Nachdem sich Sebastian Ofner bei den French Open in der zweiten Runde nach einem bärenstarken Auftritt gegen den Russen Karen Chatschanow erst im fünften Satz beugen musste, legte der Steirer eine mehrtägige Schaffenspause ein, ehe er sich in Bruck und Traiskirchen auf die Rasensaison vorbereitete. Diese startet für den 29-Jährigen heute – und zwar mit der Qualifikation für das ATP-500-Turnier in Halle. „Wir sind bereits am Donnerstag hergeflogen“, berichtet Ofners Touring-Coach Steve Rettl, „am Freitag ist er dann in den Qualifikations-Raster gerutscht.“ Alternative für Halle wäre der zur selben Zeit in Szene gehende Rasenklassiker in Queen‘s gewesen – auch dort hätte der St. Mareiner ein Qualifikations-Ticket ergattert, „doch Sebastian hat bereits letztes Jahr in Halle gespielt und es hat ihm gut gefallen.“
An welchen Schrauben man drehen muss, um die Umstellung von Sand auf Rasen möglichst gut zu schaffen? „Man muss auf alle Fälle aggressiver spielen, die Ballwechsel sind kürzer, Service und Return spielen eine noch entscheidendere Rolle“, erklärt es Rettl. Und weiter: „Der Ball springt nicht so hoch ab, das Hinrutschen ist schwierig – man muss die Bälle mehr auslaufen. Und der Schwerpunkt des Körpers ist auf Rasen ebenso tiefer.“ Letzterer Punkt spielt gerade bei Ofner eine große Rolle, „hat er deswegen doch seine Fersen vor den beiden Operationen besonders gespürt. Vielleicht wird er es deshalb auch jetzt zu Beginn ein bisschen spüren, aber der Körper passt sich schnell an“, sagt Rettl.
Nach den vergangenen Wochen (vor Paris marschierte Ofner aus der Qualifikation heraus ins Halbfinale von Genf und stand auch in der dritten Runde von Rom) strotzt Österreichs Nummer eins (aktuell auf Position 121 im ATP-Ranking) vor Selbstvertrauen. Rettl: „Die letzten Turniere haben gezeigt, dass die eingeschlagene Richtung stimmt. Ofi spielt aggressiver und mit mehr Zug nach vorne. Er hat gesehen, dass er auf höchstem Level mithalten kann und seine Fersen halten. Mehr Belastung als im Match gegen Chatschanow geht nicht.“ Nach Halle geht es weiter nach Mallorca, wo Ofner im Vorjahr im Finale stand. „Dort hoffen wir auf eine Wildcard, ansonsten spielt er Qualifikation.“ Danach geht es weiter nach Wimbledon, wo der Mürztaler von seinem Protected Ranking Gebrauch machen wird.
Fieber bremste Misolic aus
Etwas anders sieht das Programm bei Filip Misolic aus. Der Grazer, der in Roland Garros sensationell bis in die dritte Runde vorgestoßen ist und dort gegen Novak Djokovic trotz Niederlage eine starke Leistung geboten hat, fliegt heute nach Posen, wo er bei einem Sandplatz-Challenger aufschlägt. Allerdings hatte der Steirer (ATP-Nr. 140) nach Paris mit Fieber zu kämpfen, war mehrere Tage außer Gefecht, musste auf ein Antreten in Bratislava verzichten und konnte sich erst verspätet in Zagreb auf die kommenden Aufgaben vorbereiten.
Nach Polen geht es für „Miso“ weiter nach Wimbledon, wo er sich in der Qualifikation versuchen wird. Seine Erfahrungen auf dem schnellen Grün sind allerdings nicht die besten: Bei seinen bisherigen Auftritten 2022 und 2023 war für den 23-Jährigen jeweils bereits in der ersten Qualifikationsrunde Endstation. Sollte er kein Ticket für den Hauptbewerb lösen können, würde Misolic nach Oberpullendorf reisen, um dort bei den Staatsmeisterschaften seinen Titel zu verteidigen. Bereits fix: Wie Ofner wird auch der Grazer in Kitzbühel (ab 19. Juli) zu seinem Arbeitsgerät greifen.