Österreichs Tischtennis steckt in einer Krise. Die schwerwiegenden Vorwürfe minderjähriger Spielerinnen gegen einen Trainer, der sich ihnen gegenüber anzüglich verhalten haben soll, ziehen weite Kreise – und den gesamten Sport in Mitleidenschaft. Österreichs Sportministerium hat, wie der Skandal bekannt wurde, die Förderungen an den Österreichischen Tischtennisverband (ÖTTV) eingefroren. Als Grund werden „mögliche Versäumnisse“ beim Umgang mit den Vorwürfen im Verband angegeben. Damit steht nun der ganze Sport finanziell unter Druck. Denn nicht nur der Verband als eigentlicher Adressat der Maßnahme leidet, sondern auch die Vereine: Der USV Indigo Graz, der mit einer Mannschaft in der Frauen-Bundesliga antritt, fällt aktuell um das Förderprogramm „Dream Teams“ um: Mit diesem werden Vereine der allerhöchsten weiblichen Spielklassen Österreichs unterstützt.

Das Sportministerium bestätigt, dass das Ausbleiben der Förderung mit dem verhängten Förderstopp zusammenhängt. Das Beispiel Indigo Graz zeigt, wie groß das budgetäre Loch nun ist: 18.960 Euro beträgt der Sockelbetrag (Förderminimum pro Verein), der dem Tischtennisverein fehlt. Laut Obmann Martin Jandl sind dies zwischen 25 bis 30 Prozent seines Budgets. „Für uns als Vereine des Oberen Play-offs der Frauen-Bundesliga ist das eine Katastrophe. Wir wissen nicht, wie es weitergeht.“

Auch Spielerinnen von Indigo Graz betroffen

Zudem gab der USV Indigo bekannt, dass zwei seiner Spielerinnen über das Nationalteam mit dem beschuldigten Trainer Kontakt hatten und sich in unangenehmen Situationen befunden haben sollen – zu Übergriffen ist es nicht gekommen. Für den Trainer gilt die Unschuldsvermutung, der Fall liegt bei der Staatsanwaltschaft. Sieben von acht Bundesliga-Vereinen der Herren haben einen offenen Brief unterzeichnet, in dem die ÖTTV-Verbandsspitze zum Rücktritt aufgefordert wird. Auch bei den Damen-Mannschaften ist ein solches Schreiben in Arbeit. „Wir unterstützen das“, erklärt Jandl.

Am Mittwoch tagt die Verbandsspitze in einer Vorstandssitzung. Ex-Vizepräsidentin Liu Jia kehrte dem Vorstand nach einem Jahr, in dem sie laut eigener Aussage viel Gegenwind verspürte, kürzlich den Rücken.