Mit Lisa Hauser tritt viel mehr als die erfolgreichste Biathletin des Landes ab. Die Tirolerin war jahrelang das Gesicht einer gesamten Sportart und hob diese im Frauenbereich auf ein neues Level. Als sie im Jahr 2012 ihr Debüt im Weltcup feierte, war sie nur einer Handvoll Experten ein Begriff, ebenso wie die meisten ihrer Teamkolleginnen. „Seither hat sich extrem viel getan und ich bin auch stolz, ein Teil davon gewesen zu sein“, erinnert sich Hauser zurück. „Wir haben viel erreicht. Angefangen hat es damals mit nur zwei Startplätzen und der Premiere bei Olympia. Dann kam das erste Top-Ten-Ergebnis in der Staffel und Schritt für Schritt wurde es immer besser.“
Doch nicht nur mannschaftlich darf Hauser durchaus stolz auf die Entwicklung sein. Sie selbst legte als Zugpferd den Grundstein für zukünftige Erfolge und war Vorbild für eine neue Generation von Athletinnen, die nun in die erste Reihe drängen. „Es gab für mich viele Meilensteine. Die erste Junioren-WM, das erste Top-Ten-Ergebnis, die erste Flower-Ceremony – das sind alles Meilensteine, auf die ich gerne zurückblicke.“ Als größtes „Highlight“ ihrer Karriere bezeichnet sie jedoch ihre WM-Goldene 2021 im Massenstart, die sie endgültig in die Weltspitze katapultierte. „Das war schon die Krönung meiner Karriere. Emotional war es aber vielleicht nicht so besonders, wie bei anderen Rennen, die ich danach gewinnen durfte, da es keine Zuschauer gab.“ Drei weitere WM-Medaillen in Silber, der Gesamtsieg in der Einzelwertung 2020/21 sowie acht Weltcup-Siege (zwei in der Staffel) machen sie zur erfolgreichsten Biathletin Österreichs – und das mit großem Abstand.
Zukunftspläne offen
Der jüngste Weltcup-Erfolg datiert vom 7. Dezember des Vorjahres, als sie sich in Östersund mit ihrem ersten Sieg in der Verfolgung einen „Traum“ verwirklichte. Auf dieses Hoch folgte ein Tief bei den Olympischen Winterspielen in Antholz, wo sie im Einzel bis zum letzten Schießen auf Medaillenkurs war, ehe drei Fehler den Olympiatraum platzen ließen. Die Entscheidung über ihr Karriereende beeinflusste diese Enttäuschung nur bedingt, wie die 32-Jährige erklärte. „Für viele ist es vielleicht überraschend gekommen, für mich aber nicht. Während des Winters ist es mir mehr und mehr bewusst geworden, dass es Zeit ist, Adieu zu sagen.“ Mittlerweile sei es „nicht mehr so ein Genuss, Rennen zu laufen, wie es einmal war. Jetzt bin ich nur froh, wenn ich im Ziel bin, es ist eine Plagerei. Ich freue mich deshalb jetzt ein anderes Leben kennenzulernen.“
Wie dieses Leben aussehen könnte, weiß Hauser selbst noch nicht genau. „Ich freue mich auf den ersten Sommer, in dem man nicht so streng nach Plan lebt und nicht schon weiß, wo genau man das ganze Jahr über ist. Es sind die kleinen Dinge, wie Unternehmungen mit Familie und Freundinnen, auf die ich mich freue. Bisher musste ich alles an meinen Trainingsplan anpassen.“ Als Weltcup-Trainerin sehe sie sich selbst nicht, „aber vielleicht mache ich es einmal für Kinder im Skiclub.“ Konkrete Pläne für den zukünftigen Karriereweg gibt es noch nicht. Gerüchte über einen Job als ORF-Expertin seien falsch, „aber ich bin für alles offen, auch für so eine Arbeit. Schauen wir, wo der Weg mich hinführt.“