Ja, bei einem Rave ist Freunden von mir Fentanyl angeboten worden“, erzählt uns ein Grazer vom „Schreckensstoff“, der nun auch die Steiermark erreicht haben soll. Nicht zum ersten Mal hört man, dass mit dem synthetischen Opioid hier bei Raves gedealt wird. Eine Überdosierung mit Fentanyl ist bei US-Amerikanern zwischen 18 und 45 Jahren häufigste Todesursache. Vermischt mit dem Tier-Betäubungsmittel Xylazin hat es sich als Zombie-Droge „Tranq“ einen Horror-Namen gemacht. Konsumenten vegetieren mit hängendem Kopf wie Zombies auf den Straßen.

Unterm Radar? Fentanyl noch nicht „amtsbekannt“

Ist es tatsächlich bei uns gelandet? Dann wechselt das rezeptpflichtige Schmerzmittel Fentanyl unterm Radar illegal den Besitzer. Weder bei den Kriminalisten, noch beim Drogenkoordinator der Stadt, Ulf Zeder, ist Fentanyl „amtsbekannt“, also nachweislich aufgetaucht. Harald Ploder, Leiter der Drogen-Streetwork und des Kontaktladens der Caritas: „Auch bei unserem Drug-Checking, wo jeder Substanzen testen lassen kann, ist Fentanyl noch nicht nachgewiesen worden.“ Aber das werde früher oder später passieren: „Da die Taliban den Schlafmohnanbau in Afghanistan beendet haben, wird das synthetische Opioid als Heroin-Ersatz auf den Markt drängen. Es ist in Europa längst gelandet.“

Mit Heroin verschnitten ist es eine Killer-Dosierung

Die Gefahr: Wird es Heroin beigemengt, kann das rasch tödlich enden, da es um ein Vielfaches potenter ist. Die Beimengung pharmakologisch wirksamer Substanzen macht jeden ohnehin schon gefährlichen Stoff von der Straße noch bedrohlicher. Seit 2022 bietet daher der Drogen-Kontaktladen der Caritas in der Orpheumgasse 8 das Drug-Checking an. Hier kann man anonym Drogen auf Inhaltsstoffe prüfen lassen, um beim Risiko des illegalen Rauschs zumindest ein wenig auf Nummer sicher zu gehen. Da Dealer in Graz gerade wieder ihre „Frühlingsblüte“ erleben, sollten Konsumenten Vorsicht walten lassen.

1033 Proben sind 2024 hier gelandet. Bei 124 davon haben die Experten über ihre Homepage (triptalks.at) eine Akutwarnung abgeben müssen, weil sie auf „unerwartete oder extrem hochdosierte Substanzen“ gestoßen waren. Die Bilanz gibt auch Auskunft darüber, welche Drogen in der Steiermark „trenden“. Das bestätigt auch die „Trends“, die das jüngste Abwassermonitoring belegt hat (wir berichteten exklusiv).

Cannabis ist ja im Ranking mit Abstand auf Platz eins. In Graz werden hochgerechnet jeden Tag 22.000 Joints gekifft. Gras landet aber nicht zur Testung bei den Drug-Checkern. Darum führt in ihrer Bilanz auch Kokain das Ranking mit 262 der 1033 abgegebenen Proben unangefochten an. Bei fast 40 Prozent der Kokain-Proben gab es bedenkliche Beimengungen, darunter Koffein, aber auch das Entwurmungsmittel Levamisol. Dieses verstärkt und verlängert die Wirkung von Kokain, löst aber viele Nebenwirkungen aus und schwächt das Immunsystem. In der Hälfte der gestreckten Proben fand sich Procain, das lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, Blutdruckabfall und allergische Reaktionen auslösen kann. 14 der 262 Proben waren falsch deklariert und kein Kokain.

Was Ploder beobachtet: „Kokain ist aktuell in hohen Reinheitsgraden unterwegs, es muss also in rauen Mengen in Europa am Markt sein.“ Und es gibt ein beunruhigendes Comeback von Heroin: „Dabei hatten wir gedacht, die Substitutionstherapie hat den Schwarzmarkt für Heroin nachhaltig ausgetrocknet.“ Konsumenten empfiehlt Ploder „jedenfalls von Drug-Checking“ Gebrauch zu machen. Denn egal ob der Stoff von der Straße oder via Internet kommt: „Man weiß nie, was drinnen ist.“