Es waren exakt 55 Minuten gespielt, ehe Jannik Sinner in der dritten Runde der French Open einen Return ins Aus setzte. Daraufhin riss Kontrahent Jiri Lehecka triumphierend die Arme in die Höhe und wurde vom französischen Publikum frenetisch gefeiert. Der Grund: Der Tscheche konnte mit diesem Gamegewinn beim Stand von 0:6, 0:5 erstmals gegen den Weltranglistenersten anschreiben. Am Ende, das heißt nach nur 1:35-Stunden Spielzeit, hatte der Italiener den 6:0, 6:1, 6:2-Sieg in der Tennistasche und trifft nun im Achtelfinale auf den Russen Andrej Rublew. Dessen Gegner Arthur Fils konnte aufgrund eines Ermüdungsbruchs im unteren Rücken nicht antreten.
Nach dem Match erklärte ein geknickter Lehecka, seines Zeichens immerhin die Nummer 34 der Welt: „Jeder konnte sehen, was heute passiert ist. Ich bin sehr glücklich, dass ich zumindest ein Game gewonnen habe. Die Art, wie Jannik gespielt und mich in allem, was auf dem Platz passiert ist, gekillt hat, machen die drei Games für mich zu einem großen Erfolg.“ Auf Instagram schrieb Casper Ruud mit einer kräftigen Portion Sarkasmus: „Du hättest ihn beinahe gehabt.“ Damit erinnerte der Norweger an seine letzte Begegnung mit Sinner: Erst vor wenigen Wochen im Viertelfinale des Rom-Masters konnte der Weltranglistenachte (!) auch erst beim Stand von 0:6, 0:2 seinen ersten Gamegewinn notieren und geriet am Ende mit 0:6, 1:6 unter die Räder.
Sinner freute sich hingegen über eine fast fehlerlose Leistung: „Ich habe wirklich gut gespielt, vor allem zweieinhalb Sätze lang. Ich bin sehr glücklich. Die ersten Runden sind sehr wichtig, das gibt dir Selbstvertrauen, um noch weiterzukommen.“ Kaum vorstellbar, dass Rublew den 23-jährigen Italiener kommenden Montag stoppen kann. Es macht fast den Anschein, als wäre der Südtiroler nie von der Tour weg gewesen. Dabei hatte er bis Anfang Mai aufgrund einer Dopingsperre eine dreimonatige Zwangspause einlegen müssen.
Ein erster richtig großer Prüfstein würde auf Sinner wohl im Viertelfinale mit Jack Draper warten. Der Brite setzte seinerseits mit einem glatten 6:2, 6:4, 6:2-Sieg über das brasilianische Tennis-Juwel Joao Fonseca ein lautes Rufzeichen und trifft im Achtelfinale auf Alexander Bublik.