Zwischen zwei Wochenenden auf österreichischem Schnee starten die Frauen am Samstag und Sonntag im Ski-Weltcup in Kranjska Gora ins neue Jahr. Wie zuletzt am Semmering steht ein Riesentorlauf (10.00/13.00 Uhr) und ein Slalom (9.30/12.15, jeweils live ORF 1) auf dem Programm. Julia Scheib und Mikaela Shiffrin wollen da jeweils im Kugel-Kampf weiter dick anschreiben. Für einen Schock im ÖSV-Lager sorgten die schwere Knieblessuren und das Saison-Aus bei Katharina Liensberger.
Die 28-jährige Skirennläuferin zog sich am Freitag in St. Michael/Lungau beim Riesentorlauftraining des ÖSV-Technikteams in Vorbereitung auf den Kranjska-Gora-Weltcup bei einem Sturz schwere Blessuren im rechten Knie zu. In der Klinik Hochrum bei Innsbruck wurden eine Fraktur des Schienbeinkopfs, ein Meniskus- und ein Innenbandriss diagnostiziert, die Operation wurde für gleich danach angesetzt. Für Liensberger, die am Podkoren in beiden Rennen zum Einsatz gekommen wäre, platzte damit auch der Olympia-Traum. Am Sonntag war ihr im Semmering-Slalom als Vierte ihr bestes Saison-Ergebnis gelungen.
Scheib muss den sportlichen Verlust der Teamkollegin im Streben nach ihrem vierten Riesentorlauf-Saisonsieg nun wegstecken. Sie kommt wie Shiffrin als Semmering-Siegerin nach Slowenien. Scheib hat in der Disziplinwertung 88 Punkte Vorsprung auf die Neuseeländerin Alice Robinson. Fünf Rennen stehen noch aus. Die Vorjahres-Vierte von Kranjska Gora fühlt sich aktuell im Renntrimm und im Tunnel drinnen: „Die Zeit für einen Sportler vergeht irrsinnig schnell. Du fängst in Sölden an, einmal Schnippen und du bist beim Weltcup-Finale.“
Scheib trotz Speed-Abstecher mit vollem RTL-Fokus
Für die Steirerin ging es zuletzt nach Zauchensee zum Speedtraining, ein Start im dortigen Super-G (11. Jänner) ist ein Thema. Den Super-G ließ die 27-Jährige bisher bewusst aus. „Wenn du in einer Disziplin die Chance auf mehr hast, braucht es keine Hauruck-Aktionen“, lässt sie an ihrem primären Fokus auf den Riesentorlauf keinen Zweifel. Sie will auch nicht den Verletzungsteufel herausfordern: „Wenn du in St. Moritz und Val d‘Isere mit den Sprüngen und ein paar km/h daherkommst und nicht die Kilometer in den Beinen hast, ist es immer eine Frage der Sicherheit.“
Ohne Gedanken an Speed-Rennen ist Katharina Truppe, die Kärntnerin hat sich auch vom Riesentorlauf verabschiedet - und profitiert von der Konzentration auf den Slalom. „Für mich war es definitiv die richtige Entscheidung. Ohne Riesentorlauf fallen die negativen Sachen weg, es war immer ein Kampf“, erklärte die im Semmering-Torlauf auf Rang fünf gekommene Kärntnerin. „So kann ich leichter und losgelöster fahren.“ Zwar wartet die Åre-Siegerin vom März 2025 in diesem Winter noch auf einen Podestplatz, doch vier Top-7-Ränge geben der 29-Jährigen recht.
„Wenn ich so zurückdenke, dass ich sonst gekämpft habe, dass ich in den 15 bin, bin ich heuer wirklich gut in den 10 drin. Irgendwie wird meine Brust immer breiter, ich traue mir immer mehr zu. So macht Skifahren Spaß“, jubelte Truppe am Semmering. Um zwei Hundertstel musste sie sich da Liensberger geschlagen geben. In der Disziplinwertung ist Truppe als Fünfte beste Österreicherin. Liensberger hat es im bisherigen Saisonverlauf im Gesamtweltcup als drittbeste Österreicherin hinter Scheib (6.) und Cornelia Hütter (14.) auf Rang 15 geschafft.
Falch an Top-Ten-Pforte, Shiffrin um perfekte Saison
Eine aufsteigende Form hat Landsfrau Nathalie Falch. Von Platz 43 in Levi aus steigerte sich die Tirolerin über die Plätze 26 und 18 auf Rang elf. „Richtig stark“, meinte Liensberger noch vor ihrem Sturz über die 21-Jährige. „Sie ist sehr motiviert, zielstrebig und ihr Skifahren schaut sehr leicht aus. Wenn sie so weitermacht, wird noch viel Positives von ihr zu hören sein.“ Franziska Gritsch bleibt im Team, obwohl die sie noch nicht in den Top 15 war. ÖSV-Alpinchef Christian Mitter sieht die Tirolerin aber auf einem guten Weg: „Sie ist eine etablierte Weltcup-Läuferin.“
Die im Riesentorlauf noch nicht so ganz an frühere Erfolge herangekommene Shiffrin ist im Slalom nach fünf Siegen auf dem Weg zu einer perfekten Saison. Fünf Rennen stehen aus. Theoretisch könnte der US-Star bei 220 Zählern Vorsprung auf Camille Rast den Sack am 13. Jänner in Flachau zumachen. Auf dem Semmering lag sie nur 9/100 vor der Schweizerin. In Kranjska Gora hat Shiffrin bei zwölf Antritten drei Siege gefeiert - 2018 im Slalom, 2018 und 2023 im Riesentorlauf. Vor einem Jahr gewannen die Schwedin Sara Hector bzw. die Kroatin Zrinka Ljutic.