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Formel 1 vor Spielberg Ein Start mit vielen offenen Fragen

Die Formel 1 steht nicht nur vor dem verspäteten Start der WM-Saison 2020, sondern auch vor einem wohl historischen Umbruch. Im Hintergrund der zwei Spielberg-Rennen wird derzeit mit Hochbetrieb um die strategische und finanzielle Ausrichtung in der Zukunft gefeilscht, der Zwang zum Sparen ist aber schon jetzt merkbar.

Bald geht´s wieder los mit den schnellen Flitzern
Bald geht´s wieder los mit den schnellen Flitzern © GEPA pictures/ Christian Walgram
 

 

Nach fast vier Monaten Zwangspause wegen der Covid-19-Pandemie gibt es sportlich eine dominierende Frage: Wird beim Doppel auf dem Red-Bull-Ring (5. und 12. Juli) alles anders oder düst Mercedes der Konkurrenz weiter davon? Ersteres glaubt zumindest Red-Bull-Teamchef Christian Horner, der vor kurzem fabulierte, die Corona-Weltmeisterschaft könnte vielleicht sogar "die beste aller Zeiten" werden.

Wo die einzelnen Rennställe jetzt stehen, ist tatsächlich die große Preisfrage. Schließlich gibt es seit den Wintertests im Februar keine Anhaltspunkte, und die waren auf magere sechs Tage beschränkt. Die Teams hatten nur ein paar Wochen Zeit, die zwischenzeitlich angestaubten Fahrzeuge rennfit zu machen. In Melbourne hätte am 13. März der programmgemäße Saison-Auftakt stattfinden sollen. Ende März wurden dann die Fabriken zwangsweise geschlossen, Mitarbeiter in Kurzarbeit oder Zwangsurlaub geschickt.

So dürfte die Haltbarkeit ein wichtiges Kriterium werden, aber auch das Virus könnte noch eine entscheidende Rolle spielen. Wenn die Rennen vor Geisterkulisse in der Steiermark ohne Zwischenfälle über die Bühne gehen, wäre das in Hinblick auf die bereits fixierte Europa-Tour mit acht Grands Prix in zehn Wochen eine große Erleichterung. Doch was passiert, wenn Fahrer positiv getestet werden und dadurch Events verpassen würden? Wie wäre eine Weltmeisterschaft dann sportlich einzuordnen?

Budget schrumpft

Die Corona-Zeit hat gleichzeitig massive Auswirkungen auf die nächsten Jahre. Im Mai einigten sich die zehn Teams mit dem Weltverband (FIA) auf ein neues Reglement. Kern des Pakets ist ein Budget-Deckel: Ursprünglich war eine Limitierung auf 175 Millionen Dollar pro Jahr diskutiert worden, daraus wurden mit Beginn 2021 145 Mio. Dollar. Bis 2025 soll die Grenze auf 135 Mio. sinken. Vereinbart wurde weiter, den großen Einschnitt bei den Regeln und Motoren zu verschieben. Ein Sieg der Vernunft, den es ohne den Eindruck der Corona-bedingten Einbußen nicht gegeben hätte, urteilen Beobachter.

Auch wenn die Gagen für Fahrer sowie das Top-Management nicht unter die Kostengrenze fallen, hat die Schrumpfkur bereits jetzt begonnen. Nicht nur die großen Konzern-Ableger Ferrari, Mercedes, Renault und Red Bull, auch Teams der Mittelklasse werden die Payroll kürzen und Mitarbeiter entlassen müssen. Einer der letzten "Dinos" der Formel 1, der ehemalige Weltmeister-Rennstall Williams, steht zum Verkauf. Das zeigt, wie ernst die Lage hinter der Glamour-Fassade ist. Und ohne Zuschauereinnahmen werden auch die Grand-Prix-Ausrichter ihr Engagement vermehrt hinterfragen.

Rennsport im Wandel der Zeit

Puncto Vermarktung steckt die Formel 1 sowieso mitten im Wandel. Mit der steigenden Anzahl abgesagter Rennen rührte das Marketing in den vergangenen Wochen kräftig für die E-Sport-Serie der Formel 1 die Werbetrommel. Fahrer wie Max Verstappen, Charles Leclerc, George Russell und Alexander Albon nahmen an einzelnen Rennen teil, kumulierte 30 Mio. Zuschauer sahen über Fernsehen und digitale Plattformen zu - ein Fingerzeig für die Zukunft. Mit dem Rückzug von RTL als Free-TV-Anbieter in Deutschland wird 2021 außerdem ein nächster langjähriger Kernmarkt kippen. Auch im Nachbarland wird die Formel 1 dann größtenteils nur noch hinter der Bezahlschranke live zu sehen sein.

Um sichtbare Aktivität bemüht ist die Formel 1 dort, wo es um die großen Fragen der Zeit geht: den Kampf gegen Rassismus, die noch nicht bewältigte Pandemie, das Ringen um das Weltklima - zu allen Themen hat die Formel 1 symbolträchtige Aktionen gestartet, sie in ihre offizielle Kommunikation integriert. Die Formel 1 dürfe zu alldem nicht schweigen, wenn sie weiter relevant bleiben will. So sehen es zumindest das vom US-Konzern Liberty Media gestellte Management und FIA-Boss Jean Todt.

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