Ich heb ab, nichts hält mich am Boden“ heißt es in einem Lied von Sido und Andreas Bourani. Jakob Pöltl kann davon ein Lied singen. Der seit 2016 als erster und einziger in der NBA tätige Basketballer Österreichs spielt für die San Antonio Spurs seine beste Saison. Durchschnittlich 9,1 Rebounds (Platz 19), 1,8 Blocks (Platz 4) pro Partie sind Topwerte in der besten Basketballliga der Welt. 13,6 Punkte steuert der Wiener pro Spiel bei. 23 Double-Doubles (je mindestens 10 Punkte und 10 Rebounds) runden die Statistik ab. So gerne er auf dem Parkett abhebt, ist er doch enorm bodenständig. „Meine Mentalität ist es, nie zufrieden zu sein. Ich erwarte immer mehr von mir. Das ist, was mich am meisten nach vorne treibt“, sagt Pöltl.

Dass er eine immer größer werdende Verantwortung übernimmt, ist dem 26-Jährigen bewusst. Er hat sich zu einer Säule entwickelt, die aus dem Spurs-Spiel nicht wegzudenken ist. Obwohl er nach dieser Saison bei einem Karrierepreisgeld von rund 26 Millionen Euro stehen wird, fällt sein aktuelles Jahresgehalt für NBA-Verhältnisse mit rund 8 Millionen Euro bescheiden aus. Pöltl hat aber „keine Probleme damit“, stehen doch 2023 die nächsten Vertragsverhandlungen an, die ihn ganz bestimmt in neue Gehaltssphären hieven werden.

"Der beste NBA-Coach aller Zeiten"

Einen wesentlichen Beitrag am Erfolg von Pöltl trägt Trainer Gregg Popovich. Der seit 1996 bei den Spurs als Headcoach tätige Startrainer feierte am Wochenende seinen 1336. Sieg – ein neuer NBA-Rekord! Für Pöltl, der seit 2018 auf die Kommandos des 73-Jährigen hört, ist die Sachlage klar: „Gregg Popovich ist der beste NBA-Coach aller Zeiten.“ Warum dem so ist, versucht Österreichs bester Basketballer zu erklären. „Er ist trotz seines Alters noch Basketball-verrückt und ist mit Vollgas dabei. Dazu versteht er es, Spieler zu motivieren und ein Team zusammenzustellen. Die Rekorde sprechen ohnehin für sich“, sagt Pöltl. „Er kann auch in unterschiedlichen Facetten auftreten. Es gibt diese trockene und direkte Seite, den man von den Spielen kennt, aber auch diese sehr offene, nette Seite. Das war für mich auch ein Lernprozess.“

Jakob Pöltl und Gregg Popovich
Jakob Pöltl und Gregg Popovich
© (c) NBAE via Getty Images (Nathaniel S. Butler)

Darüber hinaus ist Popovich bekannt dafür, Spieler auch abseits von Basketball weiterzubringen. So spricht er auch schwierigere Themen an, um den Horizont seiner Spieler ständig zu erweitern und auch das Leben abseits einfacher zu meistern. Mit regelmäßigen gemeinsamen Abendessen („Spurs Dinner“) sorgt der Ex-Nationalteamcoach der USA für den Zusammenhalt, für den die Spurs so berühmt sind und die auch für fünf NBA-Titel sorgten. Genau dieser von Popovich ausgegebene Team-Basketball passt wie die Faust aufs Auge für Pöltl. „Wir haben ziemlich die exakte Basketball-Philosophie. Da passe ich gut dazu“, sagt der Wiener, der oftmals als altmodischer Spieler gesehen wird. „Das kann man schon so stehenlassen.“

Mehr Probleme bereitet ihm abseits des Parketts ein Hobby. „Hin und wieder spiele ich Golf. Ich bin aber ein katastrophaler Golfer“, sagt Pöltl, der den Grund dafür auch kennt. „Ich habe noch nie einen Golfschläger in der Hand gehabt, der größenmäßig an mich angepasst war.“ Bei 2,13 Metern braucht es wohl eine Maßanfertigung. Die gab es schon für das Online-Buchstabenspiel „Wordle“, nämlich „Poeltl“, das tatsächlich nach ihm benannt ist. Und das, na klar, als NBA-Edition.