Zwei Jahre ist es her, dass Hunderte Bauern mit ihren Traktoren in Graz auffuhren und auf dem Hauptplatz eine emotionsgeladene Kundgebung abhielten. Anlass war eine neue Verordnung des Landes, die das Ausbringen von Gülle auf den Feldern entlang der Mur zwischen Graz und Mureck stark einschränkte. Seither wurde an einer Kompromisslösung gearbeitet, die nun auf dem Tisch liegt – und abermals für Sprengstoff sorgt.

Im Kern dreht sich die Diskussion um die traditionell (zu) hohe Nitratbelastung des Grundwassers in den betroffenen Gebieten. Die steirischen Wasserverbände forderten deshalb seit Jahren Einschränkungen bei der landwirtschaftlichen Gülle-Ausbringung. Immerhin hängt am örtlichen Grundwasser die Wasserversorgung von fast einer halben Million Steirer. Als Anfang 2016 schließlich eine entsprechende Verordnung des einstigen FPÖ-Umweltlandesrats Gerhard Kurzmann in Kraft trat, war die Aufregung perfekt. Viele der betroffenen knapp 1800 Bauern stiegen auf die Barrikaden, fürchteten Ernteeinbußen und kritisierten neue Düngevorgaben „ohne Praxisbezug“.

Am Montagabend informierten Vertreter des Landes mit Fachexperten in Silberberg Hunderte Bauern über die nun unter der Ägide von TU-Rektor Harald Kainz zustande gekommene Kompromisslösung: Eine Novelle der einstigen Kurzmann-Verordnung soll sicherstellen, dass im Frühjahr doch früher als ursprünglich vorgesehen gedüngt werden darf. Ab September tritt dann überhaupt eine neue Verordnung in Kraft, die die herbstliche Düngezeit im Gegenzug etwas verkürzt.

Neue Regeln für Gülle-Menge

Entscheidend ist: Als Basis, wie viel je Feld gedüngt werden darf, entscheidet nicht mehr die offenbar wenig praxistaugliche „Ertragslage“ des Bodens, die auf einer Schätzung der Finanzbehörde beruht. Künftig ist die realistischere „Feldkapazität“ ausschlaggebend, die das Wasserspeichervermögen des Bodens angibt, wie Johann Fank, Geschäftsführer bei der Joanneum-Tocher AquaConSol, erläutert, der das Papier ausgearbeitet hat. Für Bruno Saurer, Obmann der steirischen Wasserverbände, ein „akzeptabler Mittelweg“, der sich in der Praxis aber erst bewähren müsse.

Anders sieht das Andreas Ortner, Schweinebauer aus St. Georgen an der Stiefing und Sprecher der Bürgerinitiative „Zukunft Landwirtschaft“: „Das bringt abermals eine massive Einschränkung der Bewirtschaftung. So wird eine Zwei-Klassen-Gesellschaft unter den Bauern geschaffen.“ Die Regelung sei „eine Katastrophe“, zumal gerade die Düngung im Herbst wichtig sei. „Wir Betroffenen hatten wieder nichts mitzureden und bekamen alles diktiert“, ärgert sich Ortner.