Als der Schweizer Superstar Marco Odermatt im Ziel abgeschwungen hatte, musste er gar nicht erst auf die Ergebnistafel blicken. Seine Reaktion sprach Bände. Er schlug sich auf seinen Helm. Das war‘s heute nicht. Was dem 27-Jährigen zu dem Zeitpunkt tatsächlich durch den Kopf gegangen ist, war nur zu erahnen, aber er ließ auch gleich verlautbaren, „dass, wenn ich nicht vorne stehe, ein anderer Schweizer vorne ist. Man sieht, welche enorme Qualität derzeit in unserem Team steckt, das ist ziemlich cool.“ Ihm sei es sowieso lieber, dass ein Landsmann gewinne statt einem Österreicher. Für den Gesamtweltcupführenden heißt es jetzt aber „dieses Rennen schnell abzuhaken“.

Weltmeister Franjo von Allmen, der seine WM-Premiere in der Abfahrt feierte und am Ende 24 Hundertstel Vorsprung auf Vincent Kriechmayr hatte, genoss das Bad in der Menge und bedankte sich mehrfach bei den frenetischen Fans. Der Zielraum glich einer absoluten Traumkulisse mit 22.500 Zusehern. Der ruhige, zielstrebige und engagierte Jungstar, dessen Lieblingsrennen eigentlich Kitzbühel ist, konnte nicht oft genug vermitteln,

Dann sprach der 23-jährige gelernte Zimmermann den Teamspirit an: „Es ist so lässig zu sehen, wenn man sich untereinander und miteinander so freuen kann.“ Auf der einen Seite ist er der bodenständige Draufgänger, auf der anderen Seite brilliert er mit seiner unbekümmerten Art – Nervosität kennt der Red-Bull-Athlet nicht.

Er trägt immer dieselbe Skiunterwäschen-Kombination

Von Allmen wurde in seiner noch jungen Karriere aber auch schon mit der Schattenseite konfrontiert – ein Schicksalsschlag hätte beinahe alles verändert. Sein Vater starb, als der Berner Oberländer 17 Jahre alt gewesen ist. Es war zum damaligen Zeitpunkt nicht klar, wie es mit ihm weitergeht – auch in finanzieller Hinsicht.

Ein „Crowdfunding“-Projekt rettete schließlich seine Karriere. Er kämpfte weiter, schaffte es in den Schweizer Ski-Kader und ist nun Weltmeister. Einer, der immer dieselbe Skiunterwäschen-Kombination trägt und laut eines Schweizer Skikollegen „ziemlich laut schnarcht“. Angesprochen auf die anstehende Party nach WM-Gold, grinste der leidenschaftliche Motocrossfahrer: „Vollgas! Und das bis zum Ende.“ In Bezug auf eine Freundin hält er sich nach wie vor bedeckt – zumindest dürfte er heiß begehrt sein.

Monney, der „Oben-ohne-Mann“

Aus dem Strahlen ebenfalls nicht raus kam der „Bronzene“ Alexis Monney, der seinen Emotionen freien Lauf ließ. Er konnte es gar nicht wirklich glauben, war ihm doch ein Fehler im Mittelteil unterlaufen. „Es ist echt ein sehr schöner Tag. Ich habe schon im Super-G gesehen, dass der Ski schnell ist. Ich habe zuletzt wirklich sehr hart gearbeitet und das hat sich jetzt ausgezahlt. Und ich freue mich riesig für Franjo“, sagte der Westschweizer, der im Dezember bei der schweren Abfahrt in Bormio seinen ersten und bisher einzigen Weltcup-Sieg gefeiert hatte und in Kitzbühel gleich mit Platz zwei nachlegte. Nach diesem Podest hatte er sich bei der „Oben-ohne-Party“ im berühmten „Londoner“ in Kitzbühel auch die Haare scheren lassen und ist seither ganz oben tatsächlich „ohne“.

ABD0367_20250209 - SAALBACH-HINTERGLEMM - ÖSTERREICH: Marco Odermatt (SUI) am Sonntag, 9. Februar 2025, im Rahmen der Medaillenzeremonie für die Abfahrt der Männer auf Medal Plaza in Hinterglemm. - FOTO: APA/EXPA/JOHANN GRODER
Odermatt mit neuer Frisur... © APA

Gar nicht ohne war so oder so die Stimmung der Fans. Ein Schweizer Fanklub war schon vor dem Rennen vor allem aufgrund seiner goldenen Jacken nicht zu übersehen - wenn da nicht wer schon eine Vorahnung hatte. Apropos. Vorahnung gab‘s bezüglich der Schweizer Frisuren keine – doch bei der Siegerehrung präsentierten sich von Allmen und Co „querbeet“ am Kopf rasiert.