„Menschen, die von Rassismus betroffen sind, gehen aus Scham immer noch selten selbst an die Öffentlichkeit – deswegen sind Organisationen, die die Stimme für sie erheben, so essenziell. Wird ihnen diese Stimme genommen, werden sie und ihre Geschichten unsichtbar gemacht.“ Daniela Grabovac, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle in der Steiermark, findet klare Worte für die Streichung der Bundesförderung für die Anti-Rassismus-Beratungsstelle ZARA.

Seit 1999 setzt sich der Verein nicht nur gegen Fälle von Rassismus ein, sondern geht auch aktiv gegen Hass im Netz vor – mit einer eigens eingerichteten Beratungsstelle. Als einziger Verein in Österreich bekam ZARA seitens der Regierung bislang dahingehend den offiziellen Auftrag als sogenannter „zertifizierter Trusted Flagger“, dafür flossen auch primär die Fördergelder. „Aber mit dem Geld haben wir natürlich so viel mehr als nur die Beratungsstelle gegen ,Hass im Netz‘ finanziert“, so ZARA-Pressesprecherin Caroline Schmüser auf Anfrage der Kleinen Zeitung.

Daniela Grabovac, Leiterin Antidiskriminierungsstelle
Daniela Grabovac, Leiterin Antidiskriminierungsstelle © KLZ / Jürgen Fuchs

Antidiskriminierungsstelle: Fortbestand bis 2027 gesichert

Die Streichung der Bundesförderung für die Anti-Rassismus-Beratungsstelle ZARA hat in den vergangenen Tagen in den sozialen Medien eine Welle der Empörung losgetreten – auch in der Steiermark. Denn die bundesweit agierende ZARA ist auch ein enger Kooperationspartner der Antidiskriminierungsstelle, wie Grabovac betont. So sei die Anti-Rassismus-Hotline als regionales Pendant zu ZARA entstanden, auch die 2017 eingeführte BanHate-App entstand in Zusammenarbeit mit dem Verein mit Sitz in Wien.

Antirassismus-Arbeit: Chronisch unterfinanziert

Der Bereich Antirassismus und Antidiskriminierung sei chronisch unterfinanziert, weiß auch Schmüser. „Förderungen hier einzusparen, ist aber natürlich leicht, denn wenn die Gelder fehlen, ,verschwindet‘ das Thema aus dem öffentlichen Diskurs“, kritisieren sowohl Grabovac als auch Schmüser. In der Steiermark habe man den „Vorteil“, so Grabovac, dass mit dem Land Steiermark schon zu Zeiten der Gründung vereinbart wurde, neben Rassismus auch jede andere Form der Diskriminierung abzudecken. „Mit dem Thema Rassismus gewinnt man politisch selten Herzen“, ist der Leiterin bewusst.

Dass ZARA in Zukunft seine Arbeit vollkommen einstellen muss, ist für Grabovac unvorstellbar. „Der Verein hat seit den 90er-Jahren so viele Probleme aufgezeigt und war zudem der erste, der einen nationalen Aktionsplan gegen Rassismus eingefordert hat.“ Mit dem Rassismus-Report zeigt der Verein jährlich auf, wo Rassismus gesellschaftlich verankert ist und präsentiert Fälle, bei denen unterstützt und geholfen werden konnte. Der Report für 2025 ergab, dass schon Schulkinder regelmäßig Rassismus erleben.

Zumindest für den Moment muss der Verein seine Arbeit niederlegen, um nicht in die roten Zahlen zu schlittern, wie Schmüser erklärt. Denn: „Wir haben wie jedes Jahr im Herbst unseren Antrag auf Förderung eingereicht und dann gewartet.“ In den vergangenen acht Jahren sei eine Zusage bis Ende des Jahres üblich gewesen, dieses Mal blieb diese aus. „Wir wollten dann aber unsere Arbeit nicht einstellen und haben weiter Beratungen durchgeführt“, so Schmüser – finanziell ging der Verein in Vorleistung. Die Absage sei ein Schock gewesen, so die Pressesprecherin. 18 Arbeitsplätze gingen verloren.

Aufgeben will man aber nicht. „Die Solidarität seitens politischer und privater Personen und anderer NGOs gibt Hoffnung.“ Gänzlich ohne Förderungen steht der Verein nicht da, auch die Stadt Wien fördert ZARAs Arbeit. Hier fließen Gelder unter anderem in die Beratungsstelle „!GegenRassismus“. „Die Subventionierung des Bundes hat aber seit jeher den größten Unterschied gemacht.“