Eine 13-jährige Schülerin wird in einen OP-Saal an der Neurochirurgie am LKH Uniklinikum Graz mitgenommen. Dann soll das Mädchen (Tochter einer Neurochirurgin) einer Schädel-OP beigewohnt, dabei sogar selbst den Bohrer gehalten bzw. geführt haben. Der Fall dieser angeblichen „Teenager-Chirurgin“ machte internationale Schlagzeilen. Es folgten Entlassungen von Ärzten, Verwarnungen an das OP-Team, zahlreiche Gutachten. Doch stets stand ein Fragezeichen hinter den Geschehnissen: Es gab naturgemäß Zeugen der Schädel-OP, aber widersprüchliche Aussagen. Von gegenseitigen Anschuldigungen und Anzeigen auf der medizinischen Abteilung war die Rede. Für die einst im OP-Saal anwesenden Personen (Ärzte/Pfleger) ging es strafrechtlich jedenfalls um das Dulden bzw. Nichtverhindern einer strafbaren Handlung – der Verdacht der schweren Körperverletzung durch eine unsachgemäß durchgeführte Operation drängte sich auf. Monatelang wurde gegen drei Ärzte und vier Mitglieder des OP-Teams ermittelt. Wie berichtet, hat sich keiner der Beschuldigten vollinhaltlich schuldig bekannt.

Strafantrag gegen zwei Operateure

Nun liegt in der Causa die Entscheidung am Tisch: „Nach unseren Informationen wird es einen Strafantrag gegen die beiden Operateure geben. Das Verfahren gegen das restliche OP-Team wurde eingestellt“, hieß es nach Recherchen der Kleinen Zeitung am Dienstag aus dem LKH Uniklinikum. Die Grazer Staatsanwaltschaft bestätigt dies nach Anfrage wegen der zu wahrenden Parteienrechte nicht. Dem Vernehmen nach werden die beiden Operateure wegen Körperverletzung belangt - der Fall endet somit am Bezirksgericht. Das Verfahren gegen die Krankenanstaltengesellschaft (Kages) läuft noch.

Anonyme Anzeige als Auslöser

Am Klinikum Graz galt der Fall, bevor dieser international Schlagzeilen machte, übrigens frühzeitig bereits als abgeschlossen und geklärt. Die später gekündigte Ärztin und Mutter und ein Mediziner hätten mit einer Verwarnung davonkommen sollen. Aber noch bevor der Fall intern abgeschlossen werden konnte, kam es zu einer handschriftlichen, anonymen Anzeige, die den Fall Richtung Staatsanwaltschaft spülte – dann wurde der Vorfall publik.

Das Unfallopfer

Noch kurz zum einstigen Unfallopfer: Der 33-jährige Steirer war im Jänner 2024 bei Forstarbeiten im Bezirk Weiz verunglückt, mit dem Notarzthubschrauber ins LKH-Uniklinikum geflogen und dort am Kopf notoperiert worden. Dass es sich bei der besagten OP um seinen Fall gehandelt hatte, erfuhr der Steirer erst einen Monat später - und zwar durch die Polizei. Die Operation selbst ist laut Kages komplikationslos verlaufen, der Patient genesen.