Es zeichnet einen Champion auch aus, dass er Rückschläge einsteckt und weiterkämpft. Michael Scheikl musste in der laufenden Saison auf der Naturbahn einige hinnehmen. Mit dem Ziel des Gesamtweltcups gestartet, kam der Kindberg nie wirklich ins Fahren. Er kratze immer wieder an der Spitze, doch fuchste es ihn oft. Nun war er wieder da. Und wie. „Die Erfahrung kann einem schon helfen, wenn es einmal nicht so läuft und man sich dennoch auf den Punkt hin fokussieren muss.“ Auf der selektiven Tonnerbodenbahn in Jaufental legte er sich nach Platz vier im Weltcup am Vortag nach, holte sensationell Silber. „Einen schnellen Lauf bringt man oft zusammen, im zweiten dann auch zu liefern, das bringt die Routine.“ Mit EM-Silber im Einzel hat er sich eindrucksvoll auf dem Podest zurückgemeldet. „Im Hinblick darauf, wie schwierig die Saison verlaufen ist und wie ich vom Training weg arbeiten musste, kann ich mit Silber wirklich sehr zufrieden sein.“

Im ersten Durchgang war die Bahn in einem perfekten Zustand, dann kam die Sonne und weichte sie stellenweise auf. „Da brauchst du auch das gewissen Alzerl Glück, dass du nicht in das Sulzige kommst.“ Ein kleiner Wermutstropfen ist dennoch dabei – nicht nur weil, es das dritte Silber in drei Jahren ist. „Wenn man sich die Zeit anschaut, wäre Gold möglich gewesen.“ Denn der steirische Sportler des Jahres 2023 kam Dominator Patrick Pigneter (ITA) gefährlich nahe. Am Ende fehlten nur 17 Hundertstel einer Sekunde. „Auf der Bahn im Jaufental hat es immer schon enge Zeitabstände gegeben. Auch wenn ich nach dem knappen Abstand zur Halbzeit etwas mit dem Titel geliebäugelt habe. Es ist bis zum letzten Meter ein Hundertstelkrimi gewesen.“ Nach dem ersten Ritt waren es nämlich nur 0,09 Sekunden. Neben Scheikl war mit Sebastian Feldhammer ein zweiter Steirer zwischen den Holzplanken unterwegs. Der Mariazeller fuhr wie am Vortag im Weltcup auf den elften Rang.

Doch sollte der Tag nicht mit einer Silbernen für Scheikl zu Ende gehen. Im anschließenden Teambewerb holte er mit Riccarda Ruetz auf einer immer langsameren Bahn Platz zwei hinter Italien. Evelin Lanthaler war mit Pigneter einmal mehr nicht zu biegen. Platz drei ging an Deutschland. Ruetz fuhr auch im Einzel auf Platz zwei und damit fährt sie als große Favoritin zur Junioren-WM. Die steigt ab kommenden Freitag auf der Winterleiten. Ob Scheikl (34) nach der Saison weitermacht? „Darüber denke ich im Sommer nach. Aber Erfolge helfen.“