In einer globalisierten Welt geht kein Krieg spurlos an der Steiermark vorüber – auch nicht jener im Iran, der aufgrund seiner Ölreserven und Quellen im Zentrum des internationalen Handels steht.
Besitzerinnen und Besitzer einer Ölheizung haben in den vergangenen Tagen zunehmend nervös auf die Entwicklungen reagiert. Viele wollten unmittelbar nach dem Angriff der USA und Isreals auf den Iran ihr Heizöllager auffüllen, aus Angst vor steigenden Preisen. „Es hat vielfach Anfragen gegeben, der Preis war teilweise aber schon so hoch, dass viele es dabei gelassen haben und doch nicht zugeschlagen haben“, sagt Jürgen Roth, Obmann des Energiehandels in der Wirtschaftskammer,
Roth empfiehlt Konsumentinnen und Konsumenten ohnehin erst einmal abzuwarten. Er geht davon aus, dass der Konflikt in wenigen Wochen vorbei sein wird. Dann dürften auch die internationalen Märkte wieder zur Ruhe kommen. „Wer derzeit nicht dringend Öl braucht, sollte besser bis zum Beginn der Heizsaison warten“, sagt Roth.
Unsicherheiten an der Börse
Klar ist: Die Lage im Iran bleibt undurchsichtig. Noch hält das stark geschwächte Regime stand. Was im Falle eines Kollapses passiert, ist derzeit ungewiss. Das spiegelt sich auch auf den Märkten wider. „Wir sind keine direkten Abnehmer des iranischen Öls, aber wir merken, dass die Börsen empfindlich auf die Vorkommnisse reagieren und so der allgemeine Ölpreis steigt“, sagt Roth. Vor allem bei Heizöl wäre die Lage angespannt. Der Preis ist binnen weniger Tage demnach um mehr als 20 Prozent gestiegen.
Mitverantwortlich für den steigenden Ölpreis ist die Blockade der rund 50-Kilometer-breiten Straße von Hormus. Sie dient als wichtigste Route für den internationalen Ölverkehr. Aktuell springen Reedereien, die die Straße durchfahren wollen, reihenweise Versicherungen ab. Die Frächter geben infolge die Kosten an die Konsumentinnen und Konsumenten weiter.
An der Zapfsäule steigen die Preise
Auch an den Tankstellen wurde die Verunsicherung spürbar. Mit Stand Dienstag kostete Diesel im Schnitt 1,739 Euro und Superbenzin 1,639 Euro pro Liter, wie der ÖAMTC berichtete. Binnen einer Woche entspreche das einer Erhöhung von 17 Cent bei Diesel und 12 Cent bei Super. Die Kundschaft reagiert darauf bereits.
Roth sagt diesbezüglich: „Natürlich haben wir in den vergangenen Tagen bereits gemerkt, dass die Nachfrage an den Tankstellen steigt – immer mehr Kundinnen und Kunden sorgten sich um stetig steigende Preise.“. Eine Besserung ist in absehbarer Zeit nicht in Sicht. Auch in den kommenden Tagen rechnet Roth mit einem steigenden Ölpreis und somit mit steigenden Kosten für Autofahrerinnen und Autofahrer. Anders als in Asien wäre es in der Steiermark aber nicht zu Hamsterkäufen gekommen. Konsumenten müssen sich demnach keine Sorgen machen, dass für sie nichts mehr überbleibt.
Andere Experten rechnen mit länger wirkenden Folgen. „Natürlich könnte der Krieg Kosteneffekte bei Lebensmitteln nach sich ziehen. Die Beschaffungswege sind kosten- und energieintensiv“, sagt Boris Hedde, Geschäftsführer des Handelsforschungsinstituts IFH Köln in Deutschland. Schon nach Beginn des Kriegs in der Ukraine seien die gestiegenen Aufwendungen für Lieferung, Logistik und Energie bei den Verbrauchern angekommen, so Hedde. Viele Lebensmittel wurden damals deutlich teurer.