Tadej Pogačar schrieb auf der 4. Etappe der Tour de France einmal mehr Geschichte – der Titelverteidiger fuhr mit seinem Etappenerfolg den bereits 100. Sieg als Radprofi ein. Der Slowene siegte am Dienstag in Rouen im Zielsprint der Crème de la Crème nach einigen steilen Anstiegen kurz vor dem Ziel vor Mathieu van der Poel und seinem ersten Herausforderer Jonas Vingegaard. Österreichs Hoffnungsträger Felix Gall, der schon davor mitunter zu kämpfen hatte, konnte das Tempo der Spitzenteams in den finalen Kilometern nicht mehr mitgehen und reihte sich mit 54 Sekunden Rückstand auf den Sieger als 32. der Etappe ein.

Van der Poel, der die Etappe gerne für den gestern ausgeschiedenen Träger des Grünen Trikots, seinen Alpecin-Teamkollegen Jasper Philipsen, gewonnen hätte, bleibt im Gelben Trikot. Während Philipsen Bilder nach bereits erfolgter Operation der Schulter aus dem Krankenhaus postete, hat der Niederländer Van der Poel zwar seinen Vorsprung auf Pogačar eingebüßt, liegt aber bei gleicher Zeit nach wie vor voran. Gall hat als 19. nun vor dem heutigen ersten „Scharfrichter“, dem 33-Kilometer-Zeitfahren rund um Caen, bereits 1:49 Minuten Rückstand auf das Gelbe Trikot.

Auf den 174 km von Amiens nach Rouen versuchten es zunächst einige Ausreißer, das Feld raste vor dem Finish aber heran. Pogačars UAE-Team und die Visma-Equipe von Vingegaard lancierten das Tempo, die beiden Topstars fuhren in der letzten, kurzen Steigung des Tages einer spektakulären Schlussphase allen davon. In einer bereits ausgedünnten Spitzengruppe versuchte Van der Poel im Zielsprint sein Glück, wurde aber von Pogačar abgefangen.

„100 Siege sind unglaublich“, sagte Pogačar im Sieger-Interview über seine erreichte Marke und betonte, dass dieser Erfolg vor allem im Jersey des regierenden Weltmeisters „etwas ganz Besonderes sei“. Aber auch er erwartete für das Zeitfahren am Mittwoch „einen richtigen Test“. Da warten 33 Kilometer auf das Feld und neben Pogačar steht vor allem Remco Evenepoel im Fokus. Der Belgier gehört als Doppel-Olympiasieger, darunter im Zeitfahren, zu den Favoriten auf den Tagessieg.