KarriereendeEin Mal hat "Kurti" Stephan Rabitsch noch kalt

Stephan Rabitsch (29) wird am Sonntag sein letztes Rennen als Berufsradfahrer bestreiten. Der Fahrer von Felbermayr Wels hängt den Helm für einen neuen Job an den Nagel.

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Stephan Rabitsch wechselt vom Rad zu den Skiern © 
 

Wenn Stephan Rabitsch am Sonntag, genau 99 Tage vor seinem 30. Geburtstag, in Leonding an den Start geht, wird Wehmut mitschwingen. Der Berufsradfahrer bestreitet beim Auftakt der Bundesliga sein letztes Rennen als "Echter". Nach elf Jahren und 428 Renntagen auf internationaler Ebene ist Schluss. Er bekam ein Angebot, bei Skiproduzent "Kästle" als Vertreter zu beginnen. "Diese Entscheidung ist mir sehr schwergefallen und ich habe lange überlegt", sagt er kurz nachdem Sohn Joseph ein kleines Schwesterchen (Rosa) bekommen hat. "Es war eine Entscheidung für die Zukunft und jetzt, wo ich schon voll in meinen neuen Beruf bin, geht es mir damit wirklich sehr gut."

Trainiert hat er dennoch, immerhin will er in Leonding noch einmal hinhalten. "Das Radfahren war mein Leben und es wird ein Teil davon bleiben. Ich habe so viel erlebt, so viel gesehen und so viele Menschen kennengelernt", sagt er, "und ich hatte das Privileg, damit Geld verdienen zu dürfen. 95 Prozent von denen, die das versuchen, schaffen es nicht." Im Alter von 14 Jahren ist er in die Steiermark gezogen und hat beim RC Raaba mit dem Radfahren begonnen. "Ich habe 14 Jahre lang dem Sport alles untergeordnet. Das habe ich nie bereut." Bei allem Talent und Biss auf dem Rad hat er in dem beinharten Geschäft der gebürtige Klagenfurter seine Herzlichkeit und seinen Humor nie verloren und kann auch über sich selber lachen.

Der Mann für Rundfahrten

Acht Mal fuhr Rabitsch die Ö-Tour und Rundfahrten haben es ihm angetan. "Wahrscheinlich, weil ich immer sehr konstant gefahren bin und keine Einbrüche hatte." Seine beste Saison fuhr der "Kurti" (Stephan Kurt Rabitsch) im 2018, unter anderem mit den Gesamtsiegen bei der Oberösterreichrundfahrt, der A Travers Les Hauts De France und bei der Rhône-Alpes Isère Tour. "Da habe ich wirklich viel gewonnen und viel verloren", sagt er, "obwohl ich alles dafür getan habe, ist mir nach diesem Jahr der Traum von einem Platz in der World Tour nicht erfüllt worden."

Einer der besten Momente abseits der Strecke war nach der Aserbaidschan-Rundfahrt der Empfang in der österreichischen Botschaft 2016. "Nach dem Sieg von 'Eibi' waren wir eingeladen, das war schon sehr cool." Fünf Jahre ist er an der Seite von Markus "Eibi" Eibegger gefahren. "Von ihm habe ich viel gelernt. Er hat das Rennen perfekt gelesen. Auch wenn er an einem Tag schlechter drauf war als die anderen, konnte er gewinnen."

Gut drauf war Rabitsch auch im Vorjahr meist - obwohl fast die gesamte Saison der Pandemie zum Opfer gefallen ist. Kurzerhand entschloss er sich da, für den Grazer Fahrradboten-Dienst Veloblitz in die Pedale zu treten.

Länger als mit  Eibegger radelte er nur mit Riccardo Zoidl (8 Saisonen). Mit dem Oberösterreicher verbindet ihn noch etwas. "Er hat noch mehr kalt als ich", sagt er mit einem Lachen. Unter Kollegen und Freunden ist Rabitsch bekannt für einen Satz: "I hob so kolt!" (Anm.: Im Radsport "wird den Fahrern nicht kalt", sie "haben kalt". )

An das Kalte hat er sich aber mittlerweile besser gewöhnt. Immerhin ist er als Vertreter von "Kästle" in Österreich unterwegs – mit dem Auto. Das Rad wird aber immer "ein Begleiter in meinem Leben sein. Vielleicht werden meine Kinder einmal Sportler. Aber ich werde nie ein Vater sein, der sie zu irgendwas zwingt. Ich habe genug verbissene Väter gesehen."
Familie und Freunde haben sich rund um Mutter Sabine und Freundin Christiane für das Abschiedsrennen angekündigt. Aber: "Schauen wir einmal, wie kalt es wird."

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