Ein wenig war schon Weltcupstimmung. „Von mir daheim waren sicher an die 40 Leute da“, sagte Anna Schilcher und konnte dabei ein Lachen nicht unterdrücken. „Lieber Weltcup! Mach dich auf den geilsten Fanklub gefasst nächste Saison!“, hatte sie schon nach der letzten Europacup-Abfahrt der Saison gepostet. Die beendete sie auf dem Zwölferkogel in Saalbach-Hinterglemm auf Rang vier. Weil die Schweizerin Stefanie Grob (vor der Salzburgerin Lisa Grill) gewann, heißt das: Schilcher „verlor“ noch den ersten Platz in der Abfahrtswertung, aber auch für Rang zwei gibt es das Weltcupticket. „Das Ziel war es schon, das Gelbe Trikot zu verteidigen, aber Steffi war zuletzt auch im Weltcup gut in Form. Ich bin auch heute richtig stark gefahren, kann mir nichts vorwerfen, obwohl natürlich ein ganz kleines weinendes Auge dabei ist“, sagte die 26-Jährige, die unterstrich: „Ich habe jedenfalls den zweiten Platz in der Gesamtwertung gewonnen und nicht den ersten verloren!“

Zumal der vergangene Frühling alles andere als einfach war. Nach drei Kreuzbandrissen fiel die Krenhoferin, eine kleine Gemeinde, die zu Bärnbach gehört, aber die für die Sportunion Köflach fährt, aus allen ÖSV-Kadern. „Da habe ich mich schon gefragt, wie das weitergeht. Die Finanzierung ist dann doch nicht so einfach.“ Zwar durfte Schilcher mittrainieren, das Training musste sie aber selbst finanzieren. „Aber ich habe nach der Vorsaison, in der nicht alles zusammengepasst hat, gewusst, dass die Entwicklung nach oben geht. Und ich habe dann auch die Chance bekommen, zu fahren, durfte von den Physios bis zu den Serviceleuten und Trainern alles nützen.“

„Ich war nie Schülermeisterin, musste mir alles erarbeiten“

Nach der Entscheidung, es doch weiter mit dem Skirennsport zu probieren, war Schilcher aber auch in gewisser Hinsicht befreit, wie sie sagt: „Ich habe zwar immer alles schätzen können, was ich hatte. Weil ich war nie Schülermeisterin oder Juniorenweltmeisterin, war nie in Kadern, musste viel selbst finanzieren. Aber ich bin dem Mindset in die Saison gegangen, dass ich nichts zu verlieren habe. Ich tu‘ das für mich, habe keine Rechnungen offen“, sagte Schilcher, deren Karriere eben durch Verletzungen oft gestoppt worden war. „Ich habe nie zehn Schritte auf einmal gemacht, musste mir alles erarbeiten. Aber ich bin eine konsequente Arbeiterin. Und wie sagt man so schön: Harte Arbeit schlägt auf Dauer Talent – bei mir ist das sicher so.“

Der Start in die Europacupsaison war schon nach Wunsch, in St. Moritz feierte sie ihren ersten Sieg, es folgten zwei weitere Podestplätze. „Und wenn man im Europacup aufs Podest fahren kann, schafft man es im Weltcup auch in die Punkte“, weiß Schilcher. „Wir Österreicherinnen machen uns nur oft den Druck, unbedingt liefern zu wollen, wenn wir einen Startplatz haben. Dann bist du nicht befreit und auf einmal langsamer als die, die im Europacup hinter dir sind“, weiß Schilcher. Ihre Stärken? „Ich habe mich technisch brutal weiterentwickelt, aber auch ein gutes Gespür für lange Gleitkurven“, glaubt Schilcher, die schon als Jugendliche viel für den Sport investieren musste. „Ich bin aus der Weststeiermark, wir mussten zu vielen Rennen nach Schladming. Da hieß es schon als Kind: früh aufstehen.“ Die Mutter war daheim auf der Landwirtschaft tätig („Wir haben in Krenhof mehr Kühe als Einwohner“), der Vater war Bankangestellter, packte am Wochenende die Töchter ins Auto und es ging zum Skisport. Eine beschwerliche Reise, die nun mit dem Fixplatz für den Weltcup einen neuen Höhepunkt erreichte. Das darf auch gefeiert werden. „Aber erst am Wochenende, zuvor wartet in Saalbach ja noch der Super-G.“