Es ist fast genau zehn Jahre her, dass Hunderte südsteirische Bauern mit 400 Traktoren die Grazer Innenstadt besetzten. Grund des lautstark vorgetragenen Unmuts: Die Landesregierung hatte ein Programm zum Schutz des Grundwassers zwischen Graz und Bad Radkersburg erlassen. Die Verordnung brachte für die betroffenen Bauern deutliche Einschränkungen bei der (Gülle-)Düngung mit sich. Letztere wird zum wesentlichen Teil dafür verantwortlich gemacht, dass Teile der drei betroffenen Grundwasserkörper stark überhöhte Nitratbelastungen aufweisen. Immerhin speist sich aus diesen Vorkommen die Trinkwasserversorgung von bis zu 400.000 Steirerinnen und Steirern.
Nun wird in diesem Streit das nächste Kapitel geschrieben. Die Landesräte Simone Schmiedtbauer (ÖVP) und Hannes Amesbauer (FPÖ) haben das Grundwasserschutzprogramm überarbeiten lassen und wollen Auflagen kippen, um bäuerliche Betriebe zu entlasten, wie es heißt. Mit ein Grund dafür: Grundwasseruntersuchungen hätten an 70 Prozent der Messstellen einen fallenden oder gleichbleibenden Trend der Nitratbelastung aufgezeigt.
„Keine eindeutige Wirksamkeit“ auf Nitrat im Grundwasser
Unbelastet ist das Wasser zwischen Graz und dem Unteren Murtal aber weiterhin nicht. Das geht aus der Evaluierung hervor, die im Landesauftrag untersuchen sollte, wie gut das Grundwasserschutzprogramm bisher gewirkt hat. Die Forschungsgesellschaft Joanneum Research hat dafür die Nitratbelastung des Grundwassers zwischen Graz und Bad Radkersburg unter die Lupe genommen – und zwar aus der Zeit vor (2010 bis 2015) und seit Inkrafttreten der Verordnung (2019 bis 2023). Zentrales Fazit der Gutachter: Es lasse sich „keine eindeutige Wirksamkeit“ des Schutzprogramms feststellen.
Konkret hat sich die Nitratbelastung bei 30 Prozent der insgesamt 370 Messstellen sogar verschlechtert. Hauptbetroffen sind davon das Untere Murtal und das Leibnitzer Feld, wo jeweils rund die Hälfte der Proben eine Zunahme der Stickstoffbelastung aufgewiesen hat. Nur im Grazer Feld gab es überwiegend eine Entspannung der Situation. In Summe überschritten 13 Prozent der Messstellen den Grenzwert von 45 Milligramm Nitrat pro Liter Wasser.
„Hotspots“ beim Nitrat brauchen Entschärfung
An diesen „Nitrat-Hotspots“ (unter anderem zwischen Vogau und Mureck, im Raum Gosdorf oder in St. Georgen an der Stiefing) werde mit „gezielten Maßnahmen einzugreifen“ sein, heißt es in den Erläuterungen des Landes. Wobei die Politik die Maßnahmen bisher nur skizzierte: „Etwa verstärkte Kontrollen, begleitende Untersuchungen sowie eine intensivierte Beratung durch die Landwirtschaftskammer.“