„Wir hatten ein Riesentorlauftraining, um ein Gefühl zu bekommen. Es war etwas nass, aber das wird sich schon gut entwickeln“, meint Carmen Spielberger in gewohnt trockener Manier. Der Nervositätspegel hält sich trotz einer bestimmten Tatsache in Grenzen, denn die Kärntnerin feiert diese Woche (Freitag bis Sonntag) bei den Speedbewerben in Kvitfjell nach einer äußerst starken Europacupsaison ihr Weltcupdebüt.

„Es ist derzeit extrem ungewohnt. Ich werde wohl noch etwas Zeit brauchen, aber es ist richtig cool und ich kenne den Schauplatz vom letztjährigen Europacup-Finale. Mittwoch und Donnerstag sind die Trainings und dann schauen wir, was dabei herausschaut. Dass es bisher so aufgegangen ist, damit hätte ich nie gerechnet. Man weiß, dass es schnell gehen kann, aber bewusst wird es einem erst dann, wenn es passiert. Es ist viel geschehen und damit muss ich mich auch erst einmal zurechtfinden“, verdeutlicht Spielberger, die mit einer Mentaltrainerin die letzten Monate schon teilweise aufgearbeitet hat.

Die 22-Jährige hat einen nahezu kometenhaften Aufstieg hinter sich. Spielberger sorgte heuer mit ihrem Premierensieg in der Europacupabfahrt von St. Moritz für Furore und stand weitere Male am Podium. Das Abfahrts-Fixticket für die kommende Weltcupsaison ist ihr nicht mehr zu nehmen. Gefühlt will sich die Wintersportlerin zwar „keinen Druck machen und ich habe im Prinzip auch keinen, aber ich möchte solide Leistungen und saubere Fahrten zeigen.“ Norwegen sei für Spielberger, die 2022 in der Ski-HAK in Schladming maturiert hat, eine erste Standortbestimmung – die Piste ist mit steilen Teilstücken, blinden Übergängen und Gleitphasen nach ihrem Geschmack.

„Davon kann ich nur profitieren“

Auf ihre eher introvertierte Art angesprochen, verriet sie, „dass ich mir oft schwer tue auf Leute zuzugehen, vor allem, wenn ich sie nicht kenne.“ Demnach kommt es ihr nicht ungelegen, sich im hohen Norden mit ihrer Kärntner Landsfrau Nadine Fest, die sich nach ihrem Kader-Aus eindrucksvoll zurückgekämpft hat, ein Zimmer zu teilen. „Sie ist schon länger im Skizirkus unterwegs, davon kann ich nur profitieren.“

Das allererste Eintauchen in die Speedwelt vor vier Jahren ging mächtig schief, wie sie erzählt: „Das war in Saalbach bei einem Aufbautraining und im steilen Zielhang wurde es mir einfach viel zu schnell. Ich hatte echt Angst bei diesem hohen Tempo, die Kontrolle war weg und ich wollte eigentlich anschließend heimfahren.“

Ihr Durchhaltevermögen zeichnet die Guttaringerin seit jeher aus, kennt sie doch auch die harten Zeiten. „Es hilft nichts, da muss man durch. Wenn ich da gleich den Hut geworfen hätte, wäre ich jetzt nicht da, wo ich bin. Ich fahre inzwischen die siebente Saison im FIS-Bereich und bin noch nicht im ÖSV-Kader gewesen und wenn du in der Zeit nicht durchbeißt, wirst du es nie schaffen. Lichtblicke werden irgendwann kommen“, versichert Spielberger, die in Norwegen mit ihren Strickutensilien ein neues „Projekt, eine bestickte Tasche“ angeht.