Dass es für den erfolgreichsten Tennisspieler aller Zeiten nicht nur ein abendlicher Spaziergang war, konnte man an Gestik und Mimik, die Novak Djokovic während der 2:10-Stunden Spielzeit zur Schau stellte, ablesen. „Er hat einige tolle Punkte gemacht und ist wirklich mutig aufgetreten. Er hat mich ein bisschen mit seinem Level überrascht“, sprach der 24-fache Grand-Slam-Sieger nach seinem 6:3, 6:4, 6:2-Drittrundensieg bei den French Open. Die gestreuten Rosen galten Filip Misolic.

Der Österreicher, der nach eigenen Angaben in der „Nightsession“ alles in die Partie warf, was ihm tennistechnisch und körperlich zur Verfügung stand, servierte den Zuschauern bei seiner Premiere auf dem Center Court „Philippe Chatrier“ eine mehr als solide Leistung und konnte die Fans im größten Sandplatzstadion der Welt mit so manchen Zauberschlägen von den Klappstühlen reißen. Natürlich, von einem Sieg über den 100-fachen Turniersieger war der Grazer am Ende doch ein großes Stück entfernt, doch kann „Miso“ auf die gebotene Leistung bei seinem erstmaligen Einzug in die dritte Runde eines Grand Slams aufbauen.

Beim Service geht immer mehr

Und das will der Steirer auch machen. „Den Schwung mitnehmen“ lautet die Devise für die nächsten Aufgaben. Und aus den Erfahrungen der Paris-Reise lernen. Strapaziert man die Statistik der Djokovic-Partie, stechen ein paar Zahlen heraus: Sechs Asse (mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 184 km/h) und damit gleich viele wie der „Djoker“ ist gut, doch geht beim Service immer mehr. Nur 36 Prozent gewonnene Punkte beim eigenen zweiten Aufschlag bestätigen das. Wie der Serbe notierte auch Misolic 33 Winner-Schläge, „gewinnt“ aber den Vergleich bei den unerzwungenen Fehlern mit 22:14.

Dazu bescheinigt die Statistik dem Steirer auch ein starkes Nervenkostüm, konnte er doch immerhin zwölf von 16 Breakbällen abwehren. In Summe aber freilich zu viel der brenzligen Situationen, was wiederum den Kreis hinsichtlich Aufschlag schließt. Allerdings gilt bei diesen Werten natürlich zu berücksichtigen, dass das ÖTV-Ass dem Superstar der Branche gegenüberstand.

Wimbledon oder Oberpullendorf

Während es für Djokovic am Montag im Achtelfinale von Paris gegen den Briten Cameron Norrie weitergeht, kehrte Misolic mit Familie und Freunden, die ihn am Bois de Boulogne lautstark unterstützt haben, in die Heimat zurück. Dort steht für den 23-Jährigen am Montag in Wien ein Pressetermin an, wo er gemeinsam mit Sebastian Ofner die Werbetrommel für die am 2. Juli startenden Staatsmeisterschaften in Oberpullendorf rühren wird. Dort wäre Misolic eigentlich Titelverteidiger, doch hat es sich der Steirer zum Ziel gesetzt, erstmals ein Wimbledon-Ticket zu erobern. Die Qualifikation startet am 23. Juni, schafft es „Miso“ in den Hauptbewerb, fallen für ihn die Staatsmeisterschaften aus. Ofner hat im Tennis-Mekka dank seines „Protected Rankings“ einen Fixplatz im 128er-Raster.