Auf schmalen Straßen den Berg hinauf liegt idyllisch umgeben von Kühen der Wintersportort Antholz. Dort werden in exakt 249 Tagen die ersten Biathlon-Bewerbe der Olympischen Spiele 2026 stattfinden. Am 8. Februar 2026 geht mit der Mixed-Staffel die erste Medaillenentscheidung über die Bühne.
Ob die ÖSV-Athleten dort ein Wörtchen um die Medaillen mitreden können, steht noch in den Sternen. Nach einer enttäuschenden Saison wurde Christoph Sumann zum neuen sportlichen Leiter der Biathleten bestellt, er erwartet sich zum Start aber noch keine großen Sprünge, wie er bei der Sports-Media-Austria-Tagung in Bozen erklärt.
„Innerhalb von einem Jahr kann man keine Wunder vollbringen, man kann nur an kleinen Stellschrauben drehen“, erklärt der Steirer. Vor allem bei den Männern seien keine Medaillen bei den Spielen zu erwarten: „Ich kann ja Olympia nicht auslassen, ich habe den Job. Wir sind einfach ein Stück weit weg von der Weltspitze und es wird keine Wunder geben. Wir müssen eher schon in die Zukunft schauen.“
Auch ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher spricht bei den Herren von einem Neuanfang: „Natürlich darf man träumen, aber es ist einfach nicht realistisch, dass wir jetzt schon um die Medaillen mitlaufen. Das wird noch dauern.“ Sumann hat sich dafür einen klaren Zeitplan zurechtgelegt: „2028 ist die Heim-WM in Hochfilzen und bis dort will ich die Burschen auf Schiene bringen. Wir haben dafür drei Jahre Zeit, dann sollen sie wieder in der Weltspitze angreifen.“
Bei den Frauen soll es besser laufen
Ganz anders hingegen die Ausgangslage bei den Frauen, hier soll in knapp einem Jahr bei Olympia schon der große Wurf gelingen. „Man darf auf jeden Fall was erwarten, um die Medaillen mitlaufen ist unser Anspruch“, erklärt Stecher und Sumann präzisiert: „Bei Anna Gandler sind wir auf einem guten Weg, dass sie wieder in die Spur findet. Lisa Hauser hat auch gute Leistungen gezeigt und ist auf dem aufsteigenden Ast. Da ist definitiv was drinnen, momentan sind die Frauen das stärkere Geschlecht. Wenn wo etwas möglich ist, dann bei den Frauen.“
Jene Hauser wird auch in der kommenden Saison mit einem Privatteam arbeiten und nicht mit der ÖSV-Mannschaft trainieren, wie Sumann bestätigt: „Sie hat natürlich ihren Kaderstatus, hat sich aber entschieden, wieder ihren eigenen Weg zu gehen. Das ist legitim und jedem selbst überlassen, aber der klare Grundsatz ist, wer nicht mit der Mannschaft trainiert, wird auch nicht subventioniert und da gibt es keine Ausnahmen.“
Während also beim ÖSV die Planungen und Weichenstellungen für die Zukunft gerade erst beginnen, befinden sich jene des Austragungsortes bereits auf den Zielgeraden. Laut OK-Chef Lorenz Leitgeb sei das Stadion so gut wie fertig, nur Verschönerungsarbeiten stünden noch aus. 19.300 Zuschauer können an den Bewerben teilhaben.
Die Anlage wurde im Hinblick auf die Spiele und die folgende Zukunft umgebaut und modern gestaltet. „Das alles aber dank und nicht für Olympia“, betont der Veranstalter. 30 Schießstände, eine volle Ausbuchung jedes Jahr und sogar eine Kältekammer mit bis zu zu -20 Grad, damit auch im Sommer winterliche Bedingungen simuliert werden können. Das alles bietet der Südtiroler Biathlon-Ort.
„Man kann Antholz nur gratulieren und froh sein, wie toll der Sport hier gelebt wird. Es ist eine coole Sportstätte, die natürlich weltweit ihresgleichen sucht“, sagt Stecher. Auch Sumann zeigt sich begeistert: „Es ist großartig, was hier entstanden ist. Es ist sicher ein Ort, wo man als Mannschaft hinmuss. Diese Anlage wird in Zukunft im Biathlon-Sport eine große Rolle spielen. Sie haben es geschafft, auf kleinem Raum alles unterzubringen ohne das Landschaftsbild zu zerstören.“
Ein bisschen Wehmut schwingt aber bei Stecher mit, dass diese Anlage nicht in Österreich steht: „Ich schaue auch mit einem weinenden Auge darauf. Das hätte auch in Tirol stehen können, wenn Olympia hierher gewandert wäre. Aber man holt sich natürlich Insights, was man auch in Österreich umsetzen kann.“