Wie im Fußballstadion hallte ein Name nach dem Riesentorlaufsieg am Semmering durch das Zielstadion. „Julia Scheib, Julia Scheib, Julia Scheib!“. Die Euphorie am Zauberberg war kaum zu bremsen, hexte sich die Weststeirerin doch im fünften Rennen der Saison zu ihrem dritten Weltcup-Sieg vor Camille Rast (+0,14) und Sara Hector (+0,40). Bei Österreichs Ski-Fans ist der „Scheib-Hype“ ausgebrochen, der ÖSV hat nach dem zweiten Heimsieg der Saison endgültig einen neuen Ski-Star. Den Siegerpokal bekam sie übrigens von „ihrer“ Präsidentin Renate Götschl verliehen.

Vor knapp 7000 Fans legte die Weststeirerin den Grundstein für den Erfolg im ersten Durchgang. Nach einem verpatzten ersten Teil schaltete die 27-Jährige auf Angriff, lag zur Halbzeit nur 0,02 Sekunden hinter Hector. Während die Schwedin auf einem schwierigen Hang im Finale ihre Probleme hatte, ging es Scheib „taktisch aber clever“ an, wie es in einem Funkspruch ihrer Trainer hieß. Bis zum Steilhang schaltete sie in den Verwaltungsmodus, ehe ein genialer Zielsprint den dritten Erfolg absicherte. „Ich habe im zweiten Durchgang gemerkt, dass ich Probleme habe, den Ski auf Zug zu bringen. Der Schlusshang war dann sicher der Schlüssel zum Erfolg, da habe ich die Killerlinie ausgepackt.“

Rotes Trikot für Scheib

Mit ihrem Sieg erfüllte die Steirerin auch die selbst auferlegte Mission. Durch den Sieg und den gleichzeitigen Ausfall der zweifachen Saisonsiegerin Alice Robinson reist Scheib mit dem Roten Trikot der Weltcup-Führenden zum kommenden Riesentorlauf nach Kranjska Gora (3. Jänner). „Das ist jetzt eine gute Halbzeit. Es kann noch viel passieren, es bewegt sich alles am Limit. Wenn eine Alice Robinson am zweiten Durchgang am Start steht, weiß ich schon, dass es volle Attacke braucht, das war heute schon ein bisschen anders“, erklärte die Frauentalerin. Mit dem Sieg sei ein „unglaublich cooles Jahr“ zu Ende gegangen, das zu Silvester mit einem gemeinsamen Essen unter Freunden enden wird. „Da gibt es dann nach langem Überlegen Pizza, vielleicht mit einem Kaiserschmarrn im Anschluss.“

Perfekter Jahresabschluss

Die leidenschaftliche Köchin blickte nach dem letzten Rennen des Jahres auch auf die vergangenen Monate zurück, in denen es nicht immer so einfach war. „Ich habe in der letzten Saison das Gefühl gehabt, dass ich mich unter Wert verkauft habe und diesen Fehler wollte ich nicht noch einmal machen.“ Trotz Herausforderungen machte Scheib nie ein Geheimnis daraus, dass sie die Beste werden will. Für sie auch im Nachhinein der absolut richtige Zugang. „Ich würde ja alle anlügen, wenn ich sage, dass ich Zweitbeste werden will. Man trainiert sein ganzes Leben und wenn man weiß, dass man einen schnellen Schwung hat, musst du das irgendwann nutzen.“

Genutzt hat auch Nina Astner ihre gute Ausgangsposition nach dem ersten Durchgang. Mit Platz 30 nach Lauf eins rutschte sie noch ins Finale und brannte mit Startnummer eins auf guter Piste Laufbestzeit in den Schnee. Am Ende wurde die Tirolerin als zweitbeste Österreicherin Zwölfte – das beste Weltcup-Ergebnis für Astner und ein Lichtblick im abgesehen von Scheib strauchelnden Riesentorlaufteam.