Nach dem Rekord ist vor dem Rekord. Dieser Satz gilt für den Steirer Michael Schimpl ganz besonders. Seit 2024 hat er seine erste Urkunde von Guinness World Records in der Tasche: Er ist jener Gitarrist, der mit 408 digitalen Studio-Alben weltweit die meisten Alben veröffentlicht hat. Die nächste Spitzenleistung hat er schon unter Dach und Fach – er wartet nur noch auf die urkundliche Bestätigung: Er spielte quer durch Österreichs Bezirke 1111 Tracks ein, die er via Streaming-Plattformen auf sein Weltrekord-Album mit den meisten Titeln der Musikgeschichte „gepresst“ hat. Die Superlativen dienen dem Rekordjäger als Schlüssel zu besonderen Spielorten, die er dann strikt auf Solopfaden erobert.
Spielte der gebürtige Deutschlandsberger bisher von der Pampa bis zum Ozean stets in einsamer Wildnis, will er nun seine Solo-Auftritte in sonst von Massen frequentierten Orten in absoluter Einsamkeit absolvieren. Ein Mann, seine Gitarre im Trikot-Design seines Helden Diego Maradona, ein Board mit Effektpedalen, ein kleiner Verstärker, zwei Kameras und eine Drohne, alles im Akkubetrieb: So sitzt Schimpl Anfang der Woche im Mittelkreis des Wörthersee-Stadions – vor leeren Rängen. Es ist der Auftakt seiner neuen Tournee.
Sein Leben ist die Kunst des „Geisterspiels“. Der Soundtrack kreist im Loop, voller Echo und Delay. Irgendwo tauchen akustische Assoziationen zum U2-Gitarrero The Edge und The Cure auf. Es bleibt sphärisch, instrumental. „Ich will meinen Unterhalt verdienen, indem ich für niemanden Musik mache“, verrät er schelmisch grinsend sein Lebensmotto. Kurz darauf baut er sein Equipment ab und im verwaisten Minimundus zwischen Belvedere, Petersdom und dem Berliner Funkturm wieder auf. Schon spielt er die nächste Session ein. Kamera ab. Die Türen des Wappensaals im Klagenfurter Landhaus öffnen sich demnächst für einen Solo-Gig des Rekordjägers. Die Grazer Oper steht am „Speiseplan“, Riff um Riff will er weiterziehen, von einer spektakulären Bühne zur nächsten.
Das Videotagebuch und die Musik gibt es im Netz
Einst Pub-Musiker in Irland, fährt er heute Schulbus und jobbt im Publikumsdienst im Grazer Orpheum, auf den Kasematten oder im Dom im Berg. Sein Leben aber gehört allein der Musik und natürlich seinem Buben, Diego (9). Seit Schimpl mit 17 Jahren den Tod seines Vaters zu verkraften hatte, trug er in seinem Leben „alles auf der Gitarre aus“. Sie ist sein Schwert im Kampf gegen die manchmal unerträgliche Schwere des Seins, Seelen-Navi, seine innere Stimme, mit der er sich mitteilt. Dass seine Musik für nichts und niemanden ist, bleibt natürlich Koketterie. Unter dem Künstlernamen diEgita (diegita.com) ist er auf Youtube mit seinem Videotagebuch zu finden. Es sind magische Momente, wenn er in der nahenden Flut in einer irischen Bucht spielt oder auf einer Alm. Innen und außen: „Mein Spiel reagiert auf die Landschaft, die Orte, die mich umgeben.“ Die Audios gibt es auf Spotify & Co.
Aktuell spielt er fast jeden Tag ein Album ein. Und so ehrlich muss man sein: Spielt er nicht Gitarre, findet der gar nicht so Schweigsame auch eine starke äußere Stimme, um Anekdoten und Abenteuer von „Gott“ Maradona und der Welt zwischen seinen Sehnsuchtsorten Irland und Malta zu erzählen. Heuer wird er seinen 50. Geburtstag feiern. Natürlich nicht ohne Rekordversuch: „Ich möchte bis dahin 1000 Releases veröffentlicht haben.“ Und weil Riffs und Soli nicht genügen, komponiert er gerade auch die Erzählung seines Lebens, die zwischen zwei Buchdeckel passen sollte.