Der Tennis-Star im InterviewDominic Thiem: "Sehe es ein bisserl als Halbzeit meiner Karriere"

Dominic Thiem im Interview über seine Verletzung, sein neues Management und die bevorstehenden US Open.

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Dominic Thiem
Dominic Thiem © APA/HANS PUNZ
 

Anlässlich des Starts zur zweiten Auflage seiner Hobby-Spieler-Turnierserie "Red Bull Thiem, Set, Match" hat sich Österreichs derzeit verletzter Tennis-Star Dominic Thiem für einen kleinen Journalisten-Kreis etwas Zeit genommen. Im Wiener Colony Club sprach er über seine Verletzung, seinen Fahrplan zum Comeback, seinen neuen Fitnesscoach und welche Absage für die Rest-Saison ihn am meisten schmerzt.

Sie haben vor zwei Tagen das Ende ihrer Saison verkünden müssen. Wie geht es Ihnen jetzt mit dieser Entscheidung?
DOMINIC THIEM
: "Jetzt geht es mir eigentlich besser als vorher, weil jetzt komplette Klarheit herrscht. Ich habe jetzt einen genauen Fahrplan wie die nächsten Wochen und Monate ausschauen. Davor war es ein Hoffen und Bangen die ganze Zeit. Die US Open und der Rest der Saison waren im Hinterkopf und ich wollte das unbedingt schaffen. Es ist einfach zu früh gekommen, ich habe dann auch ein bisserl den Preis dafür bezahlt, dass ich mit solchen Verletzungen noch null Erfahrung habe. Ich habe ein bisserl zu früh zu viel wollen. Das Training hat nie wirklich funktioniert, vor allem die Vorhand, deshalb war es immer ein ungutes Gefühl und das ist jetzt wenigstens weg."

Wie schaut denn dieser Fahrplan nun aus?
"Ich bin auf jeden Fall wieder sechs Wochen in der Schiene, weil das ist die Zeit, die die Sehnenscheide zum Heilen braucht. Nach vier Wochen ist die erste Untersuchung, ob der Heilungsprozess auch gut verläuft. Ich kann jederzeit mit Laufen und Fitnesstraining beginnen. Wenn alles passt, kommt die Schiene runter und dann kann ich langsam das Handgelenk stärken und wieder mobilisieren. Wenn alles gut lauft, sollte ich Anfang, Mitte November voll zu trainieren beginnen."

Haben Sie derzeit Schmerzen im Handgelenk?
"Die Schmerzen waren relativ schnell viel besser, sowohl nach dem Schnalzer, den es auf Mallorca gemacht hat, als auch jetzt nach dem letzten Schnalzer. Wenn ich das Handgelenk ganz normal habe, sind fast keine Schmerzen da, das Problem ist immer die Vorhand, diese Schnappbewegung bevor ich den Ball treffe. Deshalb wird es dauern, bis das schmerzfrei ist."

Trainieren Sie auch aktuell?
"Jetzt ein, zwei Wochen mal nicht, das wäre eine zu lange Trainingsphase. Ich bin jetzt noch immer topfit. Ich habe drei Wochen richtig geackert im Fitness, auf dem Platz und auch weg vom Platz. Das hat mir gezeigt, wie lange ich zirka brauche, bis ich wieder topfit bin und das sind drei, vier Wochen. Ich werde nach zwei, drei Wochen wieder anfangen."

War denn der Heilungsverlauf bisher normal?
"Sogar ein bisserl besser als bei anderen. Bei manchen anderen hat man sofort operieren müssen. Von dem her ist es bei mir eh noch okay, weil ich es noch in der Schiene heilen kann."

Auch andere Spieler hatten ähnliche Verletzungen?
"Nadal hat das Gleiche gehabt 2016, Nishikori hat das Gleiche gehabt und auch Bencic. Die Ärzte haben gesagt, wenn das gescheit verheilt, stellt es kein Problem dar."

Wie groß ist denn die Chance, dass es auch zu einer Operation kommen könnte?
"Wenn es nicht läuft wie geplant, ist die Chance schon da, aber es wäre auch kein Malheur. Es würde einfach die Zeit, bis ich wieder am Platz stehen kann, verlängern. Wenn es passt, dann ist Australien auf jeden Fall ein Thema. Wenn es wirklich zur OP kommen sollte, dann wird es noch ein, zwei Monate länger dauern. Aber es wäre ein Eingriff, den viele Spieler schon gemacht haben und ist auch keine schlimme Sache hinsichtlich der Zukunft."

