Die Wahnsinnstat sitzt noch tief in den Knochen. Vor sechs Tagen geschah in Graz das Unvorstellbare. Nach dem Amoklauf am BORG Dreierschützengasse, bei dem elf Menschen starben und viele weitere schwer verletzt wurden, befindet sich eine ganze Stadt, besonders aber die Schule, im Ausnahmezustand. Am Sonntagabend findet um 18 Uhr die offizielle Gedenkveranstaltung am Grazer Hauptplatz statt.
Entgegen ersten offiziellen Informationen wird die Schule den Unterricht doch nicht am Montag wieder aufnehmen. Das Bildungsministerium stellte das nun richtig. Eine Information auf der Homepage dazu war veraltet. „Bis zum langen Wochenende wird die Schule definitiv zu bleiben“, so eine Sprecherin des Ministeriums. Es gilt derzeit „schulfrei“, heißt die Schulpflicht ist aktuell ausgesetzt – wann die Schule wieder öffnet, sei noch unklar. Die Angebote in der Helmut-List-Halle bleiben indes weiter aufrecht.
Ausnahme für Maturanten wird beschlossen
Dass es für Maturantinnen und Maturanten spezielle Regeln geben wird, davon ging man bereits aus. Die APA berichtet nun, dass alle Maturantinnen und Maturanten auf eigenen Wunsch ein Maturazeugnis erhalten können, in dem die Jahresnote des entsprechenden Gegenstandes zugleich die Maturanote ist. Eine entsprechende gesetzliche Regelung wird kommende Woche im Nationalrat beschlossen.
Schülerinnen und Schüler, die sämtliche mündlichen Prüfungen oder einzelne mündliche Prüfungen der Matura absolvieren bzw. nachholen wollen, können dies regulär tun. Das ist laut Bildungsministerium in Absprache mit der Prüfungskommission noch vor den Sommerferien oder auch im ersten Nebentermin im Herbst möglich.
Schüler dürfen sich bis Herbst entscheiden
Mit der Entscheidung, ob die mündliche Matura absolviert wird, können die Maturantinnen und Maturanten noch abwarten. Sie können auch erst im Herbst entscheiden, welche Variante sie in Anspruch nehmen wollen. Für die schriftlichen Prüfungen gilt die Regel analog. Auch hier erhalten Maturantinnen und Maturanten die Möglichkeit, dass die Jahresnote in das Maturazeugnis übernommen wird.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) wolle helfen, „wo es nur irgendwie möglich ist“, meint er zur APA. Die Schülerinnen und Schüler des BORG Dreierschützengasse hätten Unbeschreibliches durchgemacht. Daher sollen sie nun frei wählen dürfen, ob und wenn ja, wann sie die mündliche Prüfung ablegen wollen. Keinesfalls soll der Druck bestehen, „nach diesen traumatischen Erlebnissen noch eine Prüfung machen zu müssen“, sagt der Minister.