Nach schweren Vorwürfen gegen einen Tischtennis-Jugendtrainer hat das Sportministerium einen Förder- und Abrechnungsstopp gegen den österreichischen Tischtennis-Verband (ÖTTV) verhängt. Wie das Ministerium am Montag mitteilte, sind „mögliche Versäumnisse“ beim Umgang mit den Vorwürfen im Verband der Grund. Im Raum stehe unter anderem „die Verletzung der Förderverträge, deren Bestandteil auch Maßnahmen im Bereich Prävention und Integration“ seien.

Die Tageszeitung „Der Standard“ hatte vor zehn Tagen über Vorwürfe mehrerer minderjähriger Spielerinnen gegen den Nachwuchstrainer berichtet. „Er hat sich oft zu uns ins Bett gelegt“, haben die Mädchen bzw. junge Frauen demnach über ihren früheren Coach gesagt. Dieser habe dabei „chillen“ oder eine sportliche Leistung „nachbesprechen“ wollen. „Ich will, dass Mädchen und Frauen im österreichischen Tischtennis sicher sind. Die im Raum stehenden Vorwürfe sind erschreckend und dürften im Verband schon länger bekannt sein“, sagte Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt (SPÖ) nun.

Schmidt verurteilt Verhalten

Anzügliche Nachrichten oder Nachbesprechungen im Bett hätten zwischen Jugendlichen und Trainern keinen Platz, betonte Schmidt. „Unter den derzeitigen Voraussetzungen kann ich es nicht verantworten, derartige Zustände mit Steuergeld zu unterstützen. Athlet:innen, insbesondere Mädchen und Frauen im österreichischen Sport, haben sich ein angstfreies Umfeld verdient“, sagte Schmidt, die die Aufklärung des Falles durch die Staatsanwaltschaft weiterhin begrüßt. Der ÖTTV hat die Zusammenarbeit mit dem Jugendtrainer beendet.

Der Stopp bleibe laut Ministerium aufrecht, „bis der Tischtennis-Verband umfassend zur Klärung der erhobenen Vorwürfe beigetragen und ein funktionierendes Präventions- und Integritätsmanagement umgesetzt“ hat. Dieses müsse auch sicherstellen, dass Vorwürfen von Fehlverhalten im gesamten Verband und den Vereinen „konsequent, unabhängig und professionell“ nachgegangen wird.

Schmidt will Bereich Integrität neu aufstellen

Schmidt sehe sich darin bestätigt, hieß es weiter, den Bereich Integrität im österreichischen Sport neu aufzustellen. „Sport ist ein Spiegel der Gesellschaft, im Positiven wie im Negativen.“ Aufgabe der Sportpolitik sei es, für einen „sauberen und ethisch korrekten Sport“ zu sorgen.