Wie geht es Ihnen psychisch nach der langen Coronapause jetzt erstmals wegen des Körpers?
"Jetzt eigentlich gut, auch weil ich im Hinterkopf habe, dass ich dem Körper in den letzten Jahren eh alles abverlangt habe. Er hat mich nie wirklich im Stich gelassen, ich habe voll trainiert und nie irgendwas gehabt. Es passt alles mit dem Körper, jetzt das erste Mal eine Verletzung. Pech, aber es kann schon auch sein, durch die endlos vielen Schläge. Ich sehe es ein bisserl als Halbzeit meiner Karriere: es waren die letzten sechs Jahre unglaublich, besser als ich es mir je erträumt habe. Jetzt ein mieses Jahr, und ich hoffe, dass noch sechs, sieben gute Jahre folgen danach."

2021 hätte noch einige Höhepunkte gebracht: Die Titelverteidigung bei den US Open, Wien und der Davis Cup in Innsbruck. Was tut Ihnen da besonders leid?
"Es tut alles weh, plus Indian Wells. Am meisten tut mir doch der Davis Cup weh, es ist vielleicht das einzige Mal so ein geiler Heim-Davis-Cup. Natürlich ist Wien bitter, aber das werde ich sicher noch einige Male spielen. Aber wie oft so ein Heim-Davis-Cup gegen Serbien und Deutschland sein wird - vielleicht nie wieder."

Der Hunger nach Matches und Siegen war bzw. ist jedenfalls wieder da?
"Eigentlich ist der Hunger genau dann zurückgekommen, als die Verletzung passiert ist. Oft sagt man es nicht vor dem Turnier, aber vor Paris habe ich schon gemerkt, dass ich richtig scheiße spiele im Training und dass das schwer wird, dort weit zu kommen. Vor Mallorca habe ich richtig gut gespielt und da ist der Hunger zurückgekommen und dann ist die Verletzung passiert."

Bleibt nun mehr Zeit für die Ihnen wichtige Umwelt-Themen?
"Auf jeden Fall. Ich schaue, dass ich mich um die Dinge kümmere, die ich schon unterstütze: vielleicht kommen noch ein paar interessante Sachen dazu. Jetzt habe ich Zeit."

Sie haben Jez Green als Fitnesscoach ins Team geholt, ist sonst das Team Thiem gleich geblieben?
"Ja, der Jez ist einfach dazugekommen. Die Testphase ist mega gelaufen. Ich war wieder richtig fit, schnell, es hat alles gepasst. Jez ist ein super Mann, der nie frei war, sonst hätte ich ihn vielleicht schon früher geholt, jetzt haben wir das probiert und es hat super funktioniert."

Wie zufrieden sind Sie mit dem neuen Management?
"Es läuft gut, aber sie haben sich einen schlechten Zeitpunkt ausgesucht, das muss man auch sagen (lacht). Nein aber, ich war schon ein paar Mal dort. Mir taugt es dort, ich fühle mich super aufgehoben und jetzt liegt es an mir. Die haben ihren Job super gemacht. Wir haben das vor den French Open bekanntgegeben, die dann schlecht gelaufen sind und dann ist die Verletzung gekommen."

Wem trauen Sie am ehesten zu, Sie als US-Open-Sieger abzulösen?
"Ich glaube, dass es der Djokovic machen wird. Wegen dem Grand Slam - er hat so einen unfassbaren Willen und weil es eine Jahrhundert-Chance ist, den Grand Slam zu holen. Ich glaube, er wird sich die Chance nicht entgehen lassen."

Ihr vielleicht bester Freund, Dennis Novak, ist Vater geworden. Da sind Sie Kandidat als Taufpate, oder?
Thiem (lacht): "Ich glaub schon, ja."

Sie tragen seit einiger Zeit auch ein Leibchen mit eigenem Logo - Gibt es das auch für Fans?
"Ja, das Leiberl gibt es schon. Ich hätte es natürlich lieber ein bisserl besser gelauncht. Es ist schon am Markt und es wird in Zukunft auch ein paar gute Sachen geben."

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