Carina Edlinger war Paralympics-Siegerin und fünfmal Weltmeisterin, überwindet alle Probleme mit der Suche nach Guides und Sponsoren und meistert als Sehbehinderte einen Alltag voller Tücken und Hürden. In Trondheim wird sie am Mittwoch (12.10 Uhr, ORF 1 live) erstmals im Rahmen einer großen nordischen WM um eine Medaille laufen. „Das wird ein Erlebnis, wie sie es noch nicht kennt“, prophezeit Julian Edlinger. Er ist Carinas Bruder, war ihr erster Guide und ist als Chef des ÖSV-Serviceteams der Langläufer schon seit einer Woche in Trondheim.
Im Sprint hat Carina Edlinger in Peking 2022 olympisches Gold geholt, und sie ist fest entschlossen, mit ihrem steirischen Guide Jakob Kainz in Trondheim das Maximum herauszuholen: „Die Weltmeisterschaft jetzt gemeinsam mit Nicht-Paralangläufern wird bestimmt cool und ist auch ein Schritt in die richtige Richtung. Es ist wichtig für die Zukunft, dass es ein gemeinsames Event ist.“ Im Biathlon und im Langlauf hat sie heuer schon vier WM-Medaillen gesammelt, Trondheim soll die Krönung bringen.
Riesenfortschritte beim Serviceteam
Julian freute sich nicht nur über das Wiedersehen mit seiner Schwester, sondern auch mit Guide Kainz: „Er war schon bei mir im Team und hat sich als Wachsler auch nicht blöd angestellt.“ In Trondheim kommandiert der 28-Jährige eine zwölfköpfige Servicemannschaft, die im eigens umgebauten 16 Meter langen Truck 450 Paar Ski stehen hat: „Wir wollen zu den Besten gehören, da muss auch das Equipment entsprechend sein. Wir haben Riesenfortschritte gemacht.“
Trondheim ist vor allem durch das feuchte Wetter sehr herausfordernd. Die Tage sind lang, 13 Stunden im Wachs-Truck oder auf der Testloipe sind der Normalfall. Julian Edlinger bringt die Erfahrung von fünf Wintern bei den ÖSV-Biathleten mit. Danach wollte er eigentlich in seinen erlernten Job als Zimmerer zurückkehren: „Aber dann hat Alois Stadlober angerufen und mir die Ganzjahresstelle als Servicechef im Langlauf angeboten.“ Der Fuschler griff zu und hat es nicht bereut: „Es ist lässig und schön, die Fortschritte zu sehen.“
Inklusion wird großgeschrieben
Die einmalige Gelegenheit, seiner Schwester richtige „Granaten“ herzurichten, lässt er sich nicht nehmen: „Hier präpariere natürlich ich ihr die Ski.“ Gemeinsam haben die beiden zwei WM-Titel und den ersten Weltcupgesamtsieg gefeiert. Damals wie heute liefen die Pararennen praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab. Das wird in Trondheim anders sein. Schon beim Auftritt der behinderten TV-Stars von Team Pølsa am vergangenen Freitag tobten 15.000 im Stadion vor Begeisterung. Inklusion wird in Norwegen großgeschrieben, die Paralangläufer sind mehr als ein Pausenfüller.
Julian Edlinger freut sich: „Der Parasport erlebt hier eine große Wertschätzung und ist auf einer Ebene mit den Nichtbehinderten. Das gemeinsam mit meiner Schwester im Mekka des Langlaufs zu erleben, ist wunderschön.“