Der gewählte Rahmen für die ÖSV-Pressekonferenzen während der WM in Trondheim ist ein schöner, nämlich der VIP-Klub des hiesigen Fußballvereins Rosenborg, dessen Stadion gleich an das Teamhotel der Österreicher grenzt. Den Anfang machten die rot-weiß-roten Skispringerinnen, die am Freitag (14 Uhr) auf der Normalschanze in die WM abheben. Auf dem kleinen Bakken ortet Cheftrainer Bernhard Metzler auch die größeren Medaillenchancen für sein Team, das der slowenischen Seriensiegerin Nika Prevc ein Bein stellen will.

Neben Jacqueline Seifriedsberger und Lisa Eder ruhen die heimischen Hoffnungen auch auf Eva Pinkelnig. Die 36-jährige Dornbirnerin hat von der letzten WM 2023 in Planica Silber zu verteidigen. „Natürlich würde ich das gerne toppen, aber ob das möglich ist, weiß nur Gott. Ich kenne die Schanzen und weiß, was ich zu tun habe“, sagt die Gesamtweltcup-Siebente, die heuer in Villach bereits auf dem obersten Podestplatz aufgesetzt hat. Allerdings sei Skispringen eine „Mischung aus hochsensibel und wilder Hund. Es braucht eine Portion Glück und eine gute Performance.“

Die bisherige Saison war für die Gesamtweltcupsiegerin 2022/23 ein Auf und Ab, da hätte laut Pinkelnig vor allem das „Drumherum“ eine entscheidende Rolle gespielt. „Das ist ab und zu anstrengender als das Skispringen selbst. Da schleichen sich dann Gedanken ein, ob ich das alles überhaupt noch machen will. Als Quereinsteigerin denke und fühle ich anders, habe andere Stacheln, mit denen ich immer wieder einmal anecke. Die Challenge ist, bei mir zu bleiben. Schaffe ich das, kann ich auch gut performen.“

Wo genau die Reibungspunkte bei Österreichs „Sportlerin des Jahres 2023“ liegen, will Pinkelnig jedoch nicht sagen. „Wenn Menschen zusammenarbeiten, kommt es immer wieder zu Reibungen. Aber ich habe ein gutes Team daheim, das mich unterstützt. Ohne dem hätte ich wohl schon alles hingeschmissen“, lässt die Heeressportlerin aufhorchen. Sie komme eben aus einem ganz anderen Leben, nachdem sie sich manchmal wieder zurücksehne. „Ich wäre gerne wieder als Erzieherin tätig. Oder als Skilehrerin. Oder ich verkaufe Sportartikel. Andererseits ist es ein Privileg, diesen Spitzensport betreiben zu dürfen. Aber es finden ab und zu Kriege im Kopf statt, wenn das Negative überwiegt. Dann muss ich Gedankenhygiene betreiben und die emotionale Last bei Leuten abladen, die das auch tragen können. Gelingt mir das, ist auf sportlicher Ebene viel möglich.“

Pinkelnig gesteht auch, dass sie durchaus mit dem Gedanken gespielt hätte, ihre Karriere vor der Saison zu beenden, doch habe die WM nochmals einen Anreiz gegeben. Der nächste Anreiz wären 2026 die Olympischen Spiele in Mailand und Cortina. „Ich habe das zwar noch als großes Ziel ausgerufen, doch jetzt machen wir einmal die WM und die Saison fertig und dann werde ich ganz genau überlegen, was die Eva noch möchte und was sie nicht möchte.“ So könne die Vorarlbergerin nicht nur gut Skispringen, sondern auch andere Sachen gut. „Das gilt es abzuwägen. Das Leben ist endlich. Und ich will mit meiner Lebenszeit so gut wie möglich umgehen.“