Dopingjäger Zwischen Coronahilfe und Pflichterfüllung

Österreichs Nationale-Anti-Doping-Agentur (NADA) unterstützt die Bundesregierung in der Krise, testet aber auch weiterhin die Sportler. Pressesprecher David Müller beantwortet Fragen rund um die Anti-Doping-Maßnahmen.

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Her Müller, die NADA  beteiligt sich am Kampf gegen Covid-19. Wie sieht die Unterstützung aus?

David Müller: Die NADA Österreich hat rund 100 fallweise Beschäftigte von Kontrolloren bis zu Vortragende, musste aber Dopingkontrollen und Vorträge zuletzt aufgrund der aktuellen Situation deutlich heruntergefahren. Wir haben daher in Abstimmung mit dem Sportministerium sowie dem Gesundheits- und Innenministerium die Möglichkeit geschaffen, dass diese Beschäftigten unterstützende Tätigkeiten leisten können. Rund 25 Mitarbeiter haben sich bereits freiwillig gemeldet, das entspricht rund einem Viertel der Belegschaft. Die Kosten für diese Tätigkeiten trägt die NADA Austria, die Zuteilung der Aufgabengebiete erfolgt durch den jeweiligen Krisenstab der Bundesländer. Geplant sind dabei unter anderem auch Einsätze im Rahmen der Covid-19-Testungen.

Werden der NADA positiv auf Covid-19 getestet Sportler gemeldet, oder müssen das die Athleten tun?

Es gibt eine Richtlinie der WADA (Anm.: Welt-Anti-Doping-Agentur), dass Sportler, die von zusätzlichen behördlichen Maßnahmen betroffen sind, beispielsweise aufgrund von einer Erkrankung oder einer Quarantäne, dies an die jeweilige NADA melden sollen.

Führt die Krise zu einem Einschnitt im Kampf gegen Doping? Welche Dopingtests werden auch während der Krise durchgeführt?

Das Dopingkontrollprogramm wurde deutlich heruntergefahren und fokussiert auf hohes Dopingrisiko beziehungsweise entsprechende Verdachtslagen. Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat dazu spezielle Vorgaben erstellt, wie Dopingkontrollen, die bereits bisher unter höchsten Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen vorgenommen wurden, in Anbetracht der derzeitigen Situation durchzuführen sind. Selbstverständlich werden dabei auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen der österreichischen Bundesregierung penibel eingehalten.

>>>Hier geht es zur Medikamentenabfrage der NADA<<<

Die NADA arbeitet auf der Jagd nach Dopern eng mit der Exekutive zusammen – nicht nur aktiv mit Testungen. Laufen diese Aktionen weiter?

Selbstverständlich.

Andere Nationale-Anti-Doping-Agenturen haben bekannt gegeben, dass Testungen aktuell auf null gestellt werden. Warum?

Dies ist immer in Zusammenhang mit den Maßnahmen der jeweiligen Regierungen zu sehen. Je strikter die Auflagen sind, desto schwieriger gestaltet sich die Durchführung von Dopingkontrollen.

Ist das nicht sogar ein "Freibrief" für Doping-Willige in diesen Ländern und wieso kommt es zu solchen Unterschieden?

Die Unterschiede ergeben sich aufgrund der unterschiedlichen Maßnahmen der Regierungen. Die Anti-Doping Arbeit hat sich in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. Dopingkontrollen sind zwar weiterhin ein wichtiger Bestandteil, aber es gibt eine ganze Reihe ebenso wichtiger Maßnahmen. Der biologische Athletenpass und weitere indirekte Beweisverfahren, die sich etwa aus der Zusammenarbeit mit staatlichen Ermittlungsbehörden ergeben, erweisen sich auch in dieser herausfordernden Phase als sehr hilfreich.

Auch die Olympischen Spiele von Tokio wurden auf kommendes Jahr verschoben. Zum neuen Zeitpunkt werden Sperren ausgelaufen sein, die heuer schlagend geworden wären. Sind diese Athleten dann startberechtigt?

Das wird derzeit sowohl von WADA als auch vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) geprüft.

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David Müller von der NADA Österreich © GEPA

Sind Medikamente, die für die Behandlung von Covid-19 oder den Symptomen eingesetzt werden, von der Liste der verbotenen Substanzen ausgenommen, oder bedarf es hier einfach einer ärztlichen Bestätigung?

Hier ändert sich nichts zu den bisher geltenden Bestimmungen. Wenn ein Sportler eine verbotene Substanz oder verbotene Methode aus medizinischen Gründen anwenden muss und es keine erlaubte Alternative gibt, ist dies zulässig. Spitzensportler, die im Testpool der NADA Austria sind, müssen dazu eine Ausnahmegenehmigung im Voraus beantragen, alle anderen können dies im Nachhinein im Zusammenhang mit einer Dopingkontrolle machen. Viele der derzeit eingesetzten Medikamente sind aber ohnehin nicht auf der Verbotsliste. Mit unserer Medikamentenabfrage oder App lässt sich das jeweilige Medikament in Sekundenschnelle überprüfen.

Gibt es weitere Entwicklungen oder neue Erkenntnisse aus der "Operation Aderlass"?

Ja, am Wochenende ist wieder ein weitere internationaler Name publik geworden.* Die Aufarbeitung schreitet natürlich voran, auch wenn Verhandlungen und Gerichtstermine momentan ausgesetzt sind.

*Anmerkung der Redaktion: Laut Medienberichten steht die kroatische Marathonläuferin Lisa Nemec unter Verdacht, dem Dopingnetzwerk anzugehören, das in Zusammenhang mit der "Operation Aderlass" steht.

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