„Es hat etwas länger gedauert“, grinst Lara Kipp und verriet, dass sich die WM-Gold-Party mit ihrer Rodelpartnerin Selina Egle in einem kanadischen Club abgespielt hat. „Hier sperren sie immer um 2 Uhr zu, das war ideal für uns, stand ja noch die Team-Staffel am Programm. Aber solche Siege muss man einfach in dem Moment feiern“, meint Egle. Die diesjährigen Europameisterinnen von Winterberg setzten sich in Whistler auch dank eines starken ersten Laufs hauchdünn vor den Deutschen Jessica Degenhardt/Cheyenne Rosenthal (+0,029 Sekunden) durch und verteidigten ihren Titel.

Trotz der überragenden Saison kam dieses WM-Gold etwas unerwartet. Egle/Kipps Trainingsfahrten verliefen nämlich durchwachsen. „Es war immens schwer. Wir waren inkonstant und besonders mit einer Kurve hatten wir ordentliche Probleme“, erzählt Egle und fügt an, „dass es von Fahrt zu Fahrt schlechter geworden ist. Es ist noch dazu eine Startbahn, was uns weniger zugute kommt.“ Doch die Seriensiegerinnen aus Tirol – sie gewannen das siebente Doppelsitzer-Rennen in Folge – trotzten den Widrigkeiten und brillierten mit ihrer teilweise intuitiven Fahrweise.

Das „perfekte Match“

Das Erfolgsschema der Dominatorinnen ist im Handumdrehen illustriert, gehe es de facto um die optimale Materialabstimmung und um Konstanz – jenen Faktor, der in der Regel den Unterschied ausmachen kann. Diesbezüglich spielt mit den Erfolgen die Lockerheit eine wesentliche Rolle – und dazu gesellt sich eine Dosis an Routine – obwohl beide gerade einmal 22 Jahre alt sind.

Ein grundlegender Parameter ist dabei nicht außer Acht zu lassen: Ihr neuer Starttrainer Lukas Schlierenzauer – er ist der Bruder von Skisprung-Legende Gregor Schlierenzauer – sorgt mit seinen Inputs und Korrekturen dafür, dass die Weltcup-Gesamtführenden schließlich das „perfekte Match“ bilden.

Das Spezielle an dieser Konstellation?

Das Duo tickt völlig unterschiedlich: Kipp ist die eher Lässige, Lockere und Ruhe in Person, Egle hingegen die Ehrgeizige und motiviert bis in die Haarspitzen. „Lara muss mich öfter mal runterholen, dass ich nicht zu verbissen bin. Ich glaube, die Kombi aus uns ist fast perfekt, deshalb kann gern alles so bleiben, wie es ist.“ Kipp ergänzt nahezu im selben Atemzug, „dass unsere Stärken quasi unsere Macken sein können, aber in dem Sinn, dass wir wissen, wie der andere reagiert.“

Knapp vorbei

Und was hat sich in Kanada noch getan? Bei den Männern schrammten Thomas Steu/Wolfgang Kindl nach Halbzeit-Rang drei mit Platz vier knapp an einer Medaille vorbei. Den Titel im Einsitzer holte sich die Deutsche Julia Taubitz, Madeleine Egle musste sich mit Rang sieben begnügen.

In der Nacht gingen die Entscheidungen im Männer-Einsitzer rund um Europameister Jonas Müller und Co. sowie der Team-Staffel in Szene.