein Land reisen das sowas nicht anerkennt.

Denn wie im Artikel beschrieben ist ja genau das das Problem. Keine 2 Impfungen eingetragen, keine Einreise.

Völlig irrlevant ob sie in Österreich als Genesener mit einer Impfung als vollimmunisiert zählen.

Peterbolika
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100 Punkte

Ein Antikörpertest mit einem hohen Antikörperwert sollte eine Eintragung durch den Mediziner ins Genesen Register ermöglichen! - Ohne unnötige nur für bürokratische 2. Impfung!

mtttt
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Absolut richtig

Nachdem ein Mediziner Gesundheitsminister ist, sollte das medizinische Verständnis gegeben sein. Er könnte mal die Regel brechen, dass nur die dritte Garde der Mediziner im Ministerium landet.

ismirschlecht
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Information ist alles …

Dann soll das Gesundheitsministerium endlich richtig informieren . Man wird in den meisten Restaurants wieder verwiesen trotz gültigen grünen Pass und EU Zertifikat mit der Info Impfung 1/1 also gibt es ja keine 2. Solche Wurschteln!!

markus144
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DAS muss man sich auf der Zunge zergehen lassen...

Viele Leute bräuchten keine 2. Spritze, müssen eventuell sogar mit gröberen Nebenwirkungen rechnen, Ärzte raten davon ab, aber sie wollen die 2. Spritze um auf Urlaub fahren zu können.

Sehr verantwortungsvoll...

frogschi
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Und das Beste

Der Gesundheitsminister, ein Arzt, befeuert dies noch. Der Irrsinn nimmt immer bessere Formen an.