„Ich bin ziemlich müde und nein, wir haben nicht groß gefeiert“, verriet Loic Meillard mit einem Lächeln. Kein Wunder, war für den Doppel-Weltmeister (Slalom und Teamkombi) von Saalbach von Durchatmen so gut wie keine Rede. „Ich hatte wenig Zeit zu regenerieren. Es ging mit dem Heimweltcup in Crans Montana Schlag auf Schlag. Danach hatten wir Training in Hinterreit“, sagte er – und seit Samstag ist Kranjska Gora Schauplatz für die Technikspezialisten.
Apropos WM. Die wird Meillard wohl ewig in Erinnerung bleiben, spricht der 28-Jährige im Gespräch mit der Kleinen Zeitung von „einer verrückten Zeit, und zwar für die gesamte Schweizer Mannschaft. Es wäre schwierig gewesen noch etwas besser zu machen. Es war speziell, Teil dieses Teams zu sein. Ich habe es genossen, das kann mir niemand mehr nehmen. Doch letztlich ist ein Häkchen gemacht und das Leben geht weiter“, verdeutlicht der Allrounder. Realisiert hatte er seinen Coup im Nu, als bisherigen Karrierehöhepunkt würde er ihn dennoch nicht titulieren.
Sein unbändiger Wille zeichnet ihn seit jeher aus: „Ich gebe nie auf!“ Das habe Meillard in frühen Jahren verinnerlicht. Dementsprechend macht er aus seinem Perfektionismus kein Geheimnis. Ihm sei bewusst, „dass du nie stehenbleiben darfst. Ob es immer gut ist, sei dahingestellt.“ Im Grunde ein Kopfmensch, vertraut er inzwischen mehr auf seinen Bauch. „Wenn ich beim Skifahren zu viel überlege, bin ich unsanft. Deshalb mache ich die Besichtigung schnell, um nicht die Chance zu haben, mir einen Kopf zu machen.“ Verzicht sei für ihn nur ein Begriff, und zwar keiner, mit dem er sich beschäftigt.
Gedankenspiele seien in ihm verankert. So ist er der Ansicht, dass, „wenn etwas bitter erscheint, man gefühlt immer glaubt, es sei das Schlimmste, was einem in seiner Laufbahn passieren kann. Wenn man ehrlich ist, lernt man aber aus Tiefen am meisten. Sie sind Teil des Sports.“ Der Stilist, der nie jemanden kopieren wollte, würde sich aber ein Puzzle aus mehreren Persönlichkeiten zusammenfügen. Mit Teilen von Didier Cuche, Didier Defago, Bode Miller und, nicht zu vergessen, Tennis-Superstar Roger Federer, der „ein unglaubliches Charisma hat“.
Wie man Profisport und Privatleben optimal unter einen Hut bekommt, beweist Meillard, der mit der Schweizer Mediensprecherin Zoé Chastan liiert ist: „Es ist schön, emotionale Momente teilen zu dürfen, doch am Ende sind wir beide hier, um zu arbeiten“. Eine weitere Person, die in seinem Leben eine bedeutende Rolle spielt, ist seine Schwester Mélanie, ebenfalls Skifahrerin. Die 26-Jährige hat die Schattenseiten des Skisports mehrfach zu spüren bekommen – permanent wurde sie von schweren Verletzungen zurückgeworfen. Diesbezüglich erzählt er, „dass ich mit ihr gelitten habe. Wir wissen, wie wir uns fühlen und jeder versteht den anderen.“
Er ist ein Genießer
Sportlich der akribische, bedachte Paradeathlet, ist der Walliser abseits der Piste der introvertierte Typ, ein Genießer und leidenschaftlicher Koch, der sich auf seinen Reisen inspirieren lässt. Ob ein Glas Rotwein oder ein selbstgemachtes Risotto – der Eidgenosse hält gern gewisse Momente fest. Landschaften und die Natur haben es ihm angetan. „Wir haben als Skifahrer das Glück viel sehen zu dürfen. Es gibt so herrliche Erinnerungen“, sagt Meillard, der beim Fotografieren am liebsten auf Filter jeglicher Art verzichtet.