Gerade einmal zwei Grand-Prix-Wochenenden Zeit bekam Liam Lawson, ehe der Neuseeländer vom nächsten „Wunderkind“ zum Bauernopfer beim Zweitteam Racing Bulls degradiert wurde. Selbst für die Bullen eine neue Bestmarke, die vor dem jahrelangen Festhalten an einem strauchelnden Sergio Perez bereits für ihre Ungeduld bekannt waren. Alexander Albon musste seinen Platz beim Einserteam 2021 nach nur einer vollen Saison räumen, nachdem der Thailänder selbst ein Jahr zuvor von Pierre Gasly übernahm, der nach schwachen Vorstellungen während der Weltmeisterschaft ebenfalls ins Zweitteam geschickt wurde. So bekannt Red Bull Racing für die eigene Nachwuchsarbeit auch ist, so verschwenderisch geht das Team mit eigenen Talenten um.

Jüngstes Beispiel ist also Lawson, der sich seinen Saisonstart an der Seite von Max Verstappen sicherlich anders vorgestellt hätte. Logischerweise waren seine Auftritte alles andere als vielversprechend, teilweise sogar nicht konkurrenzfähig. Einen Rookie aber bereits nach zwei Rennen ausgerechnet mit jenem Fahrer zu ersetzen, gegen den sich die Red-Bull-Verantwortlichen 2024 im direkten Vergleich bewusst entschieden haben, ist ein Eingeständnis der eigenen Fehleinschätzung. Als es im Vorjahr um die Nachfolge des abgesägten Perez ging, legten sich Christian Horner und Co auf Lawson fest, da sie dem Neuseeländer aufgrund der geringeren Erfahrung ein größeres Potenzial zuschrieben. Tsunoda sei zwar über Jahre hinweg solide gewesen, Lawson habe dafür aber das gewisse Etwas.

Tsunoda muss auf Anhieb funktionieren

Bereits nach zwei Grand-Prix-Wochenenden glaubt aber innerhalb des Bullenstalls anscheinend niemand mehr an „das gewisse Etwas“ des Neuseeländers. Den Wechsel so früh in der Saison zu vollziehen, zeigt vor allem, dass bei Red Bull Racing hinter den Kulissen die Alarmglocken bereits schrillen. Der RB21 ist derzeit kein Siegerauto, konnte bisher nur von Weltmeister Verstappen gezähmt werden. Mit Tsunodas Erfahrung erhofft sich das Team ab sofort Unterstützung in der Weiterentwicklung des Autos, um den eigenen Erwartungen noch irgendwie gerecht zu werden. „Es war schwierig zu sehen, wie Liam bei den ersten beiden Rennen mit dem RB21 zu kämpfen hatte, und deshalb haben wir gemeinsam die Entscheidung getroffen, frühzeitig zu wechseln“, wird Teamchef Horner in einer Aussendung zitiert. „Wir sind mit zwei Zielen in die Saison 2025 gegangen: die Fahrerweltmeisterschaft zu verteidigen und den Konstrukteursweltmeistertitel zurückzuerobern. Deshalb ist es eine rein sportliche Entscheidung.“

Neben dem sportlichen Aspekt hat aber wohl auch eine kräftige Finanzspritze von Honda bei der Entscheidung geholfen. Medienberichten zufolge soll der japanische Hersteller die Beförderung des eigenen Schützlings Tsunoda mit mehreren Millionen unterstützt haben. Doch auch ohne Mitgift ist die Entscheidung sportlich nachvollziehbar. Seit Jahren lässt der 24-Jährige sein Talent immer wieder aufblitzen und legte auch auf der persönlichen Ebene eine Entwicklung hin. Dennoch ging er immer wieder leer aus, wenn es um eine Beförderung zum Einserteam ging. Tsunoda hat sich diese Chance absolut verdient. Im Idealfall hätte er dafür sogar ausreichend Vorbereitungszeit bei Red Bull bekommen. So muss der Japaner auf Anhieb beim Heimrennen in Suzuka abliefern, während hinter der Zukunft Lawsons nach der Degradierung ein großes Fragezeichen steht.