Die Künstliche Intelligenz (KI) hat das Basketball-Transferwesen auf den Kopf gestellt. Nahezu punktgenau sind die Prognosen, die von der KI getroffen werden und mögliche Neuzugänge betreffen: Wie oft trifft ein Basketballer, wie präzise ist er von der Drei-Punkt-Linie? Wie oft schnappt er sich Rebounds? Die Kapfenberg Bulls vertrauen bei der Rekrutierung auf die KI: Ryan Lobreau, ein französischer Innenspieler, wurde im Hinblick auf das bevorstehende Cup-Final-Four in Wien und aufgrund der dünnen Personaldecke verpflichtet – und auch da ließen sich die Bulls ausrechnen, was der Neuzugang leisten kann und wird.
Zahlreiche Unternehmen haben sich auf diesen Service für Basketball-Klubs spezialisiert, in den letzten drei Jahren war die Entwicklung rasant, berichtet Michael Schrittwieser, der Manager der Kapfenberg Bulls. Gerade ein Sport wie Basketball liefert eine unendliche Dichte an Statistiken. Auf diesen Datendschungel greift die KI zu – „und berechnet, wie der jeweilige Spieler in der jeweiligen Liga funktioniert“, erklärt Schrittwieser und ergänzt: „Wir waren überrascht, wie valide das bereits ist. Mit genügend Daten ist heutzutage nahezu genau vorhersehbar, was der jeweilige Basketballer im Normalfall in der österreichischen Basketball-Liga produziert.“
Persönliche Faktoren wurden ausgeblendet
Unter dem ehemaligen Bulls-Trainer Antonio Herrera wurde im Jahr 2023 erstmals auf diese Form der Spielerakquise vertraut. „Wir haben Spieler geholt, die punktgenau auf die Vorhersage gepasst haben“, sagt Schrittwieser, verweist im selben Atemzug aber auf die Kehrseite: „Was damals vernachlässigt wurde, war, das persönliche Profil abzuchecken. Wie mental widerstandsfähig oder teamfähig ist der Spieler?“ Persönliche Faktoren schränkten die Leistungen ein. Mittlerweile haben die Bulls den Mittelweg genommen: Neben der KI-basierten Rekrutierung gibt es auch stets einen „mentalen Einstandscheck“, sagt Schrittwieser: „Mit diesem Mix sind wir sehr zufrieden.“
Des Rätsels Lösung ist die KI im Basketball daher nicht – auch, weil gerade das jüngste Beispiel zeigt, dass es auch limitierende Faktoren gibt: Die Bulls waren aufgrund verletzter Spieler gezwungen, vor dem Cup-Halbfinale am Samstag (13.30 Uhr) in Wien gegen Oberwart schnell zu handeln. Zu diesem Zeitpunkt der Saison gibt es weniger freie Spieler, zudem war die Suche auf Europa beschränkt, da für US-Amerikaner die Spielgenehmigung nicht rechtzeitig da gewesen wäre. Den Franzosen trainierte bereits unter Bulls-Co-Trainer Fernando Merchante in Spanien. Dennoch habe man ihn mit der KI „abgeklopft“, sagt Schrittwieser.
Wichtig sind freilich auch die Daten, die man nicht sieht: Wie entwickelt sich ein Spiel, wenn jemand auf dem Feld steht? Da soll sich Lobreau positiv auf das Bulls-Spiel auswirken – und Kapitän Nemanja Krstic entlasten: Erstmals seit 2020 sind die Bulls wieder in der vorletzten Cup-Runde. Das zweite Halbfinale bestreiten in der neuen Sport Arena Wien Wels und der BC Vienna (18.30 Uhr), das Finale findet am Sonntag (18 Uhr) statt.