Zu einem Kamingespräch ohne Kamin, dafür aber im VIP-Klub am Bergisel mit prächtigem Ausblick auf die Schanze, lud die Spitze des österreichischen Skiverbands. Auf der Tagesordnung standen eine Zwischenbilanz der Vierschanzentournee sowie andere aktuelle Themen rund um den Nordischen Sport. Das sagte ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher über ...

... den bisherigen Tournee-Verlauf: „Ich glaube, wir können Domen Prevc auf jeden Fall noch ärgern. Die österreichische Mannschaft hat nach einem starken Saisonstart stark nachgelassen und durch das eine oder andere Windspringen an Selbstvertrauen verloren. Doch zur Tournee hin konnte man sich wieder stark steigern und speziell Jan Hörl traue ich mit zwei auf den Punkt gebrachten Sprüngen zu, Prevc Paroli bieten zu können. Das ist die momentane Voraussetzung, denn Domen ist in einer Verfassung, wie wir es im Vorjahr mit drei Athleten waren. Er ist in einem einzigartigen Flow.“

Slovenia's Domen Prevc soars through the air during the training round of the Men's Individual Large Hill HS128 event of the FIS Ski Jumping World Cup, the third leg of the Four Hills Tournament, in Innsbruck, Austria on January 3, 2026. (Photo by KERSTIN JOENSSON / AFP)
Dominator Domen Prevc © AFP/Kerstin Joensson

... die interne Entwicklung: „Wenn man die österreichischen Meisterschaften anschaut und 25, 26 Springer auf einem ähnlichen Niveau sieht, ist das beeindruckend. Wenn man vom Achten oder Neunten der Ergebnisliste weg den Athleten dasselbe Material gibt wie der ersten Mannschaft, dann sind sie dazu fähig, vorne mitzuspringen. Das ist schön zu beobachten und man kann den Betreuern für ihre gute Arbeit nicht genug danken.“

... die Materialdiskussion: „Das wirkt sich natürlich negativ auf den Sport aus. Skispringen ist eine diffizile Sportart, in der das Material entscheidend ist. Trotzdem glaube ich, dass man in dem Moment, in dem man nicht ganz oben steht, dazu stehen muss, dass die anderen eben besser sind. Bei der letzten Tournee haben viele gesagt, die Österreicher haben vielleicht etwas beim Anzug oder der Bindung. Heuer scheint es so zu sein, dass Prevc irgendetwas hat. Aber man sollte sich aufs Wesentliche konzentrieren – er springt im Moment einfach sehr, sehr gut. Das muss man neidlos anerkennen.“

... die zweifache Disqualifikation des Slowenen Timi Zajc: „Wenn man im Fernsehen hört, er ist um drei Millimeter bei der Schrittlänge disqualifiziert worden. Am nächsten Tag waren es vier Millimeter bei der Schrittlänge. Wenn die Schrittlänge nicht passt, dann hat sie vorher schon nicht gepasst. Weil ein Anzug wird weiter und länger. Also stimmt das einfach nicht. Da geht es nicht mehr um Millimeter, sondern um eine Grundsatzdiskussion. Das ist für mich eine absolute Manipulation und geht nicht. Daher bin ich froh, dass jetzt Rote Karten verteilt und Disqualifikationen rigoros ausgesprochen werden.“

GARMISCH-PARTENKIRCHEN,GERMANY,01.JAN.26 -  NORDIC SKIING, SKI JUMPING - FIS World Cup, Four Hills Tournament, large hill, men. Image shows Timi Zajc (SLO).
Photo: GEPA pictures/ Thomas Bachun
Der Slowene Timi Zajc © GEPA pictures

... mehr Weltcup-Quotenplätze für Österreich: „In erster Instanz hat man die Quotenplätze vor zwei Jahren reduziert. Auf unser Zutun hin wurde festgelegt, dass die Top drei der Junioren-WM für ein Jahr einen Startplatz bekommen. Mit dem muss man sich derzeit zufriedengeben. Wenn man auf die Fernseh-Landschaft blickt: Es gibt derzeit so viele Sportarten, die im TV vorkommen sollten. Das Programm wird immer dichter, für jeden Sport gibt es weniger Fernsehzeiten, da kann man sich zusätzliche Quotenplätze derzeit abschminken. Wichtiger wäre, dass es auf der zweiten Ebene besser funktioniert. Das betrifft vor allem die Nordische Kombination. Wenn man da die Quote reduziert, was passiert dann mit der zweiten Garde, die dann keine Möglichkeit hat, auf internationaler Ebene zu starten?“

... die geplante Vierschanzentournee der Frauen: „Dass sie bereits 2026/27 stattfinden, wurde etwas voreilig hinausposaunt, aber mittlerweile haben wir eine schriftliche Bestätigung, dass die Flutlichtanlage gebaut wird. Damit ist die Sicherstellung beider Tourneen durch das vergrößerte Zeitfenster verbessert worden. Es steht nur noch die naturschutzrechtliche Bewilligung aus. Ein weiteres Thema ist die Bezeichnung: Für mich macht es nur Sinn, wenn sie Vierschanzentournee der Damen heißt. Da liegen die Rechte bei den Veranstaltern. Was uns aber nach wie vor wichtig ist: Es geht uns darum, dass Villach und Hinzenbach im Weltcupkalender bleiben. Das ist vor allem auch für den Nachwuchs wichtig, weil die Schanzen nur dann auf dem neuesten Stand gehalten werden können, wenn dort Weltcups stattfinden. Weil es macht keinen Sinn, wenn wir eine Vierschanzentournee der Damen haben, aber in 20 Jahren keine Athletinnen mehr, weil keine Schanzen mehr für den Nachwuchs da sind. Das betrifft auch die Schanze in der Ramsau – diesbezüglich gibt es am Sonntag mit Sportminister Andreas Babler und dem steirischen Landeshauptmann Mario Kunasek ein Gespräch.“